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Mit einem All-Star-Game in Münster 2001 beendete Jochen Fraatz seine aktive Karriere © getty

Einst Weltklasseprofi, nun Randfigur in der 2. Liga: "Scholle" feiert Geburtstag, hält aber den Ball flach. Lob kommt zuhauf.

München - Für Trainerlegende Petre Ivanescu war er "einer der begabtesten Handballer der Welt", für Ex-Bundestrainer Simon Schobel wird "so einer nur alle hundert Jahre geboren".

Jochen Fraatz stand bei seinen Trainern hoch im Kurs, von den gegnerischen Torhütern wurde der trickreiche Linksaußen dagegen stets gefürchtet.

Am Dienstag wird Fraatz 50. Von der großen Handball-Bühne ist "Scholle" abgetaucht. Dafür gibt er seine wertvollen Tipps seit rund zehn Jahren an die Nachwuchsspieler beim Zweitligisten HSG Nordhorn weiter.

"Ich habe keine Lust mehr, jeden Tag in der Halle zu stehen. Ich will einfach nur ein bisschen von meiner Erfahrung weitergeben", sagte Fraatz. Ein Engagement bei einem Bundesligisten sei daher "völlig ausgeschlossen". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Feier im kleinen Kreise

Ebenso wie eine große Party zu seinem Ehrentag. Fraatz wird im "kleinen Kreis mit der Familie" feiern. Ehefrau Katja, mit der er zwei Söhne hat, wird in diesem Jahr ebenfalls 50, zudem sind sie seit 20 Jahren verheiratet.

"Dann hätten wir ja dieses Jahr nur große Feiern", sagt Fraatz.

Eine Karriere voller Erfolge

Grund zum Feiern hatte er auch in seiner fast 20-jährigen Laufbahn zur Genüge. Mit TuSEM Essen gewann Fraatz drei Meisterschaften (1986, 1987 und 198) und den Europacup der Pokalsieger (1989). Zudem holte er viermal den DHB-Pokal (1988, 1991, 1992 und 2002).

Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn war das Olympiafinale 1984 in Los Angeles gegen Jugoslawien. Obwohl Fraatz glänzend spielte und acht Tore warf, verlor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) mit 17:18.

"Herausragende Ereignisse" seien dies gewesen, sagt Fraatz, der in der Bundesliga auch für Nordhorn und den TBV Lemgo auflief.

Schwächen in der Defensive

Insgesamt warf er in der Bundesliga 2660 Tore. In der ewigen Rangliste liegt er damit hinter dem Südkoreaner Yoon Kyung-shin (2908) und dem Dänen Lars Christiansen (2875) auf Platz drei.

Kleine Schwächen offenbarte der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig (1991 und 1992) allerdings in seinem Defensiv-Verhalten.

"Jochen war in der Vorwärtsbewegung einer der gefährlichsten Bundesligaspieler, aber in der Abwehr zeigte er ein gewisses Phlegma", sagte einst der ehemalige Bundestrainer Horst Bredemeier, der dem in Cuxhaven geborenen Fraatz auch seinen Spitznamen "Scholle" verpasste.

Aushilfe im Tor

Einmal hatte Fraatz aber auch in, oder besser gesagt hinter der Abwehr seinen großen Auftritt. Im Bundesligaspiel der Essener gegen den VfL Gummersbach fielen alle TuSEM-Torhüter aus.

Fraatz half aus und stand knapp 58 Minuten im Tor seinen Mann. "Das war ganz witzig. Im Training bin ich aus Spaß öfter ins Tor gegangen", sagt Fraatz, der sich Champions-League-Begegnungen und Spiele der Nationalmannschaft heute nur noch "im Fernseher" anschaut.

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