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Alfred Gislason wechselte 2008 vom VfL Gummersbach zum THW Kiel © imago

Kiel sträubt sich gegen die HBL-Reformpläne und bringt einen Gegenvorschlag. Der HSV sieht in den Neuerungen eine Chance.

Hamburg - Eigentlich ist Alfred Gislason ein ruhiger Zeitgenosse, bekannt für sein besonnenes Gemüt und seine fast staatsmännische Zurückhaltung.

Doch angesichts der Reformpläne im deutschen Handball ging der Trainer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel nun auf die Barrikaden - und machte einen Gegenvorschlag zu einem möglichen Meister-Finale.

"Als Alternative schlage ich vor, den Supercup upzugraden und ihn als eine Art Final-Turnier auszutragen", sagte Gislason.

Im Sinne einer sportlichen Aufwertung könne bei einer solchen Veranstaltung ein Startplatz in der Champions League ausgespielt werden.

Das Event könne ebenso gut auf Schalke oder in München stattfinden.

"Grob fahrlässig"

Die Pläne der Ligaspitze für ein Endspiel um die deutsche Meisterschaft, in dem sich ab der Saison 2014/15 der Erst- und Zweitplatzierte der Hauptrunde in einem Fußballstadion gegenüberstehen sollen, bezeichnete Gislason als "ganz schlechte Idee."

"Es ist grob fahrlässig, so etwas zu machen, man könnte dadurch die Liga ruinieren", sagte der 53-Jährige.

Im Fußball würde keiner auf diese Idee kommen.

"Das wäre so, als wenn Bayern München mit 20 Punkten vorne ist, und dann plötzlich am Schluss ein Vierer-Turnier gespielt würde", sagte Gislason.

Meistertitel am wertvollsten

THW-Manager Klaus Elwardt unterstrich die Haltung des Kieler Serienchampions.

"Für mich ist die Sache eindeutig: Wer am Ende oben steht, ist Meister", sagte Elwardt: "Sicherlich müssen wir neue Wege gehen, um unseren Handballsport nach vorne zu bringen, aber dann sollten wir lieber über andere Dinge nachdenken."

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag aus Kiel.

"Den wertvollsten Titel, den wir zu vergeben haben, ist der des Deutschen Meisters. Ich glaube, solch ein Rahmen muss auch mit unserem maximalen Titel bestückt sein", sagte Bohmann.

Begeisterung für den Handball

In der Liga wird kontrovers über den Vorschlag diskutiert.

Trainer Martin Schwalb vom Ex-Meister HSV Hamburg zeigte Verständnis für die Haltung der Kieler.

"Wenn man auf der anderen Seite aber mit einem solchen Event ganz Deutschland in seinen Bann ziehen könnte, dann wäre das eine gute Geschichte", sagte Schwalb.

"Es gibt ja auch in anderen Sportarten Playoffs, da gewinnt auch nicht immer derjenige, der nach der normalen Runde Erster war."

"Sportlich überdenkenswert"

Bei Vizemeister Flensburg, dem HSV-Gegner im ersten Halbfinale am Samstag (ab 14.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), lösen die Überlegungen der Liga Bedenken aus.

"Das jetzt ad hoc als die Ideallösung hinzustellen, würde ich mal in Zweifel ziehen", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

"Im Moment würde ich sagen, hilft uns das im ersten Schritt nicht so richtig weiter. Die Meisterschaft am Ende von einem Spiel abhängig zu machen, halte ich sportlich für überdenkenswert."

"Kein Aprilscherz"

Bohmann verspricht sich von dem Meister-Finale aufgrund verbesserter Vermarktungsmöglichkeiten neue Impulse für die Sportart.

Die zum Teil heftige Kritik kann er nicht nachvollziehen.

"Die Kritik ist viel zu emotional und nicht auf die Fakten bezogen. Es ist kein Aprilscherz und kein Spiel für Dumme", sagte Bohmann: "Ich glaube, dass die Chancen einer solchen Begegnung größer sind als die Risiken."

"Mal was Neues"

Die MT Melsungen, Gegner der Kieler im zweiten Halbfinale am Samstag (17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), steht der Reform positiv gegenüber.

"Ich würde mir wünschen, dass wir in dieser Richtung vielleicht mal etwas Neues bewegen können", sagte MT-Coach Michael Roth.

Eine Playoff-Situation sei für alle Beteiligten schließlich eine besondere Herausforderung.

Zeichen stehen auf Reform

Bundestrainer Martin Heuberger hat sich gegen die Einführung eines Endspiels um die Meisterschaft ausgesprochen.

"Wer nach einer harten und langen Saison die meisten Punkte gesammelt hat, soll auch Meister werden", sagte Heuberger und kritisierte das rein ökonomische Denken der Liga: "Ein Finale an die Spielzeit anzuhängen, könnte finanziell lukrativ sein. Aber nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu gehen, wäre fatal. Der Sport muss immer im Vordergrund stehen."

Entschieden wird über die Reformpläne auf der HBL-Mitgliederversammlung am 4. Juli. Es zählt die einfache Mehrheit.

In einer Probeabstimmung unter den Vertretern der 18 Bundesligisten haben angeblich zwölf Mitglieder dem Plan zugestimmt, fünf enthielten sich, einer war dagegen.

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