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Horst Bredemeier war zu Begin der 90er drei Jahre lang Handball-Bundestrainer © imago

GWD-Manager Bredemeier sagt bei Sport1.de, dass sich die Karabatic-Ablöse gen zwei Millionen bewege und warnt vor den Folgen.

Von Jessica Pulter

München - Finanzkrise in der Handball-Bundesliga? Wenn es nach den Verantwortlichen bei den Rhein-Neckar Löwen geht, dann ist das kein Thema, denn der Verein ist bereit, mehr als eine Million Euro zu bezahlen, um Nikola Karabatic vom THW Kiel loszueisen.

Doch an solche Summen ist für die restlichen 16 Teams nicht zu denken.

"Für die Liga ist es ungesund", meint auch GWD Mindens Manager und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier im Gespräch mit Sport1.de.

"Auch wenn es für diese beiden Vereine funktionieren mag. Aber das darf nicht auf die anderen Vereine abfärben."

"Ein utopischer Transfer"

Die Liga steuert auf Transfersummen im Millionen-Bereich zu, die bei den kleineren Vereinen den gesamten Jahresetat für Spielergehälter ausmachen.

"Für 80 Prozent der Liga wäre so ein Transfer wie mit Karabatic utopisch", erklärt Bredemeier.

"Doch mit Kiel und den Rhein-Neckar Löwen sind zwei Vereine beteiligt, die das durchaus regeln können. Andererseits hat Karabatic noch einen Drei-Jahres-Vertrag. Bei einer Ablöse von einer Million wäre er noch ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Alen Muratovic die Flensburger 750.000 Euro gekostet haben soll."

Gehaltsgrenzen funktionieren nicht

Die HBL werde immer mehr zur Drei-Klassen-Gesellschaft, in der fast nur noch der Etat den Ausschlag gibt, wo sich ein Verein in der Tabelle platziert.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"Mit einer Million mehr in unserem Etat käme Minden in die nächste Region und würden zu Vereinen wie Großwallstadt, Melsungen und in diesem Jahr noch Berlin aufschließen. Da beginnt das Mittelfeld, während die letzten sechs um die Abstiegsplätze spielen", so Bredemeier.

Trotzdem spricht sich der Manager ganz klar gegen Gehaltsobergrenzen aus: "Das würde nicht funktionieren, denn dann würden sich mehrere Vereine um Karabatic bemühen, er würde sich zwar für einen entscheiden, aber letztlich sein Geld noch auf anderem Weg machen. Das darf man sich gar nicht ausmalen."

Die Kehrseite der Liga

Doch während in Kiel und Mannheim große Summen die Verhandlungen vorantreiben, die - wie THW-Manager Uwe Schwenker verkündete - in dieser Woche ein Ergebnis liefern sollen, schwebt über anderen Vereinen der Pleitegeier. TuSEM Essen und die HSG Nordhorn spielen zwar noch fleißig mit, stehen aufgrund ihrer finanziellen Miseren aber bereits als Absteiger fest.

Die Forderung nach härteren Lizenzauflagen wird laut, doch das ist für Bredemeier keine Lösung, denn er sieht die Manager in der Verantwortung.

Die sollten nur das ausgeben, was sie einnehmen, doch der 56-Jährige weiß, dass das manchmal schwierig ist: "Wir gehen im Sport gerne mal ein Risiko ein, denn der Sport ist ein emotionales und öffentliches Geschäft und wird daher auch anders geführt. Eine Firma würde man ja doch ein bisschen anders leiten."

"Die beste Ausgangsposition"

In Minden setzt man daher weiter auf die eigene Jugendarbeit. GWD verzichtet auf die teuren, ausländischen Stars, denn bei 1,8 Millionen Euro ist bei den Gehältern Schluss, und das gilt für die gesamte Mannschaft.

Eine Summe, die die Löwen anscheinend bereit sind, für einen Spieler zu bezahlen, nur um ihn abzuwerden.

"Wenn die Löwen das Ablöse-Duell gewinnen, dann wird es wohl eher in Richtung zwei Millionen gehen", sagt auch Bredemeier. "Denn Kiel ist in der besten Ausgangsposition mit dem Vertrag bis 2012. Und zu verschenken hat der THW auch nichts."

Gensheimer verlängert

Etwas günstiger dürfte die Vertragsverlängerung mit Uwe Gensheimer für die Löwen gewesen sein. Der Linksaußen verlängerte seinen Vertrag bei dem badischen vorzeitig bis zum 30. Juni 2012.

"Ich möchte dabei sein, wenn die Löwen nicht nur zu einer der besten Mannschaften in der Bundesliga, sondern auch international werden. Und ich bin mir sicher, dass wir das schaffen werden", erklärte der 22-Jährige, der seit 2003 das Trikot der Badener trägt.

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