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Melsungens Felix Danner (r.) will Filip Jichas Kieler erneut zu Hause schocken © getty

Vor dem Duell mit dem Rekord-Stopper Melsungen plagen den Spitzenreiter Geldsorgen. Bei der MT ist das Multikulti out.

Von Lars Kretzschmar und Annette Bachert

München - Der Krösus schrumpft zum Minimalisten: Vor der Heim-Revanchel gegen die MT Melsungen (ab 20.10 Uhr im GRATIS-LIVESTREAM und in Ausschnitten LIVE im TV auf SPORT1) erstaunt Meister THW Kiel nicht nur mit knappen Ergebnissen.

Auch finanziell schöpfen die "Zebras" nicht mehr aus dem Vollen.

Wie die "Sportbild" berichtet, schloss der THW das Geschäftsjahr 2010/2011 mit einem Minus von 565.000 Euro ab. Und auch für die vergangene Spielzeit wird ein Jahresfehlbetrag erwartet - die Steuerprüfung ist bereits am Werk.

Aufsichtsrat: "Es war etwas holprig"

Klaus-Hinrich Vater, der Aufsichtsratsvorsitzende des THW, sieht dennoch keinen Anlass zur Sorge: "Das ist eine ganz normale Betriebsprüfung. Der THW ist vom Grunde her absolut solide. Es war etwas holprig, doch der Verein ist auf einem sehr guten Weg."

Das gilt auch für den Punktestand. Doch die Melsunger rissen die heile Kieler Welt schon einmal ein: Am 9. Dezember 2012 gelang der MT die Sensation, als das Team von Michael Roth die unglaubliche Serie des THW von 585 Tagen ohne Bundesliga-Niederlage beendete.

Nun also fordert der Spitzenreiter der DKB HBL den Tabellensiebten zur Revanche.

Glückliche Siege für Kiel

Dafür wird das Team von Alfred Gislason hoch konzentriert zu Werke gehen müssen, lösten die Ergebnisse in den letzten Wochen nicht gerade Begeisterungsstürme aus.

Drei Last-Minute-Siege gegen Gummersbach (31:30), Wetzlar (26:25) und in der Champions League gegen Wisla Plock (34:33) zeugten noch nicht von der alten Stärke der Kieler. Der neuformierte und eher dünn besetzte Kader strahlt noch nicht die gewohnte Dominanz des Rekordmeisters aus.

Nach den Abgängen von Kapitän Marcus Ahlm, Keeper Thierry Oemyer sowie den beiden Rückraum-Assen Daniel Narcisse und Momir Ilic fällt mit Christian Zeitz (Bronchitis) nun wohl ein weiterer Shooter aus. Auch Spielmacher Aron Palmarsson ist nach seiner Patella-Operation noch nicht wieder voll einsatzfähig.

Umbau für den Erfolg

Bei den Melsungern ist nach einem durchwachsenen Saisonstart mit 8:6 Punkten, aber starken Leistungen gegen die favorisierten Füchse Berlin sowie dem HSV Hamburg gute Laune angesagt.

"Diese Ergebnisse und auch unser eigenes Positiverlebnis vom letzten Jahr machen natürlich auch ein wenig Mut", erklärt der 51-Jährige, wohlwissend, dass der THW - egal in welcher Aufstellung - der haushohe Favorit ist: "Ich denke aber, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind."

Neue deutsch-skandinavische Linie

Nicht nur Platz sieben in der Tabelle gibt Roth und seinen Kaderumstrukturierungen über die letzten Jahre Recht.

Als der ehemalige Nationalspieler Ende Oktober 2010 übernahm, waren acht Nationen im Kader vertreten. Mit viel Aufwand und langfristiger Planung formierte Roth das Team komplett um. Heute sind es nur noch vier Nationalitäten.

"Bei der Zusammenstellung unserer Mannschaft haben wir das Augenmerk verstärkt auf die deutsch-skandinavische Linie gelegt, erweitert um ausgewählte Spieler mit internationaler Reputation", begründete Roth die Neuausrichtung.

In diesem Zuge mussten dann auch Leistungsträger der letzten Jahre wie Alexandros Vasilakis und Savas Karipidis den Verein verlassen, mit Michael und Philipp Müller kamen zwei deutsche Größen hinzu.

Alles für den Sieg

Einen Umbruch musste aber auch der THW in diesem Sommer verkraften.

Die Neuen um Wael Jallouz und Rasmus Lauge Schmidt füllten die riesigen Fußstapfen, die Narcisse und Co. hinterlassen haben, noch nicht aus.

Doch so lange die Kieler - vor allem dank des überragenden Kapitäns Filip Jicha - weiterhin ohne Punktverlust durch Liga und Königsklasse marschieren, müssen sie niemanden fürchten - auch nicht die MT Melsungen.

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