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Martin Schwalb egwann mit dem HSV 2011 die Deutsche Meisterschaft © imago

Nach dem Fehlstart zählt für den "angeschossenen" HSV gegen Kiel nur ein Sieg. Kretzschmar ist vom THW beeindruckt.

Hamburg - Der Präsident bangt um das Saisonziel, der Trainer hofft auf eine Trotzreaktion, und der Kapitän verspricht Wiedergutmachung:

Für den angeschlagenen Champions-League-Sieger HSV Hamburg geht es im DKB-HBL-Showdown gegen Double-Sieger THW Kiel am Samstag (ab 14.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im Gratis-LIVESTREAM) fast schon um alles.

Bei der Vorbereitung setzte HSV-Coach Martin Schwalb auf ein besonderes Video als Aufputschmittel.

Schwalb hofft auf Kieler Lücken

Immer wieder flimmerten die Bilder über den Monitor im Trainingszentrum des HSV.

Szenen vom 39:33-Erfolg der Hamburger gegen den THW im Halbfinale der Königsklasse am 1. Juni, dem "perfekten Spiel" (Schwalb), der wohl besten Partie in der elfjährigen Hamburger Vereinsgeschichte.

"Ist doch selbstverständlich, dass ich meinem Team einige Szenen daraus zeige", sagte Schwalb, "denn auch bei den Kielern gibt es Lücken, und wir hoffen, sie am Samstag zu finden."

Blamage verändert Stimmung

Der 50-Jährige erwartet gegen den THW einen "ganz, ganz großen Fight. Die Kieler haben das Halbfinale sicherlich nicht vergessen. Es hat ihnen bestimmt ziemlich weh getan", sagte Schwalb, um schnell nachzuschieben: "Aber wir sind auch ein bisschen angeschossen."

Wohl wahr. Keine 100 Tage sind seit der HSV-Gala in der Kölnarena vergangen, doch angesichts der 27:34-Blamage zum Bundesliga-Auftakt am Mittwoch beim Aufsteiger Bergischer HC (Schwalb: "Drecksspiel") hat sich die Stimmungslage komplett gedreht.

Kretzschmar traut HSV alles zu

Selbst die schönsten Erinnerungen zählen nicht mehr.

"Jetzt in der Vergangenheit zu schwelgen, bringt uns nichts. Wir haben uns selbst unter Druck gesetzt. Gegen Kiel müssen und werden wir anders auftreten als zuletzt", sagte Kapitän Pascal Hens.

"Es ist das erste große Highlight der Hamburger in eigener Halle, dafür werden sie alles geben", gibt sich SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar optimistisch: "Sie haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie gegen Kiel in der Lage sind, gut auszusehen und immer die richtigen taktischen Mittel parat haben."

Keine Schwäche mehr erlaubt

Vor dem Duell der beiden deutschen Giganten sieht Vereinspräsident Andreas Rudolph sogar schon das angepeilte Saisonziel in Gefahr.

"Wenn man Meister werden will, darf man wahrscheinlich auch in dieser Saison nicht nicht mehr als acht Punkte abgeben. Zwei sind es bereits. In den nächsten 33 Spielen können wir uns also nicht mehr viel erlauben", sagte Rudolph dem "Hamburger Abendblatt".

Seine Forderung: Gegen Kiel muss dringend ein Sieg her.

Schwalb findet deutliche Worte

Schwalb nimmt solche Aussagen zur Kenntnis, konzentriert sich aber auf die Baustellen seines Teams im schnellen Spiel nach vorne und in der Abwehr.

Ausreden wie den prallen Terminkalender oder den Umbruch (acht neue Spieler) lässt er für die Auftaktklatsche nicht gelten.

"Solche Schmerzen gehören bei einem Umbruch dazu. Wir haben in Solingen die volle Dosis bekommen", sagte Schwalb, "aber deswegen bin ich auch optimistisch. Wir müssen jetzt zeigen, dass wir einen Arsch in der Hose haben."

Beim Super Globe in Doha und in der Champions-League-Qualifikation gegen Berlin habe sein Team schon bewiesen, dass es auch ganz anders kann.

Sieg als erfektes Geschenk

Beim THW geht man nach einem gelungenen Saisonstart (4:0 Punkte) gelassen an die Aufgabe beim vermeintlich besten Team Europas.

"Die Kieler haben sich natürlich eindrucksvoll gegen Emsdetten verhalten. Das ist eine echte Duftmarke, die die Kieler da abgelassen haben", schwärmte Kretzschmar: "Insofern ist bei den Kielern alles in Ordnung. Sie haben Selbstvertrauen getankt, sie scheinen, auf bestem Weg zu sein."

"Für die Hamburger geht es um Wiedergutmachung. Das macht es nicht leichter", sagte Kiels Geschäftsführer Klaus Elwardt, "aber bange ist uns nicht".

Ein Sieg wäre das ideale Geschenk für Trainer Alfred Gislason. Der feiert am Samstag nämlich seinen 54. Geburtstag.

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