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Per Carlen wurde mit Schweden 1990 Weltmeister und 1994 Europameister © imago

Flensburg meistert die Pflichtaufgabe gegen Melsungen. Trainer Per Carlen spricht im Interview über die Krise und Lösungsansätze.

Von Julian Meißner

München - Die Pflichtaufgabe gegen MT Melsungen haben sie am Dienstagabend mit 33:26 gemeistert.

Dennoch bleibt für die Spieler und Verantwortlichen der SG Flensburg-Handewitt noch genug zu tun.

Die Lage ist angespannt, und das seit Wochen. Zuletzt jagte eine Hiobsbotschaft die nächste beim Vizemeister.ad

Immer wieder Verletzungssorgen

Erst kam Rekord-Verpflichtung Alen Muratovic nicht in Tritt, dann verletzte sich der Montenegriner so schwer, dass er bis zum Saisonende ausfällt.

Auch sein kurzfristig engagierter Ersatz, Erlend Mamelund, verletzte sich umgehend. Spielmacher Ljubomir Vranjes setzen Rückenprobleme außer Gefecht, Alexander Petersson hindert die Schulter am Spielen.

In der Bundesliga-Tabelle liegt die SG auf Rang sechs, in der Champions League setzte es am Wochenende eine 25:31?Niederlage in Montpellier.

Sieg über Melsungen

Immerhin: Mit einer gehörigen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit hat die SG Flensburg-Handewitt nun den nächsten Tiefschlag abgewendet.

Am 21. Spieltag bezwangen die Norddeutschen Außenseiter MT Melsungen nach einem Fünf-Tore-Rückstand noch 33:26 (13:16) und verkürzten mit 26:16 Punkten den Rückstand auf die Champions-League-Plätze zumindest auf drei Zähler.

Nach einem völlig verunsicherten Beginn verhinderten die Gastgeber die dritte Pflichtspielniederlage in Folge erst mit einer engagierten Leistung nach der Pause.

Der dänische Europameister Lars Christiansen war zwei Tage nach der Champions-League-Pleite in Montpellier mit 13 Toren bester Werfer für die Mannschaft von Trainer Per Carlen. Die Melsunger, bei denen Daniel Valo (7) am häufigsten traf, liegen mit 13:29 Punkten weiter vier Zähler vor dem Relegationsrang. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Sport1.de sprach mit dem Trainer Per Carlen unter anderem über das Flensburger Verletzungspech und die Zusammenarbeit mit seinem Sohn Oscar. Carlen übernahm im Dezember nach der verheerenden 29:37-Heimniederlage im Derby gegen den THW Kiel den Job des Cheftrainers bei der SG Flensburg-Handewitt.

Sport1.de: Herr Carlen, seit nun fast zwei Monaten sind Sie Cheftrainer in Flensburg. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus?

Per Carlen: Die Situation ist sicher nicht optimal. Ich hatte nicht mit so vielen Verletzungen gerechnet. Aber es ist wie es ist und wird bis zum Sommer so bleiben. Wir müssen nun einfach gut trainieren und dabei Überbelastungen für die verbliebenen Spieler vermeiden.

Sport1.de: Wie sehen Sie nun die Chancen in der Champions League?

Carlen: Unser Ziel vor der Saison war das Erreichen des Viertelfinales. Daneben wollten wir uns in der Liga erneut für die Champions League qualifizieren. Jetzt geht es mehr ums Überleben. Wir müssen jedes Spiel einzeln angehen und versuchen zu gewinnen.

Sport1.de: Liegt es auch am mangelnden Selbstvertrauen, dass es nicht richtig läuft?

Carlen: Nein, die Stimmung und das Selbstvertrauen sind gut. Der Teamgeist ist auch absolut in Ordnung. Die Mannschaft lebt.

Sport1.de: Sie arbeiten mit ihrem Sohn Oscar zusammen. Treten zwischen Ihnen beiden deshalb Konflikte auf?

Carlen: Nein. Ich arbeite schon seit zehn Jahren mit meinem Sohn zusammen, und es hat nicht einen Konflikt gegeben. Das ist kein Thema. Er ist ein Top-Handballer, ich arbeite mit ihm zusammen wie mit den anderen Spielern auch. Wir wohnen auch nicht zusammen, jeder hat seinen Freiraum.

Sport1.de: Flensburg ist als Vizemeister momentan Siebter. Wie sind die Ziele in der Liga?

Carlen: Vier Vereine sind sehr schwer zu schlagen und werden das auch in den nächsten Jahren sein: Kiel, Hamburg, die Rhein-Neckar Löwen und Lemgo. Wir müssen in Ruhe arbeiten, unser gutes Scouting ausnutzen, vielleicht noch Spieler verpflichten. Dann können wir um den dritten oder vierten Platz spielen.

Sport1.de: Sie sagen also wie alle Experten, dass der THW nicht mehr zu stoppen ist?

Carlen (lacht): Nur das Flensburg-Syndrom, also vier verletzte Rückraumspieler, kann Kiel stoppen.

Sport1.de: Die Rhein-Neckar Löwen sorgen für Wirbel, gerade wegen des Tauziehens um Nikola Karabatic. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Carlen: Es ist eigentlich nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Aber es ist das erste Mal seit Jahren, dass ein Weltklasse-Handballer aus Kiel weg will. Durch die Löwen hat sich die Handball-Landkarte in Deutschland total verändert. Nicht gut ist, dass der Spieler unter der Saison so offen darüber spricht.

Sport1.de: Ein anderer Spieler, der gerade wechselte, ist Holger Glandorf von der insolventen HSG Nordhorn. Nun ist in der laufenden Saison schon der zweite Klub pleite. Was sagen Sie dazu?

Carlen: Natürlich ist das schlecht für die Liga. Die Finanzkrise ist eben überall, auch der Handball ist davon betroffen. In Spanien, Dänemark und Schweden hat man ebenfalls große Probleme. Alle müssen aufpassen, die Klubs brauchen eine gute Organisation und solide Finanzstrukturen. Aber wie heißt es so schön: Nach Regen folgt Sonnenschein.

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