Es ist die Überraschung der Saison: Der TBV ist 2013 noch ungeschlagen, punktet gegen die Löwen und hat noch viel vor.

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Lemgo - Florian Kehrmann und Carsten Lichtlein konnten es nicht fassen.

Und auch Martin Strobel schüttelte immer wieder den Kopf. In der Kabine des TBV Lemgo herrschte am späten Mittwochabend verkehrte Welt.

Anstatt sich über das Remis beim 27: 27 gegen den Titel-Kandidaten Rhein-Neckar Löwen zu freuen, waren die Spieler, die sich noch vor wenigen Monaten in akuter Abstiegsgefahr befunden hatten, tief enttäuscht.

Last-Second-Ausgleich

"Wenn uns vor dem Spiel jemand einen Punkt angeboten hätte, wären wir damit sehr zufrieden gewesen. Nach dieser Partie hätten wir einen Sieg allerdings verdient gehabt", sagte TBV-Trainer Dirk Beuchler frustriert.

In der Schlusssekunde hatte seine Mannschaft den Augleich kassiert, nachdem es sieben Minuten vor dem Ende noch mit fünf Toren gegen den Tabellenzweiten geführt hatte.

Acht Siege in Folge

Trotz des am Ende unglücklichen Punktverlustes bleibt der ostwestfälische Traditionsklub das Team der Stunde in der DKB Handball-Bundesliga. Seit nunmehr acht Spielen ist Lemgo ungeschlagen, verlor seit dem 16. Dezember 2012 kein einziges Spiel. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Aus den Niederungen der Abstiegszone hat sich der TBV inzwischen bis auf Platz acht vorgekämpft. Tendenz steigend.

"Das hängt sicher damit zusammen, dass wir uns sehr gut auf die Rückserie vorbereitet haben", sagte Ex-Nationalspieler Kehrmann bei SPORT1: "Wir sind mittlerweile so weit, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen. Das Selbstvertrauen ist zurück."

Drohende Insolvenz abgewendet

Nach einem völlig verkorksten Saisonstart, den finanziellen Problemen um eine drohende Insolvenz und den Querelen um die Entlassung des Geschäftsführers Fynn Holpert und der Strafanzeige gegen den ehemaligen Sport-Geschäftsführer Volker Zerbe hat sich das Team inzwischen gefangen.

"Die Mannschaft hat aus der prekären Situation Kraft geschöpft. So etwas schweißt zusammen", sagte der Ex-Welthandballer und -Lemgoer Daniel Stephan: "Und nachdem die Spieler auch sportlich mit dem Rücken zur Wand gestanden hatten, ist nun der Knoten geplatzt."

In der Rückrunde stehen stolze 13:1-Punkte zu Buche. Auch in engen Spielen bewahrt der Meister von 1997 und 2003 jetzt die Ruhe. "Die Mannschaft hat keine überragenden Einzelspieler, sie kommt voll über den Teamgeist", erklärt Stephan das Lemgoer Erolgsgeheimnis, "zudem leistet Dirk Beuchler hervorragende Arbeit".

Prunkstück Defensive

Ein weiterer Garant für den Aufschwung ist vor allem die stabile Defensive mit zwei starken Torhütern. Nationalkeeper Lichtlein und Youngster Nils Dresrüsse ergänzen sich sehr gut.

"Das gibt der Deckung Sicherheit. Dann kann man in der Abwehr viele Bälle gewinnen und einfache Tore erzielen. Das ist entscheidend, wenn man Spiele gewinnen will", sagte Kehrmann und ergänzt: "Am Anfang der Saison hat die Konstanz bei den Torhütern ein wenig gefehlt."

Nachwuchscoach wird befördert

Nach der Saison wird es in Lemgo aber einen Einschnitt geben.

Für Trainer Beuchler, den es zum Ligakonkurrenten TuS N-Lübbecke zieht, übernimmt der bisherige Nachwuchscoach Niels Pfannenschmidt das Kommando.

Mit ihm will Lemgo die Philosophie, mit jungen deutschen Spielern zu arbeiten, weiter intensivieren. Denn irgendwann, so hoffen die TBV-Verantwortlichen, soll der Verein wieder an alte Erfolge anknüpfen.