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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Velimir Petkovic gewann mit Göppingen 2011 und 2012 den EHF-Pokal © getty

In Göppingen haben sie genug von Trainer Petkovic. Selbst Ziehsohn Kraus kann die Gräben nicht schließen. Der Rauswurf droht.

Von Patrick Mayer

München - Ehen gehen in die Brüche. Manche zumindest.

Vergessen werden die harmonischen Zeiten, die man miteinander hatte. Es wird gezankt, falsch interpretiert, sich gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Was für Beziehungen von Frau und Mann gilt, betrifft im Profisport oft das Verhältnis zwischen Trainer und Vereinsführung.

Eine dieser einst glücklichen Ehen ist die Liaison zwischen Velimir Petkovic und Frisch Auf Göppingen.

Das zählt nichts mehr

Der Coach wird auch im Auswärtsspiel in der DKB Handball-Bundesliga bei den Füchsen Berlin (ab 20 Uhr im Gratis-LIVESTREAM) an der Seitenlinie stehen. Keine Selbstverständlichkeit.

Dabei hatte der gebürtige Jugoslawe den Verein nach zwischenzeitlich zwölf Jahren Zweitklassigkeit in den Europapokal geführt.

Doch das zählt im Spätsommer 2013 nichts mehr.

Klub und Sponsoren suchen nach einer enttäuschenden Vorsaison nach einer neuen Liebe. Es liegt vieles im Argen.

Auf einem Abstiegsplatz

Göppingen steht nach drei Niederlagen zum Start der neuen Spielzeit auf einem Abstiegsplatz.

Doch den Ausgedienten werden sie nicht los. Eine Abfindung käme Frisch Auf teuer zu stehen.

Und vor der Saison hatten sie alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren früheren Topstar Michael "Mimi" Kraus zurückzuholen. Der vertraut dem Trainer auf Biegen und Brechen.

Dem Vernehmen nach war seine Verpflichtung Petkovics' Rettung.

"Ein Diktator?"

Trotzig soll der sich nach einer Saison, in der alle Ziele verfehlt wurden, gegen eine Vertragsauflösung gewehrt haben.

Uneinsichtig, so beschreiben ihn seine Kritiker ? auch wegen seines autoritären Führungsstils.

"Die Leute nennen mich einen Diktator", sagte der 57-Jährige, "aber wissen sie eigentlich, was das ist, ein Diktator?"

Es kam zum Eklat

Ausgerechnet nach den vorläufigen Höhepunkten der jüngeren Vereinsgeschichte, den EHF-Pokalsiegen 2011 und 2012, folgten die Rückschläge.

Platz elf in der Bundesliga. Viertelfinal-Aus im DHB-Pokal. Auch in Europa vorzeitig gescheitert.

Teure Neuzugänge, wie der Montenegriner Zarko Markovic blieben hinter den Erwartungen zurück, ambitionierte Spieler wie Rückraumshooter Felix Lobedank stagnierten in ihrer Entwicklung.

Dann kam es zum Bruch. Der Verein verkündete in einer Pressemitteilung, die eine Zeile lang war, eine "Vertragsverkürzung" von Juni 2015 auf Sommer 2014.

Schwerer Imageschaden

Die Beteiligten schwiegen sich über die genauen Gründe aus.

Nur so viel sickerte durch: Petkovic soll aus Stolz darauf beharrt haben, dass die Entscheidung als die seine verkauft wurde.

Binnen Tagen hatte das Image des schwäbischen Traditionsvereins schweren Schaden genommen - nach Jahren der Konsolidierung.

Und sie tun sich schwer, wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.

"Mimi ist wieder da!"

Dafür hatten sie eigentlich Kraus geholt. Wenigstens diese Liebschaft sollte ihren Zauber nicht verlieren.

"Der Mimi ist wieder da!", jubelten die Fans in den Sozialen Netzwerken. Kurzzeitig keimte sowas wie Euphorie auf.

Doch Kraus allein, das zeigte der Saisonstart, reicht nicht aus, um die Scherben wieder aufzusammeln.

Der frühere Spielmacher der Nationalmannschaft wirkt verkrampft.

Zu viel auf einmal

Es sei sein altes Problem, sagen Kritiker, er wolle zu viel auf einmal.

Petkovic versucht ihn zu stärken: "Ich habe Mimi gesagt, dass wir ihn nicht geholt haben, damit er zehn Tore wirft. Er soll unser Spiel organisieren. Doch er versucht Sachen, die er derzeit nicht kann", meinte der Trainer jüngst.

Offensichtlich erreicht er nicht einmal mehr ihn.

Petkovic plötzlich kleinlaut

"Ich mache mir Gedanken, ob ich etwas falsch mache." Es war eine Aussage, die er sich früher niemals eingestanden hätte.

Der "Diktator" vermittelt einen ratlosen Eindruck.

Sollte seine Mannschaft nicht bald siegen, dürfte seine Abschiedstournee abrupter enden als eine Scheidungsvereinbarung.

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