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Immer emotional dabei: Kretzschmar bei einem Heimspiel des SC Magdeburg © getty

Im zweiten Teil des Interviews spricht Stefan Kretzschmar über die Bestechungsvorwürfe in Kiel und IHF-Präsident Hassan Moustafa.

Sport1.de: Wie sehen Sie angesichts der Insolvenzen dreier Klubs die Lage der Liga?

Kretzschmar: Viele Vereine operieren an der Grenze. Da darf nicht viel passieren. Wer Erfolg haben will, muss Gehälter zahlen, durch die der Etat bis zum Äußersten ausgereizt wird. Einige Vereine begehen dabei Harakiri. Wenn dann ein Sponsor abspringt, ist die Kacke am Dampfen. Man sollte die Vereine aber nicht an den Pranger stellen. Jeder versucht sein Bestes, um in der Liga mitzuhalten.

Sport1.de: Der vermeintliche Bestechungsskandal um den THW hat hohe Wellen geschlagen. Können Sie sich vorstellen, dass an den Gerüchten etwas dran ist?

Kretzschmar: In der Größenordnung kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Zumal der THW die überragende Mannschaft der letzten Jahre hatte. Außerdem hatten sie auswärts Unentschieden gespielt - das würde einfach keinen Sinn machen. Ich traue es dem THW nicht zu und hoffe, dass da nichts dran ist. Es wäre schlimm für unsere Sportart.

Sport1.de: Hätte man das Ganze nicht intern klären können?

Kretzschmar: Die Frage habe ich mir auch gestellt. Die Motive, weshalb aus Richtung der Rhein-Neckar Löwen solche Anschuldigungen kommen, sind nicht eindeutig. Das Ganze ist unglücklich und traurig.

Sport1.de: Geht es dabei um alte Rechungen?

Kretzschmar: Man kann eins und eins zusammenzählen. Dass sich die beiden Klubs nicht gerade grün sind, ist klar. Man sollte aber nicht kurzfristig denken und versuchen, dem anderen zu schaden. Es geht hier um den deutschen Handball, da muss man besonnener und weitsichtiger agieren.

Sport1.de: Glauben Sie, dass Noka Serdarusic? Absage mit der Affäre zu tun hat?

Kretzschmar: Ich habe Noka als sehr korrekten Menschen kennen gelernt. Zu mir war er immer anständig und offen. Es liegt mir fern, ihn zu diskreditieren. Ich denke nicht, dass er sich auf ein solches Niveau herab begeben würde. Das würde Spuren an seinem Denkmal hinterlassen. Dafür ist er ein zu intelligenter Mensch.

Sport1.de: Wie haben Sie das Wechsel-Theater um Nikola Karabatic verfolgt?

Kretzschmar: Hier wurde ein Spieler für schmutzige Kampagnen benutzt. Er selbst ist ein absolut vernünftiger Kerl und ein loyaler Profi. Nikola hat sich gegenüber seinem Arbeitgeber korrekt verhalten und bringt immer seine Leistung. Man muss jemandem auch menschliche Beweggründe zugestehen. Die genauen Absprachen zwischen ihm und Uwe Schwenker kenne ich jedoch nicht. Seine Loyalität Serdarusic gegenüber finde ich beachtlich. Wenn er jetzt zu den Löwen wechseln würde, wäre das allerdings verwunderlich.

Sport1.de: Auf internationalem Level werden die Schiedsrichter vom gastgebenden Verein betreut. Ist das noch zeitgemäß?

Kretzschmar: Die Schiedsrichter sind Teil der Handball-Familie. Wir sollten den Sport nicht komplett steril machen. Das familiäre Gefühl ist so schon immer mehr verloren gegangen. Wenn wir das noch weiter schwächen, sind wir bald bei Zuständen wie im Profi-Fußball. Diese Unterkühlung läge mir nicht, ich habe die Handball-Welt immer sehr gemocht, früher noch mehr als heute.

Sport1.de: In der Olympia-Qualifikationspartie zwischen Südkorea und Kuwait wurde erwiesenermaßen betrogen. Ist der Handball anfällig für Mauscheleien?

Kretzschmar: Es geht um viel. Daran gemessen verdienen Delegierte und Schiedsrichter wenig. Gewisse Personen sind anfällig für Bestechung. Ich könnte mir vorstellen, dass im internationalen Bereich einiges gemauschelt wurde. Da es keine Beweise gibt, halte ich mich aber lieber zurück. Als Deutschland die WM 2005 nicht bekommen hat, habe ich mich beispielsweise richtig geärgert. Das sollte der krönende Abschluss für unsere Generation werden. Da habe auch ich eine Verschwörung gewittert.

Sport1.de: Es formiert sich mittlerweile breiter Widerstand gegen IHF-Präsident Hassan Moustafa, der damals wie heute im Zwielicht steht. Wie stehen Sie zu seiner Person?

Kretzschmar: Ich stehe voll hinter der Klubvereinigung G14, zu der ja auch der SCM gehört. Sie hat Moustafa zuletzt schwer kritisiert.

Sport1.de: Die Gefahr, dass er erneut gewählt wird ist, aber da.

Kretzschmar: Das ist richtig formuliert, es wäre eine Gefahr.

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