Die Pleite gegen Kiel fördert die HSV-Probleme zu Tage. Ein Profi steht im Fokus, und auch die Trainerdiskussion hat begonnen.

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Aus Hamburg berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - Mitte der ersten Halbzeit reichte es Domagoj Duvnjak.

Der Spielmacher des HSV Hamburg raunzte seinen Teamkollegen Davor Dominikovic ordentlich an.

Der Grund für den innerkroatischen Zwist war eher banal. Dominikovic hatte dem Schiedsrichter auf Nachfrage bestätigt, bei einem Kieler Wurf noch mit der Hand am Ball gewesen zu sein.

Duvnjak war jedoch in diesem Moment nicht nach einer fairen Geste zumute, er wollte seinen Frust loswerden.

Den Verdruss konnte man sogar verstehen. Das Spiel lief an ihm vorbei, er konnte nur wenige Akzente setzen.

Duvnjak erzielte lediglich einen Treffer im Nordderby, das die Gäste aus Kiel 32:26 (Bericht) gewannen.

(STENOGRAMME: Der 3. Spieltag)

Duvnjak wechselt zu Kiel

Für den 25-Jährigen war es eine besondere Partie. Ab der kommenden Saison wird Duvnjak in Kiel spielen, seinen 2014 auslaufenden Vertrag beim HSV wollte er nicht verlängern.

HSV-Trainer Martin Schwalb nahm seinen Regisseur in Schutz. "Er hat ein gutes Spiel gemacht."

Allerdings musste Schwalb auch einräumen, dass Duvnjak nicht seine beste Leistung gezeigt hatte.

"Dule hat Chancen liegenlassen, die er sonst macht", sagte Schwalb SPORT1, "das hat aber nichts damit zu tun, dass er gegen den THW Kiel gespielt hat. Es gibt einfach solche Tage."

Gala-Show in Champions League

Bitter nur, dass Duvnjak ausgerechnet gegen den Erzrivalen so einen Tag erwischte.

Am 1. Juni dieses Jahres, als der HSV im Halbfinale der Champions League den THW 39:33 überfuhr, hatte der Rückraumspieler elf Tore geworfen. Er hatte dominiert, das Spiel gemacht. Nun die Pleite.

Wenigstens gab es für Duvnjak nach dem Abpfiff einen aufmunternden Klaps von Alfred Gislason, seinem künftigen Trainer in Kiel.

Duvnjak schweigt über Wechsel-Gründe

Der freut sich auf einen "überragenden Spieler mit herausragenden Fähigkeiten". Viele Experten halten Duvnjak derzeit für den besten Handballer der Welt.

Beim HSV sind sie noch immer sehr enttäuscht, dass sie Duvnjak nicht zum Bleiben bewegen konnten.

Eine Million Ablöse hatten sie 2009 für den kroatischen Nationalspieler an RK Zagreb gezahlt, jetzt wird er 2014 einfach so gehen.

Das schmerzt, zumal der Wechsel den Hamburgern zeigt, dass sie im deutschen Handball keinesfalls die attraktivste Adresse sind.

Duvnjak hat bislang keine Gründe für seine Entscheidung genannt.

"Es gibt mehrere Dinge", sagte er kürzlich, wollte diese aber nicht konkret benennen. Die sportlich bessere Perspektive hat der "HBL-Spieler der Saison 2012/2013" an der Förde vermutlich schon.

HSV tritt auf der Stelle

Das Projekt HSV Hamburg stagniert. Der Gewinn der Champions League überdeckt, dass der HSV national zuletzt 2011 triumphierte.

In den beiden vergangenen Bundesliga-Spielzeiten reichte es nur für die Plätze vier und fünf, Kiel holte jeweils den Titel.

Und in der laufenden Saison steht Hamburg nach zwei Spielen mit zwei Niederlagen da.

"Der HSV hat schon viele Punkte verloren", stellte Gislason nach der Begegnung so sachlich richtig wie genüsslich gegenüber SPORT1 fest. Sein THW hat alle drei Bundesligaspiele gewonnen.

Die schwache Ausbeute bereitet den Verantwortlichen des HSV Sorgen.

"Wir haben einen starken, tiefen Kader. Da muss man die Meisterschaft als Ziel haben", hatte Matthias Rudolph unlängst der "Bild"-Zeitung gesagt. Eine klare Ansage Richtung Schwalb.

Gerüchte um Trainer-Wechsel

Der 50-Jährige wirkte nach der Niederlage gegen Kiel angefressen.

Die Frage eines Journalisten, ob er noch die Rückendeckung seines Klubs verspüre, nannte Schwalb "unverschämt".

So etwas könne man doch nicht nach nur zwei Spielen ernsthaft fragen.

In Hamburg halten sich jedoch hartnäckig die Gerüchte, dass die HSV-Bosse durchaus die Frage erörtern, wer wohl der passende Trainer ist, der das gut bezahlte Team weiterentwickeln kann.

Bundesliga-Rückkehr von Duschebajew?

Immer wieder fällt der Name Talant Duschebajew.

Der 45-Jährige ist seit der Insolvenz des spanischen Spitzenteams BM Atletico de Madrid ohne Verein. Duschebajew hatte bereits mehrfach betont, sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen zu können.

Als Spieler war er in Nettelstedt und Minden aktiv.

Schwalb will sich an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Seit März 2012 ist er wieder Chefcoach beim HSV, als er Per Carlens Posten übernahm.

Zuvor war Schwalb in Hamburg nach seinem Trainerjob (2005 bis 2011) Präsident und Geschäftsführer.Letztere Position hatte bis vor kurzem der ehemalige Fußball-Nationalspieler Frank Rost inne.

Der überwarf sich jedoch in nur wenigen Wochen mit Matthias Rudolph, jüngerer Bruder des millionenschweren HSV-Mäzens Andreas Rudolph. Platz für weiteres Stühlerücken ist in Hamburg also vorhanden.

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