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Fynn Holpert (r.), hier mit HSV-Boss Andreas Rudolph, war bis 2007 TBV-Geschäftsführer © imago

Im Interview mit Sport1.de spricht Flensburgs Manager Fynn Holpert über Manipulationsverdacht und die Aussagen von Johnny Jensen.

Von Felix Götz

München - Welches Spiel war gekauft und welches nicht? Der Manipulationsskandal erschüttert den Handball und zieht immer weitere Kreise (Sieg-Anweisung von Spitzen-Kandidaten?).

Zuletzt geriet auch das "Wunder von Flensburg" ins Zwielicht. GWD Minden siegte am letzten Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison völlig überraschend gegen die SG Flensburg-Handewitt und schaffte den Klassenerhalt.

War das Ergebnis "nur" eine sportliche Sensation, oder steckte mehr dahinter?

In der vergangenen Woche meldeten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Bild" den Verdacht, dass sich die SG auf Drängen des Sponsors Hummel, der beide Teams ausrüstet, zurückgelehnt habe (Gerüchte um Flensburg-Pleite) .

Jensens Aussagen passen Holpert nicht

Johnny Jensen, norwegischer Nationalspieler in Diensten der Flensburger, bezeichnete unterdessen die aktuellen Enthüllungen im Handball als "die Spitze des Eisbergs." (Jensen spricht über Bestechungsfälle)

"In den vergangenen Jahren wurde ganz offen über Schiedsrichterbestechung gesprochen. Auch einige ehemalige Flensburger haben viel darüber erzählt", sagte Jensen "Spiegel Online".

Diese Aussagen passten Flensburgs Manager Fynn Holpert nicht. Im Interview mit Sport1.de spricht der ehemalige Torhüter über den Manipulationsverdacht, die Aussagen von Jensen, den Sponsor Hummel und seine Attacke gegen die Rhein-Neckar Löwen.

Sport1.de: Herr Holpert, sind Sie überrascht, dass die denkwürdige Pleite gegen Minden aus der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht steht?

Fynn Holpert: Momentan habe ich das Gefühl, dass aus jedem außergewöhnlichen Spiel ein Verdacht gestrickt wird. Die Medien berufen sich auf die Quelle "NDR", von denen ich dazu befragt wurde. Wir schaden uns allen damit, dass wir solchen Gerüchten Nahrung geben, in dem wir überhaupt so etwas fragen. Bevor recherchiert wurde, wurde ich dazu befragt. Dass dieses Interview dann nicht gesendet wurde zeigt doch, dass man beim "NDR" umgedacht hat. Insofern ist das alles Blödsinn.

Sport1.de: Wie gehen Sie gegen diese Affäre vor?

Holpert: Wir können uns da nicht wehren. Es heißt ja, dass nicht wir das Spiel verschoben hätten, sondern unser Ausstatter Hummel. Das muss ich hier mal klar betonen, dass es da nicht gegen die SG Flensburg-Handewitt geht. Wir haben klar Stellung dazu bezogen, in dem wir gesagt haben, dass das alles Blödsinn ist. Das ist lächerlich. Ich habe unseren Ausstatter Hummel sofort benachrichtigt. Das Problem ist: Es bekennt sich ja auch keiner direkt zu den Vorwürfen.

Sport1.de: Wie wichtig ist der Sponsor Hummel für die SG? Hätte ein Sponsor überhaupt theoretisch die Macht, so etwas zu verlangen?

Holpert: Ich weiß nicht, wem der "NDR" da aufgesessen ist und woher dieses Gerücht kommt. Auch dass Johnny Jensen da jetzt zitiert wird, "das ist nur die Spitze des Eisbergs" ist lächerlich. Natürlich reden auch wir über das Thema. Aber wir machen das intern. Wir müssen aufpassen, dass wir diese Sportart nicht aburteilen, in dem wir nur noch solche Nachrichten verbreiten. Das ist doch alles Wahnsinn. Daran gehen wir sonst kaputt.

Sport1.de: Sie haben Jensen schon angesprochen. Er hat auch ehemalige Flenburger in Verdacht gezogen. Was sagen Sie dazu?

Holpert: Jensen hat keine Spieler in Verdacht gezogen. Er hat nur gesagt, dass er auch ehemalige Flensburger Spieler aus dem Ostblock kennt, die ihm von Bestechungen bei früheren Vereinen erzählt haben.

Sport1.de: Haben sie ihn darauf angesprochen?

Holpert: Ich habe ihn mit diesem Interview konfrontiert und habe ihm gesagt, dass er aufpassen muss, was er da sagt. Wir sitzen alle in einem Boot und müssen aufpassen, dass man gewisse Dinge nicht so formuliert, dass sie weitere Nahrung zu Spekulationen geben. Man muss sich da unmissverständlich ausdrücken.

Sport1.de: Sie haben vor einiger Zeit die Rhein-Neckar Löwen scharf attackiert, da die den Skandal losgetreten haben?

Holpert: Ich habe die Löwen angegriffen, nachdem es hieß, dass an dieser ganzen Affäre nichts dran ist. Nach dem der "Spiegel" dann neue Informationen ans Licht gebracht hatte, habe ich bereits klar gesagt, dass ich da wohl zu vorschnell war und die Löwen zu Unrecht gerügt habe. Hier muss ich meine Meinung ganz klar revidieren. Die Löwen haben etwas losgetreten, was viel tiefer geht als wir gedacht haben. Insofern muss man jetzt abwarten.

Sport1.de: Haben Sie das mit den Löwen geklärt?

Holpert: Das ist vom Tisch und kein Problem.

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