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Marcus Ahlm (v.) wurde mit dem THW Kiel sieben Mal Deutscher Meister © imago

Nach Kiels Glanzleistung gegen die Löwen steht der Meisterschaft fast nichts mehr im Wege. Jicha macht eine Kampfansage.

Von Annette Bachert

München - 13 Spieltage schien die DKB Handball-Bundesliga von der Normalität abgerückt zu sein, jetzt verläuft sie wieder in geregelten Bahnen.

Und der THW Kiel steht wieder da, wo er eigentlich fast immer steht: an der Tabellenspitze.

Denn das vermeintliche Spitzenspiel, das sich binnen weniger Minuten als keines entpuppte, verkam zu einer Machtdemonstration des Triple-Siegers. Das Team von Cheftrainer Alfred Gislason fertigte die Rhein-Neckar Löwen mit 28:17 (Bericht) ab.

"Wir haben sehr viel sehr richtig gemacht, im Angriff konsequent auf die Schwächen der sonst so starken Löwen ausgenutzt und hochverdient gewonnen", sagte der sichtlich stolze Gislason bei SPORT1.

"Das ist nicht entschuldbar"

Und auch der gegnerische Manager Thorsten Storm erkannte die Zwei-Klassen-Gesellschaft an diesem Tag an: "Sie haben uns gezeigt, dass sie die beste Mannschaft der Welt sind. Ihre Klasse war zu groß."

Ähnlich sah das auch Löwen-Abwehrchef Oliver Roggisch.

"Kiel hat alles richtig gemacht, wir sehr viel falsch. So hoch zu verlieren ist nicht entschuldbar", sagte der Routinier: "Gerade die erste Halbzeit war eine Katastrophe. Wir waren nicht bereit für dieses Spiel."

Kein Durchkommen für die Löwen

Vor allem im Angriff fanden die Mannheimer zu keiner Zeit ins Spiel, ließen sich von Kiels offensiver, aggressiver Deckung völlig aus dem Konzept bringen. Nach knapp zehn Minuten war es Youngster und Uwe Gensheimers Vertreter Kevin Bitz, der den grandios aufgelegten Thierry Omeyer als Erster bezwang.

Nichts war mehr da von dem "super erfrischenden Handball", wie sich Gislason ausdrückte, der den Löwen bis zur Pleite gegen den THW 13 Siege in 13 Spielen einbrachte. Die sonst so gefährlichen Rückraum-Akteure, Kim Ekdahl du Rietz und Alexander Petersson, produzierten Fehlwürfe am laufenden Band.

Auch Spielmacher Andy Schmid fand keinen Schlüssel, die Kieler Deckung zu knacken. Und die Flügelspieler Patrick Groetzki sowie Bitz blieben immer wieder an Omeyer hängen.

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Gudmundsson bleibt positiv

Die schwere Verletzung von Kapitän Gensheimer (Bericht) hemmte die Mannheimer mehr, als es im Vorfeld der Fall zu sein schien.

Doch ob ein einziger Spieler, wenn auch Spielführer, Siebenmeterschütze und grandioser Linskaußen, diese Pleite hätte abwenden können, bleibt fraglich.

Eines ist jedoch sicher, wie Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson feststellte: "Wir haben nicht so gespielt, wie wir es können."

Und fügte an: "Sicherlich bin ich enttäuscht über diese Niederlage. Aber wir haben bislang eine fantastische Serie gespielt. Wir müssen jetzt unsere Köpfe hoch nehmen. Es waren heute nur zwei Punkte, die wir verloren haben."

Meisterschaft schon entschieden?

Doch eben diese zwei Zähler könnten schon die Vor-Entscheidung in der Meisterschaft bedeuten.

Denn wer, wenn nicht die Löwen, soll den "Zebras" nun Paroli bieten. Bereits der Tabellendritte, die Füchse Berlin, sind mit acht Minuspunkten viel zu weit weg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auch Flensburg (ebenfalls acht/Rang fünf) und Hamburg (zehn/sechs) kämpfen derzeit nur noch um das Erreichen der Champions-League-Plätze, nicht um den Titel.

Jicha mit Kampfansage

Und dabei spielte der THW, der in der vergangenen Saison verlustpunktfrei Deutscher Meister wurde, bis zur Partie in Mannheim gar nicht so dominant wie letzte Saison, ließ kleine Schwächen durchblitzen und gab in Liga sowie Champions League sogar den ein oder anderen Punkt ab.

Das scheint nun aber ein Ende zu haben. So souverän und nahe an der Perfektion wie der THW in Mannheim über weite Strecken spielte, wird es schwer für jedes Team der Welt, diese Kieler in Zukunft zu bezwingen.

So sieht das auch Top-Torschütze Flip Jicha: "Wenn es immer so läuft, werden wir wieder Deutscher Meister."

Kieler explodieren

Überraschend kommt das für Gislason aber nicht (STENOGRAMME: Der 14. Spieltag).

"In den letzten Tagen im Training machte die Mannschaft einen immer frischeren Eindruck, das gab mir Hoffnung und ich wusste, dass die Mannschaft heute explodieren könnte", erklärte der Isländer: "Und das hat sie getan."

THW-Potential nicht ausgeschöpft

Und das Beste aus Kieler Sicht daran ist: Damit ist noch nicht einmal das volle Potential des Kaders ausgeschöpft.

Die Neuzugänge Marko Vujin, Patrick Wiencek, Niklas Ekberg, Gudjon Valur Sigurdsson und der derzeit verletzte Rene Toft Hansen haben zwar teilweise schon überzeugt, sind aber noch nicht vollständig ins Kieler Spielsystem integriert.

"Alle brauchen noch mehr Zeit, aber ich bin mit allen ziemlich zufrieden. Sie sind eben noch nicht so eingespielt, wie die Spieler, die schon länger da sind", sagte Gislason.

Ähnlich formulierte es auch Jicha vor der Partie im SPORT1-Interview: "Wir sind noch mitten in einem Lernprozess."

Für den Rest der Liga klingt das wie eine Drohung.

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