"Alles ist möglich": Neue Löwen nun Kiel-Jäger Nr. 1?
München/Mannheim - Sieben Spiele, sieben Siege - die Bilanz der Rhein-Neckar Löwen in der DKB Handball-Bundesliga könnte besser nicht sein.
Auch gegen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt setzten sich die Mannheimer am siebten Spieltag souverän durch ( Bericht).
"Die Mannschaft ist intern stabiler. Sie lassen sich von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Das zeichnet die neuen Löwen aus", sagte Ex-Löwen-Schlussmann und SPORT1-Experte Henning Fritz.
Bundestrainer Martin Heuberger lobte derweil die "aggressive, sehr gut stehende Abwehr".
Konkurrenz beeindruckt
Empfand die Konkurrenz bei Löwen-Niederlagen zuletzt immer etwas Schadenfreude, hat sich das Team mit seinen engagierten Leistungen inzwischen Respekt erarbeitet.
"Die Mannschaft ist hinter Kiel Favorit auf die Meisterschaft", sagte Großwallstadts Trainer Peter David.
Und Flensburgs Lars Kaufmann konnte seine Aussage, die er bereits vor der Partie tätigte, wenig später nur wiederholen: "Die Löwen sind die Mannschaft der Stunde."
Gudmundsson kritisiert
Die derzeit von allen Seiten gelobten Verantwortlichen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und verzichten auf große Sprüche.
"Trotz dieses Erfolges gilt es die Kirche im Dorf zu lassen", warnte Manager Thorsten Storm: "Die Partie hätte auch anders herum ausgehen können. Aber wir hatten heute das nötige Quäntchen Glück."
Trainer Gudmundur Gudmundsson, der nach den Olympischen Spielen als isländischer Nationaltrainer aufgehört hat und sich nun ganz auf die Löwen konzentriert, sieht noch Steigerungspotenzial: "Flensburg war ein echter Prüfstein. Aber es gab auch einige Momente, in denen wir künftig cleverer und besser spielen müssen. Das heißt, wir haben noch jede Menge Arbeit vor uns".
Fritz ist positiv
Dennoch könnten sich die Löwen in dieser Saison zum größten Rivalen von Branchenprimus und Titelverteidiger THW Kiel (11:1 Punkte) aufschwingen ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Es ist enorm viel möglich", meinte Fritz.
Rückraumspieler Kim EKdahl du Rietz erklärte: "Es ist alles möglich, auch wenn Kiel schwer zu schlagen ist".
Keine "große Klappe" mehr
Der Grund für diese Erfolge ist so einfach wie erstaunlich.
Die zuletzt meist zahnlosen Löwen haben trotz eines um über zwei Millionen Euro abgespeckten Etats endlich den richtigen Biss.
Trotzdem hält man den Ball flach, die Zeiten vollmundiger Ankündigungen sind vorbei. Die neuen Löwen lassen auf ihren Beutezügen lieber Taten sprechen.
"Wir haben in diesem Jahr keine so großen Ziele angegeben, was ich sehr charmant finde. Zuletzt hatten wir immer eine große Klappe, was unsere Saisonziele angeht, und wir haben sie nicht erreicht", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch.
"Jüngste Mannschaft, die es bei uns je gab"
Der Weltmeister von 2007 verzichtet nach dem Rückzug des dänischen Geldgebers Jesper Nielsen im Februar in dieser Saison auf 30 Prozent seines Gehalts.
"Ich habe hier gutes Geld verdient, deshalb bin ich dem Klub entgegengekommen", sagte Roggisch und schlug lukrativere Angebote aus.
Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk, Olafur Stefansson, Gudjon Valur Sigurdsson, Björge Lund - klangvolle Namen des internationalen Handballs haben die Löwen zuletzt verlassen.
Der Etat wurde nach eigenen Angaben auf 5,5 Millionen Euro zurückgefahren.
"Wir haben die jüngste Mannschaft, die es bei uns je gab", so Manager Thorsten Storm.
Neuzugänge schlagen ein
Bei den Neuzugängen bewies Gudmundsson ein gutes Händchen.
Der dänische Nationalkeeper Niklas Landin bildet mit Goran Stojanovic das beste Torhüter-Duo der Liga. Auch die Nationalspieler Alexander Petersson (Island) und l du Rietz (Schweden) haben eingeschlagen. Ansonsten wurden junge, weitgehend unbekannte Akteure geholt.
Diese sind aber umso erfolgshungriger.