"Ich stehe nicht mit der Privatschatulle dahinter"
Von Dennis Baier
Hamburg - Der HSV Hamburg hat derzeit nicht nur mit sportlichen Problemen zu kämpfen.
Obwohl der Saisonetat größtenteils gesichert scheint, steht ein Gehaltsverzicht der Spieler bis zu 20 Prozent im Raum. HSV-Präsident Matthias Rudolph geht davon aus, dass die Spieler die finanziellen Einbußen mittragen.
Somit plagt sich das Team von Trainer Martin Schwalb vor dem wichtigen Duell gegen den TV Großwallstadt (Sa., 19 Uhr LIVESCORES) gleich mit mehreren Schwierigkeiten in der DKB Handball-Bundesliga.
Im SPORT1-Interview (Handball Live, Di., ab 19.45 Uhr im TV auf SPORT1) nimmt Rudolph zur finanziellen Situation der Norddeutschen Stellung.
Matthias Rudolph über...
•… die Deckung des Saisonetats von 8,1 Millionen: "Von dem Etat ist schon ein sehr hoher Prozentsatz gedeckt. Der ist konservativ gerechnet. Wir rechnen mit den Zahlen die wir erreichen können und werden. Ob wir mit dieser Summe aber wirklich auskommen können, um unsere Kosten zu decken, ist momentan die Frage.
Die Problematik ist sicherlich im ganzen Handball gegeben: Vom Norden bis zum Süden und von Moskau bis nach Madrid. Ich stehe bestimmt nicht mit der Privatschatulle dahinter und auch mein Bruder kann und will das nicht mehr. Der Etat mit den laufenden Kosten ist konservativ gerechnet gedeckt. Wir müssen aber trotzdem versuchen, Kosten eventuell noch anzufassen oder zu streichen, die uns in der Leistung nicht verschlechtern. Und dann machen wir uns eigentlich nicht so große Sorgen."
•… auf die Frage, wo der HSV Handball wirtschaftlich in drei Monaten steht: "Wirtschaftlich stehen wir so da, dass die Saison weitergeführt wird und alles weiterläuft."
•… über einen Gehaltsverzicht der Spieler von 20 Prozent: "Die Zahl steht sicherlich im Raum. Wir werden weiter versuchen, das über eine Steigerung der Einnahmen zu reduzieren. Das Ziel ist es aber, dass alle in der Gruppe einen Weg zusammen mitgehen. Wir wollen keinem vor dem Kopf hauen und sagen: 'Du musst', sondern jeder muss erkennen‚ dass das eine Sache ist, an der er durch seine persönliche sportliche Leistung teilhaben will."
•… auf die Frage, ob alle Spieler bei den finanziellen Einbußen mitziehen werden: "Alle wissen, dass wir weitermachen wollen und das sie die Gegenwart und die Zukunft weiter positiv durch Leistungen auf und außerhalb des Spielfelds weiter mitbestimmen können. Es gibt auch Verständnis dafür, dass das, was da ist, vernünftig verteilt wird. Es ist jedem klar, dass sich keiner an dem Geld bereichert, das irgendwo eingespart wird. Für den Verein ist es der richtige Weg, für die Spieler leider nicht - ich finde solche Spitzenathleten sollten mehr verdienen."
•… über zu hohe Spielergehälter in der Vergangenheit: "Menschen, die so viel Leistung bringen, sollten auch entsprechend entlohnt werden. Und wenn man heutzutage die Belastung eines Handballspielers sieht, sollte da eigentlich ein bisschen mehr übrig bleiben. Das gibt momentan der Sport über unsere Vermarktung und über unsere Zuschauer aber nicht her. Von zu hohen oder falschen Gehältern würde ich nie reden."
•… über die Sponsoren-Akquise: "Jeder, der einen kennt, der mit dem HSV in Verbindung gebracht werden kann und ein potenzieller Interessent oder Sponsor ist, muss angesprochen werden. Da können sich die tollsten Dinge ergeben."
•… über den Zwang, auch in der nächsten Saison Champions League spielen zu müssen: "Finanziell ist die Champions League ja leider nicht das, was sie beim Fußball ist. Aber sportlich, um für Spieler interessant zu sein, die Champions League spielen wollen, auf jeden Fall. Das ist auch unser Anspruch. Wir sind ja auch in den Jahren zuvor in der Champions League immer sehr weit gekommen und haben dort immer ein sehr gutes Bild abgegeben. Und das ist das Ziel. Wenn wir nicht den Anspruch haben, uns in der Bundesliga so aufzustellen, dass wir dort oben hinkommen und dort dann eine vernünftige Leistung abliefern, dann sind wir in der falschen Richtung."