vergrößernverkleinern
Holger Glandorf gewann mit Nordhorn 2008 den EHF-Pokal © imago

"Mein Weggang ist das Beste, was ich für meinen Verein noch tun kann", sagt Holger Glandorf über seinen Transfer zum TBV Lemgo.

Frankfurt/Nordhorn - Als Nationalspieler Holger Glandorf schweren Herzens seinen Abschied verkündete, gab es beim insolventen Bundesligisten HSG Nordhorn plötzlich wieder Hoffnung auf ein Happy End.

"Mein Weggang ist das Beste, was ich für meinen Verein noch tun kann. Ich hoffe sehr, damit helfen zu können. Aber natürlich hätte ich die Saison für Nordhorn gerne zu Ende gespielt", sagte Weltmeister Glandorf.

Er trug am Sonntag beim 38:31 (15:18)-Sieg im Achtelfinal-Rückspiel des Europacups gegen Haukar Hafnarfjördur letztmals das Trikot seines Stammklubs.

Danach wechselt er zum Ligarivalen TBV Lemgo.

Die Fans bereiteten dem Nordhorner Urgestein einen bewegenden Abschied. Mit einem riesigen Herz und lautstarken Sprechchören feierten sie ihren Star das gesamte Spiel über. Vor der Partie war der Weltmeister von 2007 offiziell verabschiedet worden. Dabei kündigte der Verein an, Glandorfs Trikot mit der Nummer 11 nicht mehr zu vergeben.

Zwangsabstieg droht

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit wird der Verein aus der Grafschaft am Montag beim Amtsgericht Nordhorn Insolvenz anmelden, sogar der Zwangsabstieg steht im Raum.

Zu diesem Zeitpunkt wird der 25-jährige Glandorf offiziell beim TBV Lemgo vorgestellt. (Wechsel perfekt)

"Ich bin stolz, dass Holger zu uns kommt. Er ist ein wertvoller Baustein für unsere Mannschaft", meinte TBV-Manager Volker Zerbe. Bereits seit Monaten hatte der Tabellenzweite neben etlichen anderen Topklubs um Glandorf geworben.

Debüt ausgerechnet gegen die Löwen

Für die Ostwestfalen wird der 1,95 m große Linkshänder, der einen Vertrag bis 2011 erhält, erstmals kommenden Samstag spielen. (DATENCENTER: Der Spielplan)

Dann steht ausgerechnet das Duell mit den Rhein-Neckar Löwen an. Die finanzstarken Nordbadener hatten bis zuletzt mit einem lukrativen Angebot um Glandorf gebuhlt.

Das Nordhorner Urgestein, das seit 1999 für seinen Lieblingsverein spielt und dort tief verwurzelt ist, reagierte aber erst am Freitag auf die Abwerbungsversuche und entschied sich für Lemgo.

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Kurz zuvor waren die HSG-Spieler über die drohende Insolvenz informiert worden.

Der Tabellenneunte konnte zuletzt nicht mal mehr die Gehälter zahlen. Die Verbindlichkeiten sollen sich auf etwa eine Million Euro belaufen.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Zahlung von Schwarzgeldern gegen den Bundesligisten.

Ablöse wird fällig

In Lemgo wird der 108-malige Nationalspieler Glandorf (381 Tore) künftig von seinem einstigen Auswahl-Kollegen Markus Baur trainiert. Seite an Seite holten sie 2007 bei der Heim-WM die Goldmedaille.

Nordhorn kassiert für Glandorf eine Ablöse, da er laut seines ursprünglich bis 2010 laufenden Vertrages erst nach dieser Saison hätte ablösefrei wechseln können.

Fraglich ist aber, ob die Summe der wirtschaftlich stark angeschlagenen HSG mittelfristig weiter helfen kann. Vor Glandorf war bereits Leistungsträger Erlend Mamelund zur SG Flensburg-Handewitt transferiert worden.

Essen lässt grüßen

In den nächsten drei Wochen soll geklärt werden, ob tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Dieses würde den Zwangsabstieg bedeuten. Vor zweieinhalb Monaten hatte sich das gleiche Szenario auch beim Traditionsklub TuSEM Essen abgespielt.

Aufsteiger Stralsunder HV hatte unlängst wegen finanzieller Schieflage ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt.

Bohmann: "Von der Wirklichkeit eingeholt"

Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga wurde schon am Donnerstag über die Situation in Nordhorn informiert.

"Offenbar sind die Einnahmen nicht so geflossen wie eingeplant. Im September oder Oktober schien alles geklärt, jetzt hat sie die Wirklichkeit eingeholt", sagte Bohmann.

Noch gibt es Hoffnung

Nordhorn hat aber noch nicht mit der Bundesliga abgeschlossen.

"Wir werden die Möglichkeiten des Insolvenzrechts nutzen, um uns nachhaltig zu sanieren und dauerhaft wieder in der Bundesliga zu etablieren. Wir hoffen, dass ein Insolvenzverfahren nicht eröffnet werden muss und die Bundesliga-Lizenz erhalten wird. Andernfalls werden wir für die 2. Liga melden", sagte Gerhard Blömers, Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen GmbH.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel