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Im Sommer trennte sich Kiels Manager Schwenker (r.) von Coach Serdarusic © imago

Der THW Kiel sah die Manipulationsvorwürfe als ausgeräumt an. Der HBL-Aufsichtsrat hat aber "weiteren Informationsbedarf".

Von Matthias Becker

München - Eigentlich würden sie beim THW Kiel nach der Aufregung der vergangenen Tage am liebsten zur Normalität übergehen.

Am Mittwochabend (ab 20.15 Uhr LIVESCORES) gastiert der VfL Gummersbach in der Sparkassen-Arena.

Der Vorgänger des THW als Rekordmeister kommt mit einer stattlichen Serie von fünf Siegen und einem Unentschieden im Jahr 2009 nach Kiel.

Doch trotz dieser anspruchsvollen Aufgabe, steht der sportliche Aspekt bei den "Zebras" weiterhin im Schatten der schwelenden Manipulationsvorwürfe.

HBL-Aufsichtsrat sieht "weiteren Informationsbedarf"

Auch zwei Tage nach der Krisensitzung von Hamburg kommt die Handball-Szene nicht zur Ruhe. Und das obwohl am Montagabend ja eigentlich schon alles geklärt gewesen sein sollte.(Kiels Ehrenwort stellt fast alle ruhig)

"Wir haben den gesamten Themenkomplex ausführlich diskutiert. Der Aufsichtsrat sieht weiteren Informationsbedarf", erklärte Manfred Werner, Vorsitzender des HBL-Aufsichtsrats, nach einer über zwei Stunden währenden Sitzung des Gremiums der "dpa".

Und auch Aufsichtsratsmitglied und HSV-Boss Andreas Rudolph ist mit dem gelieferten Erklärungen offensichtlich noch nicht zufrieden. "Der Sachverhalt ist nicht geklärt. Wir wissen nicht, ob Bestechung vorliegt. Es sind keine Beweise da", sagte er.

Nielsen erneuert Vorwürfe

Zuvor hatte schon Jesper Nielsen den Verdacht gegen die Kieler befeuert. "Wir wissen, dass es einige Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Kiels CL-Spiel gegeben hat. Wir stützen uns dabei auf Aussagen von Schlüsselpersonen im Verein und aus seinem Umfeld", sagte der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen dem dänischen TV-Sender "TV2 Sporten".

Es gebe viele Leute, die viel von der Sache wüssten, und langsam aber sicher werde alles an die Oberfläche kommen, erklärte Nielsen weiter: "Ich glaube nicht, dass die Sache vorbei ist - oder besser: ich weiß, dass sie es nicht ist".(Manipulierte Kiel seit 2000?)

Vorwürfe "unhaltbar und unverantwortlich"

Der THW, dessen Manager Uwe Schwenker nach der Krisensitzung vom Montag noch optimitisch war, dass das Thema bald zu den Akten gelegt werden könnte, reagierte mit einer erneuten Pressemitteilung auf das fortwährende Brodeln in der Gerüchteküche.

"Die erhobenen Vorwürfe werden als unhaltbar und unverantwortlich zurückgewiesen", heißt es in der Stellungnahme.

Ex-Coach Noka Serdarusic, von dem vermutet worden war, er habe den Stein mit einer Selbstanzeige ins Rollen gebracht, habe dem THW "ebenfalls bestätigt, dass er weder an derartigen Manipulationen beteiligt war, noch irgendjemanden vom THW Kiel beschuldigt hat, so etwas getan zu haben".

Weiter Gremien-Sitzungen stehen an

Aber die Worte der Kieler, gegen die nach wie vor keine Beweise vorgebracht werden, verhallen inzwischen offensichtlich ungehört.

Nach dem Aufsichtsrat der HBL traf am Mittwoch auch das Präsidium des Ligaverbandes zusammen - und schloss sich in seiner Einschätzung dem eigenen Aufsichtsrat an. "Der Vorwurf steht nach wie vor im Raum", erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. und sieht weiteren Klärungsbedarf:

"Das Ganze ist bis heute nicht belegbar, aber es gibt noch offene Fragen, die wir noch klären müssen."

Attacke auf Flensburger Werner

Die Kieler stehen dem recht machtlos gegenüber. Und selbst wenn nach den anstehenden Sitzungen die Vorwürfe tatsächlich endgültig ausgeräumt wären: Der Imageschaden bleibt, frei nach dem Motto: "Irgendwas bleibt immer hängen."

Die bleibende Rufschädigung des THW hätte verhindert werden können, "wenn vor Weitergabe an die Presse zunächst dem THW Kiel Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden wäre", schreibt der Verein deshalb auch in seiner Stellungnahme.

Ein klarer Angriff auf Aufsichtsratsboss Werner, bei dem nach Informationen der "Kieler Nachrichten" inzwischen das Leck vermutet wird, durch das die Vorwürfe überhaupt erst an die Presse gelangten. Der heutige Gesellschafter und ehemalige Manager der SG Flensburg-Handewitt habe, nachdem er von den Bestechungsvorwürfen erfahren habe, die örtliche Presse informiert - und die Griff das Thema natürlich dankbar auf.

Gislasson setzt auf mentale Stärke

THW-Trainer Alfred Gislasson, der beim Spiel gegen Gummersbach auf seinen ehemaligen Arbeitgeber trifft, hofft trotz aller Diskussionen auf die mentale Stärke seiner Profis.

"Wenn die Presse endlich zur Ruhe kommt, wird sich jeder Spieler voll konzentrieren. Alle kommen seit Wochen mit den Dingen, die von der Seite kommen, gut klar", sagte er.

Bis in Kiel wirklich Ruhe einkehrt, könnte aber noch einige Zeit vergehen. Von wirklicher Normalität ganz zu Schweigen.

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