TuSEM freut sich auf "großartiges Geschenk" aus Kiel
Von Annette Bachert
München - Null Punkte, die meisten Gegentore und Tabellenplatz 18: Nach acht Spieltagen rast Ex-Meister TuSEM Essen in der DKB Handball-Bundesliga dem direkten Wiederabstieg entgegen.
Mit dem THW Kiel (So., ab 14.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) kommt jetzt auch noch einer der härtesten Gegner auf die Margarethenhöhe.
Doch statt Krisenstimmung herrscht beim TuSEM Vorfreude pur:
"Es ist ein großartiges Geschenk und das Ereignis, an welches im Zusammenhang mit dem Aufstieg stets zu allererst gedacht wurde", stellt TUSEM-Geschäftsführer Dr. Niels Ellwanger fest.
"Ein besonderes Erlebnis"
Und Coach Maik Handschke erklärt: "Wir alle freuen uns auf dieses Spiel gegen die momentan vielleicht weltbeste Mannschaft. Gegen Spieler wie Ahlm, Jicha, Narcisse oder Omeyer zu spielen ist schon ein besonderes Erlebnis für unsere junge Truppe."
Bisher kam bei Aufsteiger Essen zwar noch nichts Zählbares heraus, mit der Einstellung und Leistung seines Teams ist Handschke dennoch nicht unzufrieden.
Rückkehr von Gislason
"Ich bin stolz auf meine Mannschaft, denn wir mussten heute nicht nur auf Philipp Pöter und Andre Kropp, sondern im Spiel dann auch noch auf Jan Kulhanek und Julius Kühn verzichten", sagte Handschke nach der 23:29-Pleite gegen Balingen am 8. Spieltag.
Doch abgesehen von Spielmacher Pöter, der nach einer Meniskusoperation voraussichtlich bis Ende des Jahres ausfallen wird, kann Handschke gegen Kiel wieder aus den Vollen schöpfen.
Gleiches kann allerdings auch THW-Coach Alfred Gislason, der von 1983 bis 1988 beim TuSEM selbst aktiv war und dort seine beiden Meister-Titel als Spieler gewann ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Ein schönes Gefühl"
Ein besonderes Wiedersehen mit dem TuSEM feiern am Sonntag auch Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson und Kreisläufer Patrick Wiencek.
Der Isländer Sigurdsson begann seine Bundesliga-Karriere in Essen.
Wiencek hatte in der Saison 2008/2009 großen Anteil an Essens Aufstieg in die Bundesliga, wechselte nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg allerdings zum VfL Gummersbach.
"Für mich ist es ein schönes Gefühl, zum ersten Mal wieder nach Essen zurückzukehren. Ich hier habe ich zwei schöne Jahre gehabt", verriet "Bamm-Bamm" der Zeitung "Der Westen".
Tabellenplatz keine Überraschung
Ein schönes Jahr, unabhängig vom Liga-Verbleib, erhoffen sich trotz aller Widrigkeiten auch die Essener in ihrer ersten Saison im Oberhaus nach zwei Insolvenzen in den vergangenen sechs Jahren.
"Natürlich hatten wir uns nach dem überraschenden Aufstieg einen besseren Start erhofft. Bei realistischer Einschätzung muss man aber sagen, dass es ein normaler Zustand ist", so Ellwanger.
"Ich bin mir ganz sicher, dass wir noch Punkte machen werden. Ob das am Ende reichen wird, kann ich nicht sagen", erklärt der Manager weiter.
TuSEM gibt sich Zeit
Teure Stars wie in Kiel oder auch zu Beginn des neuen Jahrtausends in Essen werden hier wohl vorerst nicht mehr auflaufen ( STENOGRAMME: Der 9. Spieltag).
Mit 1,7 Millionen Euro zählt der Essener Etat zu den kleinsten in der Liga, das Team ist das jüngste aller 18 Bundesligisten. Im Vergleich: Der THW arbeitet mit einem Budget von rund 9,5 Millionen für die laufende Saison.
"Wir setzen jetzt auf junge, eigene Spieler, die wir weiterentwickeln", sagt Ellwanger: "Der Nachwuchsbereich spielt in unserem Konzept die entscheidende Rolle. Das Ganze braucht Zeit - und die haben wir."
Kaum Druck gegen den THW
Daran würde auch die neunte Niederlage im neunten Spiel nichts ändern.
Denn, dass gegen Kiel etwas Zählbares herausspringen könnte, glaubt Handschke nicht: "In kaum einem anderen Spiel haben wir weniger Druck, wir wollen mutig zu Werke gehen, den Zuschauern zeigen was wir können und ein gutes Spiel abliefern."