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Noka Serdarusic trainerte von 1993 bis 2008 den THW Kiel © imago

Im Interview äußert sich Noka Serdarusic über die Gründe für seinen Rückzieher und dessen Bedeutung m Kampf um Nikola Karabatic.

München - Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Noka Serdarusic wird nicht wie geplant Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen.

Der 58-jährige Star-Coach hatte einen Vertrag bei den Badenern ab der kommenden Saison unterschrieben, mit Serdarusic wollten die Mannheimer ganz oben angreifen.

Doch Serdarusic' Gesundheit macht nun allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung.

Der Bosnier musste sein Engagement aufgrund anhaltender körperlicher Probleme absagen (Löwen lösen Vertrag mit Serdarusic).

Im Interview äußert sich Serdarusic über die Folgen zweier Operationen, seine angeschlagene Gemütsverfassung und die Bedeutung seines Rückziehers im Kampf um Welthandballer Nikola Karabatic.

Frage: "Herr Serdarusic, Ihr Engagement bei den Rhein-Neckar Löwen kommt nicht zustande. Hinter dieser Nachricht stehen gesundheitliche Probleme, die Sie doch im Griff zu haben schienen ..."

Noka Serdarusic: "Ja, das dachte ich auch in den ersten Wochen des neuen Jahres. Vor allem im Dezember 2008, als ich in Mannheim zugesagt habe, war ich sicher, im Sommer fit genug zu sein für meine neue Aufgabe. Aber ich muss nun feststellen: Ich bin es nicht. Ich habe einen schweren Rückschlag erlitten. Ich habe nicht genug Fantasie, mir vorzustellen, dass ich bald voller Elan und ohne große Einschränkungen als Löwen-Coach neu angreife. Mir geht es zur Stunde so dreckig, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch mal als Trainer arbeite, oder ob ich mich gezwungenermaßen zurückziehen werde."

Frage: "Was ist genau geschehen in den letzten Tagen?"

Serdarusic: "Ich wurde von der Realität eingeholt: Eine Operation an der Bandscheibe und eine Knieprothese innerhalb von sechs Monaten, das macht mein Körper nicht mit. Ich habe mir zuviel zugemutet. Ich habe wieder große Schmerzen. Sowohl im Rücken als auch im Knie ist der Heilungsprozess nicht optimal, es hat neue Komplikationen gegeben."

Frage: "Was unternehmen Sie?"

Serdarusic: "Ich musste bereits die Rehabilitation mehrfach umstellen. Ich kann sogar weitere Eingriffe nicht ausschließen. Selbst wenn ich um diese herum kommen sollte, muss ich eingestehen: Ich habe die Schwere der Eingriffe entweder unterschätzt oder aber mich und meinen Körper überschätzt."

Frage: "Aber bis zum Sommer sind es noch einige Monate."

Serdarusic: "So dachte ich wochenlang ja auch. Aber nun haben wir bald März, und nach dem gesundheitlichen Einbruch jetzt rennt mir die Zeit davon. Ich kann ja auch meinen neuen Verein nicht bis Juni hinhalten. Die Rhein Neckar-Löwen müssen doch sofort eine andere Lösung finden und planen können. Nein, dann lieber jetzt der klare Schnitt: eine Vertragsauflösung."

Frage: "Ein ganz schwerer Schritt, vermutlich ..."

Serdarusic: Unglaublich schwer, es gab schließlich bereits Pläne und Personalien, die mit mir zusammenhingen. Ich gehe gerade durch die wohl schwerste Phase meines Lebens, zumindest meiner Trainerlaufbahn. Aber ich muss erst richtig gesund werden, nur das zählt."

Frage: "Wie steht es um Ihre Gemütsverfassung?"

Serdarusic: "Zugegeben, auch seelisch bin ich angeschlagen, das greift alles ineinander. Die erzwungene Trennung vom THW Kiel und meine schlechte Verfassung im letzten Sommer allein hätten vermutlich bereits eine Auszeit von mindestens einem Jahr nach sich ziehen müssen. Zwei Operationen diesen Ausmaßes noch obendrauf, dafür ist die Regenerationszeit einfach zu knapp."

Frage: "Nun werden sich alle fragen, was mit Nikola Karabatic wird. Angesichts seiner Vorstöße zu einem Vereinswechsel nach Mannheim, plagt Sie da zusätzlich noch schlechtes Gewissen?" (Maulkorb für Karabatic)

Serdarusic: "Nikola ist ein Superjunge und viel reifer, als man ihn hinstellt. Er hat aus ganz eigenen Motiven heraus gehandelt. Mich ehrt und berührt zutiefst, dass er so bedingungslos zu mir hält und zurück wollte. Nun muss er an sich denken und die für sich beste Entscheidung treffen. Und wenn die Kiel heißt, dann ist das auch okay."

Frage: Was planen Sie für die Zukunft? Erleben wir Sie denn nun wirklich gar nicht mehr als Trainer?"

Serdarusic: "In meiner heutigen Verfassung sage ich eher nein. Aber: Ich hoffe, dass es mir irgendwann wieder so gut geht, dass ich meine Meinung ändern kann und werde."

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