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Ola Lindgren war von 1998?2003 in Diensten der TSG Nordhorn © getty

Ola Lindgren wird neuer Löwen-Trainer. Im Sport1.de-Interview spricht er über seine neue Aufgabe und das Beben im deutschen Handball.

Von Julian Meißner

München - Ola Lindgren kann sich über mangelndes Interesse an seiner Person nicht beschweren.

Der 45-Jährige trainiert derzeit noch den insolventen Zwangsabsteiger HSG Nordhorn (DATENCENTER: Tabelle und Ergebnisse) sowie in Kooperation mit Staffan Olsson die Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Mit Schweden tritt er am Mittwoch in der EM-Qualifikation in Montenegro an.

Ab der kommenden Saison steht der zweimalige Weltmeister und viermalige Europameister dann bei den Rhein-Neckar Löwen an der Seitenlinie - anstelle von Noka Serdarusic, dessen Engagement unter mysteriösen Umständen platzte (Löwen lösen Vertrag mit Serdarusic auf).

"Den Rhein-Neckar Löwen ist es gelungen, einen europäischen Top-Trainer zu verpflichten, der international und in der Bundesliga jede Menge Erfahrung gesammelt hat", erklärte Manager Thorsten Storm die Verpflichtung des "Notnagels" am Montag (Lindgren wird neuer "Löwenbändiger").

Im Interview mit Sport1.de spricht Lindgren über seine neue Aufgabe und die Manipulationsvorwürfe im deutschen Handball.

Sport1.de: Herr Lindgren, was war ausschlaggebend für die Entscheidung, die Löwen zu übernehmen?

Ola Lindgren: Es ist ein Verein mit großen sportlichen Zielen und einer guten Perspektive, einer der Spitzenvereine in Deutschland. Sie haben die Möglichkeit, ganz oben anzugreifen. Für mich ist es eine große Herausforderung, bei diesem Projekt dabei zu sein.

Sport1.de: Wären Sie in Nordhorn geblieben, wäre die HSG nicht pleite gegangen?

Lindgren: Mein Vertrag lief ja noch bis zum nächsten Jahr. Insofern wäre ein Wechsel kein Thema gewesen. Jetzt ist es so gekommen, sicherlich ist das unglücklich. Mir tut es weh für Nordhorn, aber ich freue mich auch über die neue Chance.

Sport1.de: Staffan Olsson hat gerade seinen Vertrag mit dem schwedischen Verband bis 2011 verlängert. Werden auch Sie die Nationalmannschaft weiter betreuen?

Lindgren: Mein Vertrag mit dem schwedischen Verband läuft noch ein Jahr, darüber habe ich auch schon mit den Rhein-Neckar Löwen gesprochen. Ich würde es gerne zu Ende bringen, aber wir müssen uns nun erst einmal bei den Löwen nach Lösungen umsehen, gerade für den Job des Co-Trainers. Wir müssen eine Basis schaffen, bevor wir den nächsten Schritt machen.

Sport1.de: Olsson war auch bei den Löwen im Gespräch, zunächst als Co-Trainer von Serdarusic. Wird er dort eine Rolle spielen?

Lindgren: Nein, Staffan hat ein neues Talent-Projekt in Hammarby, an dem er beteiligt ist. Er wird auf jeden Fall bis 2011 in Schweden bleiben.

Sport1.de: Bjarte Myrhol kommt von der HSG zu den Löwen. Werden Ihnen weitere Spieler folgen?

Lindgren: Ich denke nicht, da nicht viele Nordhorner Spieler in Frage kommen. Die Löwen haben viele gute Handballer. Ich werde die Personalplanungen zusammen mit Thorsten Storm nach vorne treiben und schauen, wo es vielleicht noch Handlungsbedarf gibt. Noch haben wir nicht angefangen.

Sport1.de: Was sind ihre Ziele in Mannheim?

Lindgren: Wir wollen etwas gewinnen, das will jeder, der im Leistungssport tätig ist. Die Chancen dazu sind bei den Rhein-Neckar Löwen größer als in Nordhorn. Ich weiß aber auch, dass man nicht von einem Tag auf den anderen eine Top-Mannschaft entwickelt. Ich hoffe, ich bin beteiligt, wenn die Löwen diesen Schritt tun. Auf mich wartet viel Arbeit. Ich brauche Zeit, um eine Mannschaft aufzubauen, die ganz oben mitspielen kann.

Sport1.de: Der Handball wird erschüttert von immer neuen Manipulationsgerüchten. Sie sind schon lange im Geschäft - ist etwas dran an den Vorwürfen?

Lindgren: Dazu möchte ich eigentlich nicht viel sagen. Wir müssen erst abwarten, was bei den Ermittlungen herauskommt. Wir brauchen Klarheit in dieser Sache und müssen mit all diesen Gerüchten aufräumen. Ich versuche, mich auf den Sport zu konzentrieren.

Sport1.de: Auch die Löwen sind durch den Brief von Dieter Matheis an Uwe Schwenker nicht ganz unbeteiligt an dem Wirbel. Haben Sie darüber mit Storm und den Gesellschaftern gesprochen?

Lindgren: Nein, dennoch habe ich das natürlich mitbekommen. Für mich steht aber der Sport im Vordergrund. Um den Rest sollen sich andere kümmern.

Sport1.de: Sie treten mit Schweden am Mittwoch in Montenegro an. Ist das Team auf dem Weg zur EM 2010 in der Spur?

Lindgren: Ja, wir haben in der Quali einen guten Start hingelegt. Unsere Mannschaft ist stark und kann einen tollen Handball spielen. Jetzt wartet aber ein ganz schweres Auswärtsspiel auf uns. Wenn wir in Montenegro und dann zu Hause gegen sie gewinnen können, sieht es gut aus mit der EM-Teilnahme.

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