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Holger Glandorf war bei der WM in Kroatien bester deutscher Werfer © getty

Der seit langem finanziell angeschlagene Bundesligist steht vor dem endgültigen Kollaps. Der Glandorf-Transfer ist perfekt.

Nordhorn - Bundesligist HSG Nordhorn-Lingen wird am Montag Insolvenz anmelden, dann gehört Nationalspieler Holger Glandorf bereits nicht mehr zum Kader.

Der Rückraumspieler unterschrieb am Samstag beim TBV Lemgo und ist sofort für die Ostwestfalen spielberechtigt.

"Wir sind stolz und glücklich, dass sich Holger Glandorf für den TBV entschieden hat und mit uns die Zukunft gestalten will", freut sich TBV-Manager Volker Zerbe über den Wechsel des Nationalspielers.

"Alle Einzelheiten zu dem Transfer werden wir am Montag nach einer Pressekonferenz bekannt geben", ergänzt Zerbe, dessen Mannschaft bereits am kommenden Samstag im Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen mit Glandorf planen darf.

Nordhorn will Spielbetrieb fortsetzen

Nach der Hiobsbotschaft war Glandorfs Wechsel von Nordhorn die logische Konsequenz. "Die derzeit fehlende Liquidität machte diese Entscheidung notwendig", erklärte der Geschäftsführer der HSG Sport Marketing GmbH Co. KG, Berend Greven, am Samstag.

Trotz dieser notwendigen Konsequenz will man bei dem mit offenbar einer Million Euro verschuldeten Verein den Geschäftsbetrieb "so weit wie möglich fortsetzen".

"Die Wirklichkeit hat sie eingeholt"

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), wurde bereits am Donnerstag über die Zuspitzung der finanziellen Lage bei den Niedersachsen informiert.

"Offenbar sind die Einnahmen nicht so geflossen wie eingeplant. Im September oder Oktober schien alles geklärt, jetzt hat sie die Wirklichkeit eingeholt", sagte Bohmann und fügte hinzu: "Das bedeutet aber noch nicht automatisch den Zwangsabstieg."

Erst bei tatsächlicher Eröffnung eines Insolvenzverfahrens muss der Klub aus der Bundesliga absteigen.

Abstiegskampf als Farce?

Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde der sportliche Abstiegskampf in der Bundesliga in diesem Jahr nur eine Farce.

Die Essener stehen bereits als erster Absteiger fest, nur der Relegationsplatz wäre dann noch offen. "Das wäre natürlich sehr bedauerlich", sagte Bohmann.

Hinspielsieg im Europapokal

Die Nordhorner stecken seit langem in finanziellen Schwierigkeiten. Spielergehälter wurden teilweise nicht gezahlt, die Verbindlichkeitenn sollen sich mittlerweile auf etwa eine Million Euro belaufen.

Das 34:21 (18:12) im Achtelfinal-Hinspiel des Europapokals der Pokalsieger am Freitagabend in Lingen gegen Haukar Hafnarfjördur/Island geriet dabei zur Nebensache.

Zurzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück zudem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Zahlung von Schwarzgeldern.

"Im Hintergrund spielt das sicher auch eine Rolle", sagte Greven. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag bestätigte, sind diese Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen.

Punktabzug nach Lizenzverstößen

Mit Anmeldung der Planinsolvenz werden die Nordhorner drei Wochen lang Aufschub erreichten. Es wird nun ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt, der prüft, ob ein Verfahren eröffnet werden kann.

Der HSG waren in dieser Saison bereits rückwirkend vier Punkte wegen Verstoßes gegen die Lizenzauflagen abgezogen worden. Eine finanzielle Kooperation mit der Stadt Lingen sowie der kurzfristige Verkauf von Leistungsträgern wie Erlend Mamelund nach Flensburg waren zuletzt Rettungsversuche.

Als dritter Klub hatte in dieser Saison bereits Aufsteiger Stralsunder HV wegen extremer finanzieller Schieflage für Schlagzeilen gesorgt. Damals war die Stadt mit einer Bürgschaft eingesprungen.

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