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Kreisläufer Joakim Larsson spielt seit 2008 beim TV Großwallstadt © imago

Dem einstigen deutschen Handball-Schwergewicht droht der Abstieg in die 2. Liga. Nur ein Wunder kann dem TVG noch helfen.

Großwallstadt - Der TV Großwallstadt steht am Abgrund.

Wann der erste Bundesliga-Abstieg des sechsfachen Deutschen Meisters endgültig feststeht, scheint nur noch eine Frage von wenigen Wochen zu sein.

Mit sechs Punkten Rückstand auf das rettende Ufer muss für den TVG in den letzten sechs Spielen ein Wunder her (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beginnen soll die Mission Klassenerhalt am Freitag im Kellerduell beim Tabellenletzten TUSEM Essen (ab 19.45 Uhr LIVESCORES).

Eine ganze Region leidet

Acht Spiele ohne doppelten Punktgewinn, Tabellenplatz 17, dazu noch kein Auswärtssieg: Die "Wällster" spielen ihre schlechteste Saison in der Geschichte der Bundesliga.

TVG-Geschäftsführer Guido Heerstraß mag sich gar nicht vorstellen, was ein Abstieg für den Verein bedeuten würde. "Ein Abstieg wäre natürlich absolut enttäuschend. Eine ganze Region würde darunter leiden", sagte Herrstraß.

Punkt in Magdeburg macht Mut

Vor der richtungweisenden Partie in Essen hat der 46-Jährige seinen Optimismus aber noch immer nicht ganz verloren.

"Der Punkt gegen Magdeburg hat uns natürlich Auftrieb gegeben, schließlich haben wir einen Fünf-Tore-Rückstand aufgeholt. Die Mannschaft hat gesehen, dass mit Kampfgeist Punkte zu holen sind. Wenn wir in Essen ähnlich auftreten, können wir das Spiel gewinnen", sagte Herrstraß.

Beim 25:25 gegen den SCM hatte Großwallstadt zuletzt seinen neunten Punkt geholt (STENOGRAMME: Der 28. Spieltag)..

Dominatoren der 80er-Jahre

Seit der Gründung der einteiligen Bundesliga im Jahr 1977 zählte der TVG zu den erfolgreichsten Vereinen. Die Unterfranken wurden erster Meister und dominierten in den 1980er Jahren zusammen mit dem VfL Gummersbach und TUSEM Essen die Liga.

Großwallstadt holte sechsmal die Meisterschaft (zuletzt 1990) und wurde viermal Pokalsieger (zuletzt 1989). Auch den Europapokal der Landesmeister gewann der TVG zweimal (1979, 1980).

Abschied der Leistungsträger

In den letzten beiden Jahrzehnten rutschte der TVG ins Mittelmaß ab. Immer wieder mussten Leistungsträger abgegeben werden.

Torhüter Matthias Andersson (35), der zurzeit bei Vizemeister Flensburg überragend hält, ging im Sommer 2011, die Nationalspieler Steffen Weinhold (26/nach Flensburg) und Steffen Kneer (27/nach Magdeburg) folgten vor dieser Saison. Gleichwertiger Ersatz war nicht finanzierbar.

Dass Gummerbach und Essen ebenfalls ums Überleben kämpfen, dürfte für Großwallstadt kein wirklicher Trost sein.

Nur ein Sieg zählt

Zu fehlender Qualität kommen in dieser Saison Verletzungssorgen. Aktuell fallen die Rückraumspieler Marius Liebald, Michael Thiede (beide Schulterverletzung) und Linksaußen Florian Eisenträger (Meniskuseinriss) aus.

Auch der Einsatz von Rückraumspieler Oliver Köhrmann (Schulterprobleme) ist fraglich.

Keine guten Voraussetzungen also, um das Wunder vom Klassenerhalt tatsächlich verwirklichen zu können.

Am Freitag muss für das Team von Trainer Peter David dringend ein Sieg her - das weiß auch Sportdirektor Peter Meisinger: "Es hängt für uns weiterhin alles an einem seidenen Faden. Wir müssen unter allen Umständen beide Punkte aus Essen mitnehmen. Nichts anderes zählt."

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