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Marcus Ahlm (l.) kam 2003 von IFK Ystad HK zum THW Kiel © getty

Marcus Ahlm ist nach der Pleite gegen Flensburg enttäuscht. Gegenüber SPORT1 macht Kiels Kapitän aber auch eine Kampfansage.

Von Felix Götz

München - Auch am Tag nach der schallenden Ohrfeige bei der 29:35-Niederlage bei der SG Flensburg-Handewitt (Bericht) war Marcus Ahlm die Enttäuschung noch deutlich anzumerken.

"Es gibt keine einfache Erklärung dafür", meinte der 34-jährige THW-Kapitän im Gespräch mit SPORT1.

Für die "Zebras" war es die höchste Pleite seit 19 Monaten.

Noch bemerkenswerter ist allerdings die Tatsache, dass die Truppe von Trainer Alfred Gislason über 60 Minuten nahezu chancenlos war.

"Flensburg einfach besser"

Ahlm sah das zwar nicht ganz so dramatisch, räumte aber Fehler ein.

"Wir haben zu viele Tore nach Tempogegenstößen zugelassen. Dann ist es natürlich schwierig, ein Spiel zu gewinnen", sagte der schwedische Kreisläufer nach der zweiten Saisonpleite in der DKB Handball-Bundesliga:

"Man muss aber auch zugeben, dass Flensburg einfach besser gespielt hat als wir."

Erste Derby-Pleite für Gislason

Die Kieler verloren nicht nur das erste Derby gegen Flensburg in der viereinhalbjährigen Amtszeit von Gislason, sondern gleichzeitig auch die Tabellenführung an die Rhein-Neckar Löwen, die mit nur drei Minuspunkten ganz oben stehen.

Kiel, in der gesamten vergangenen Spielzeit ohne Punktverlust, verspielte in der 19. Partie "schon" die Zähler vier und fünf.

"Es bringt nichts, darüber nachzudenken, ob fünf Minuspunkte zu viel oder noch okay sind", erklärte Ahlm: "Es hängt ja auch immer damit zusammen, wie die anderen Teams punkten."

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Kein Grund zur Panik

Der THW ist Zweiter, das erste Duell gegen die Löwen (28:17) ging in Mannheim ganz eindeutig an die Mannschaft von der Förde.

Grund zur Panik gibt es bei den erfolgsverwöhnten Kielern also tatsächlich noch nicht wirklich.

"Fakt ist: Am Ende der Saison lügt die Tabelle nicht", meinte Ahlm und zahlte dafür nicht einmal ins Phrasenschwein ein.

"Das normalste der Welt"

Der 114-malige Nationalspieler stellte trotz der Kampfansage sofort klar, dass er nicht automatisch von der achten Meisterschaft der Kieler in neun Jahren ausgehe.

"Es ist natürlich nach wie vor unser Ziel, Meister zu werden. Aber fest davon auszugehen, dass es auch so kommen wird, wäre ziemlich arrogant. Wir wissen, dass viel dazugehört, um Meister zu werden", so Ahlm.

Ähnlich sieht es auch sein Trainer. Die Rückserie werde nun "richtig interessant", befand Gislason, der eine Niederlage beim Tabellendritten als das "normalste der Welt" bezeichnete.

Vranjes begeistert

In der Tat ist es generell keine Schande, gegen die derzeit so bärenstarken Flensburger zu verlieren.

"Über 60 Minuten haben wir kontinuierlich unsere Leistung abgerufen und sind in kein richtiges Tief geraten", jubelte SG-Trainer Ljubomir Vranjes:

"So etwas schaffen gegen den THW Kiel nur ganz wenige Mannschaften in der Welt."

Glandorf und Andersson stark

Dafür haben die Flensburger derzeit aber auch das nötige Spielermaterial. Besonders Holger Glandorf mit seinen neun Toren und Keeper Mattias Andersson spielten überragend.(STENOGRAMME: 19. Spieltag)

Trotz des grandiosen Auftritts und nur noch drei Zählern Rückstand auf den THW, hielt Vranjes den Ball in Sachen Meisterschaft aber lieber flach.

"In den letzten Jahren haben wir einen Schritt auf den THW zu gemacht", erklärte der Schwede:

"Das Niveau der Kieler haben wir aber noch nicht."