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Thorsten Storm kam 2007 aus Flensburg zu den Löwen © imago

Löwen-Manager Storm spricht im Sport1.de-Interview über möglichen Serdarusic-Ersatz und die Vertragssituation mit Karabatic.

Von Julian Meißner

München - Der Großangriff der Rhein-Neckar Löwen auf die Handball-Elite gerät ins Stocken.

Nachdem Noka Serdarusic sein Engagement bei den Badenern aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, ist die Trainerposition ab der kommenden Saison vakant (Löwen lösen Vertrag mit Serdarusic).

Auch der Transfer von Kiels Welthandballer Nikola Karabatic, der eng an Serdarusic geknüpft war, steht auf der Kippe (Serdarusic im Interview).

Löwen-Manager Thorsten Storm spricht im Sport1.de-Interview über die Vertragssituation mit dem französischen Weltmeister und mögliche Nachfolger für Wolfgang Schwenke.

Sport1.de: Herr Storm, wie überraschend kam für Sie die Absage von Herrn Serdarusic?

Thorsten Storm: Das Risiko war uns bewusst. Man konnte eine Absage nicht ausschließen. Aber es war nicht so, dass es sich anbahnte. Es ist einfach höhere Gewalt. Wir müssen nun mit der Situation leben.

Sport1.de: Hat Sie die Nachricht geschockt?

Storm: Nein, geschockt ist das falsche Wort. Ich bin sehr traurig, weil ich mich darauf gefreut hatte, mit Noka zusammenzuarbeiten.

Sport1.de: Wie hat die Mannschaft es aufgenommen?

Storm: Ich habe das Team am Dienstagabend vor dem Training informiert. Die Spieler haben sehr professionell reagiert. Bis auf Henning Fritz hat ja auch noch keiner mit ihm zusammen gearbeitet. Einige hatten sich sicher auf Noka gefreut. Sie müssen nun eben warten, wer das Kommando übernehmen wird.

Sport1.de: Inwiefern sehen Sie die Pläne gefährdet, in der kommenden Saison ganz oben anzugreifen?

Storm: Diese Vorgaben werden von außen an uns herangetragen. Unser Ziel ist es, einmal eine europäische Spitzenmannschaft zu werden. Jetzt wirken wir zum ersten Mal in der Champions League mit. Im nächsten Jahr wollen wir wieder einen Schritt weiterkommen. Dazu gehört eine gute sportliche Leitung. Noka war auf dem Markt, wir haben ihn verpflichtet, nun ist es anders gekommen. Wir werden uns nun neu entscheiden, deswegen sehe ich unseren Weg aber nicht gefährdet.

Sport1.de: Ist der Karabatic-Transfer geplatzt?

Storm: Das kann man so nicht sagen. Nikola hat sich für uns und eine neue Zusammenarbeit mit Serdarusic entschieden und einen Vorvertrag unterschrieben. Davon haben wir ihn befreit. Es handelt sich ja um eine neue Situation. Wir wussten, dass er auch wegen Noka gekommen wäre. Daher war es für uns keine Frage, dass wir dem Spieler die Entscheidung freistellen. Er weiß, dass wir zu unserem Angebot stehen. Wir haben dem THW Kiel ein Angebot gemacht und bis jetzt keine Antwort bekommen.

Sport1.de: Wie schätzen Sie Karabatic ein?

Storm: Ich habe ihn als super Typen kennengelernt, der sich hochprofessionell verhält. Er hat mich stark beeindruckt, ein klasse Profi. Jeder Verein, der ihn beschäftigt, kann sich glücklich schätzen. Wegen des Geldes wechselt er nicht, die Gründe liegen in anderen Bereichen. Er wusste von Nokas Problemen. Wir werden ihn zu nichts zwingen, es ist seine Entscheidung.

Sport1.de: Sollte der Transfer platzen: Haben Sie Alternativen in der Hinterhand?

Storm: Den Spieler Karabatic gibt es nur einmal, dazu existiert keine Alternative.

Sport1.de: Ist es eine Option, mit Wolfgang Schwenke weiterzumachen? Sie wollen nach eigener Aussage einen "international erfahrenen Top-Trainer" verpflichten.

Storm: So war unsere Planung, und diese hat sich nicht verändert. Wolfgang Schwenke macht hier jedoch einen tollen Job. Wir werden uns zusammen mit den Gesellschaftern in den nächsten Tagen entscheiden. Wir haben bestimmte Kontakte geknüpft und auch mit Wolfgang gesprochen.

Sport1.de: Kandidaten sollen Staffan Olsson und Ola Lindgren sein.

Storm: Mit Staffan gab es schon seit längerem Gespräche. Er wollte Co-Trainer von Noka werden, in diesen Gesprächen waren wir sehr weit. Doch dazu kommt es nun ja nicht. Alles Weitere wird man sehen.

Sport1.de: Inwiefern wird die Mannschaft durch die Entwicklungen beeinflusst?

Storm: Ich gehe nicht davon aus, dass die Spieler deswegen Probleme bekommen. Der Trainer für nächste Saison könnte ihnen jetzt sowieso nicht helfen.

Sport1.de: Die Löwen waren zuletzt in aller Munde. Wünschen Sie sich manchmal ruhigere Zeiten?

Storm: Wenn man nach vorne will, muss man auch einmal ein bisschen klappern, das gehört dazu. Sonst wäre es langweilig. Auf der anderen Seite wollen wir in Ruhe arbeiten. Das Thema Karabatic ist sicher eine besondere Situation, ansonsten klappern wir auch nicht deutlich mehr als andere.

Sport1.de: THW-Trainer Alfred Gislason sagte, Sie würden mit Fußball-Verträgen wedeln. Wie gehen Sie damit um?

Storm: Das kann ich nicht ernst nehmen. Zumal es nicht der Wahrheit entspricht. Ich weiß, dass Nikola Karabatic bei uns das Gleiche verdient hätte wie in Kiel. Da geht es nur um Nuancen.

Sport1.de: Verstehen Sie die Fans, die sich an den Löwen reiben?

Storm: Neid muss man sich erarbeiten. Wir könnten auch den THW die nächsten zehn Meisterschaften feiern und Spitzenhandball in Schleswig-Holstein stattfinden lassen. Oder wir freuen uns, wenn jemand in anderen Regionen den Ehrgeiz entwickelt, zur Spitze aufzuschließen. Wir schämen uns für unsere Voraussetzungen nicht. Zumal wir ganz andere Probleme in der Bundesliga haben. Es ist momentan schwer genug, Sponsoren zu akquirieren.

Sport1.de: Wann werden Sie einen neuen Trainer präsentieren?

Storm: Wir wollen den richtigen Trainer. Ob das schnell geht oder nicht, kann ich schwer beeinflussen. Wir führen Gespräche. Wir haben eine tolle Mannschaft, eine tolle Arena und ein gutes Umfeld aufgebaut. Nun müssen wir die Weichen richtig stellen.

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