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Nordhorns Trainer Ola Lindgren ist im Nebenjob schwedischer Nationalcoach © getty

Der Nordhorn-Kollaps fügt der Liga gehörigen Imageschaden zu. Der Abstiegskampf könnte zur Farce werden. HBL-Chef Bohmann hat Hoffnung.

Nordhorn - Schwarzer Tag für die Handball-Bundesliga: Am Montag hat die HSG Nordhorn bereits als zweiter Verein in dieser Saison Insolvenz angemeldet und der besten Liga der Welt damit einen gehörigen Imageschaden zugefügt.

Ob und inwieweit der Spielbetrieb beim EHF-Pokalsieger aus Nordhorn fortgeführt werden kann, wird in Absprache mit dem Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen entschieden.

"Wir gehen aber davon aus", sagte Berend Greven, Geschäftsführer der HSG Sport Marketing GmbH Co. KG.

Das nächste Spiel steht für die Niedersachsen am kommenden Freitag gegen den Stralsunder HV auf dem Plan. (DATENCENTER: Der Spielplan)

Vor allem, so Greven, gelte es nach dem bereits am Wochenende angekündigten Gang zum Gericht nun aber, Sponsoren zu akquirieren: "Noch haben wir keine Signale aus der heimischen Wirtschaft, aber auch keine negativen."

Der Star ist weg

Samstag hatte der seit Jahren ums finanzielle Überleben kämpfende Verein bereits seinen Rückraumstar Holger Glandorf zum TBV Lemgo verkauft. (Wechsel perfekt)

Als der Linkshänder dann am Montag bei den Ostwestfalen offiziell vorgestellt wurde, regierte bei seinem alten Klub die Hoffnung. Die Ablösesumme soll der HSG, der angeblich mehr als eine Million Euro fehlen, noch ein bisschen helfen.

"Einen Schritt bringt uns das auf jeden Fall weiter", sagte Greven.

Zweite Insolvenz der Saison

In ihrem zehnten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse ist die HSG Nordhorn nach TuSEM Essen der zweite Bundesligist, der in der laufenden Saison Insolvenz anmelden muss - ein Novum in der Ligageschichte.

Das Verfahren gegen den dreimaligen Meister aus Essen war im November 2008 eröffnet worden, Tusem steht damit als Zwangsabsteiger fest. Auch für die Nordhorner würde die Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf jeden Fall den Zwangsabstieg bedeuten.

Bohmann sieht eine Chance

Ob dieses Szenario noch abgewendet werden kann, scheint fraglich. "Die Chance besteht bestimmt, wie groß sie ist, kann ich nicht sagen", meinte Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga (HBL).

In Nordhorn seien jedenfalls die bereits im vergangenen Herbst abgesprochenden Sanierungsmaßnahmen "nicht wie geplant umgesetzt" worden.

Vier Punkte abgezogen

Dem Klub waren im Laufe der Saison bereits vier Punkte wegen Lizenzverstößen abgezogen worden.

Zusätzlicher Druck dürfte nun angesichts weiter fortschreitender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen Verdachts der Steuerhinterziehung und der Zahlung von Schwarzgeldern entstanden sein.

Interne Struktur stimmt nicht

Wie schon im Fall TuSEM Essen stimmte laut Bohmann auch in Nordhorn die interne Struktur nicht.

Spediteur Bernd Rigterink führte den Klub jahrelang praktisch im Alleingang und pumpte immer wieder private Gelder in die Bundesliga-Mannschaft.

"Es gibt einige Beispiele, wo so eine Organisation gescheitert ist", sagte Bohmann.

Abstiegskampf könnte zur Farce werden

Sollte nun auch noch der Zwangsabstieg hinzukommen, wäre die sportliche Entscheidung im Tabellenkeller bei zwei direkten Absteigern und einem Relegationsplatz nur noch eine Farce.

"Das ist ein bitteres Thema. Aber wir legen Wert auf unsere sportliche Leistung, alles andere können wir nicht beeinflussen", sagte Manager Uli Derad von Aufsteiger TSV Dormagen.

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