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Zvonimir "Noka" Serdarusic trainierte den THW Kiel von 1993 bis 2008 © getty

Nach dem Manipulations-Prozess will Kiels Ex-Coach Serdarusic in den Handball-Zirkus zurück. Zwei Angebote lehnte er ab.

München - Die Botschaft an die DKB Handball-Bundesliga ist eindeutig:

Zvonimir "Noka" Serdarusic ist wieder zu haben - und er will es noch mal wissen.

Nach dem Freispruch in der Revision des Prozesses um den spektakulären Kieler Handball-Skandal (News) meldet sich der frühere THW-Meistertrainer nun zurück und hofft auf eine Rückkehr in die stärkste Liga der Welt.

Zvonimir Serdarusic will wieder arbeiten, "am liebsten in der Bundesliga", sagte er.

Erleichterung bei Serdarusic

Das Ende des Verfahrens, in dem es primär um eine vermeintliche Manipulation des Champions League-Finalrückspiels zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt (29:27) im Jahr 2007 gegangen war, sei nach dreieinhalb Jahren "wie erwartet ausgefallen", sagt Serdarusic.

"Dennoch empfinde ich natürlich große Erleichterung. Denn obwohl es nie ein juristisches Berufsverbot gab, so war es doch ein praktisches - zumindest hier in Deutschland."

"Zu jung, um zu fischen"

Der seit 1998 eingebürgerte Trainer, der mit Kiel zwischen 1993 und 2007 elfmal die deutsche Meisterschaft, fünfmal den Pokal und viermal den Europacup gewann, fühlt sich in Comeback-Form.

Seine gesundheitlichen Probleme seien ausgestanden: "Ich bin wieder fit und bereit. Ich habe mein ganzes Leben im Spitzenhandball gearbeitet - ohne Pause. Bis 2008. Es fehlt einfach etwas. Für die Rente bin ich mir noch zu schade. Ich bin auch noch zu jung um nur zu fischen", spielt er auf seine Zwangspause an.

Die verbrachte der leidenschaftliche Angler teils bei seiner Familie in Hamburg und teils in seiner früheren Heimat in Bosnien-Herzegowina sowie an der Küste Kroatiens.

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Start zur nächsten Saison?

Zweimal sei er während seiner Abstinenz aus der Bundesliga kontaktiert worden.

Weiterverfolgt habe er keine der beiden Anfragen: "Für mich stand immer fest, dass diese Geschichte erst vorbei sein muss, bevor ich in Deutschland wieder einsteigen kann."

Klar sei ihm, dass einem neuen Job der Rauswurf eines Kollegen vorausgehen müsste - "was mir nicht behagt. Ich war noch nie in Lauerstellung und habe auf den Misserfolg eines anderen Trainers gewartet, musste ich auch noch nie."

Lieber würde er erst zur nächsten Saison beginnen, um "selbst mitgestalten zu können", doch auch einem Quereinstieg in der laufenden Spielzeit ist er nicht abgeneigt: "So ist nun mal das Geschäft, diese Gesetze habe ich nicht gemacht".

Deutschland muss es sein

Der Vermutung, er würde am liebsten ein Spitzenteam übernehmen, mit dem sich sein Ex-Arbeitgeber THW angreifen ließe, widerspricht Serdarusic: "In den oberen Regionen gibt es ja nicht so viele Vereine, aber es gibt einige, die nach oben wollen. Mich würde durchaus ein entwicklungsfähiges Team, unabhängig vom aktuellen Tabellenplatz interessieren."

Bei einem solchen Versuch war er 2009 mit den Rhein-Neckar Löwen gescheitert (126233DIASHOW: Der DKB HBL-Tranfermarkt).

Deutschland als Betätigungsfeld favorisiert Serdarusic "allein schon der Sprache wegen".

"Ich muss mit einer Mannschaft kommunizieren können, Spieler und Trainer müssen eine Einheit werden - das ist über einen Dolmetscher kaum möglich. Zumindest entspricht das nicht meinen Vorstellungen vom Umgang mit einem Team, das man erst formen muss", so der 72-malige Nationalspieler aus dem früheren Jugoslawien.

Erneut ist Geduld gefragt

Dort will er nicht wieder ins Trainergeschäft einsteigen, obwohl es keine sprachliche Barriere gäbe (DATENCENTER: Tabelle und Ergebnisse der DKB HBL).

Angebote aus dieser Region und auch aus anderen Ländern habe es gegeben - "aber ich favorisiere ganz klar die Bundesliga".

Der ehemalige Meistermacher vor einem kompletten Neuanfang? Nach dem monatelangen Warten auf den - für ihn erlösenden - Urteilsspruch ist nun Serdarusic' Geduld auf Bewegung im Trainermarkt gefragt.

Zunächst bleibt er in Wartestellung.

Eine nicht mehr ganz so neue Situation für den Schleifer und Taktikfuchs.

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