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Die Liga tritt der HSV-Forderung, ihr Boss solle zurücktreten, entgegen und fühlt sich nicht mehr für die Aufklärung zuständig.

München - Der schwere Verdacht gegen den Kieler Manager Uwe Schwenker, jahrelang THW-Spiele auf internationaler Bühne manipuliert zu haben, lastet weiter auf dem Handballsport. (Manipulierte Kiel seit dem Jahr 2000?)

Doch die Handball-Bundesliga (HBL) fühlt sich für die Aufklärung, die sie zunächst an sich gerissen hatte, nun nicht mehr zuständig.

Auf einer sechsstündigen Sitzung der HBL im Hamburger Marriott Hotel forderte das Präsidium stattdessen eine lückenlose Aufklärung durch den Europäischen Handball-Verband EHF und den Handball-Weltverband IHF.

Denn bei allen Bestechungs- und Manipulationsvorwürfen handele es sich ausnahmslos um Spiele in den Zuständigkeitsbereichen dieser Verbände.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Während Schwenker am Montag ankündigte, sein Amt als Vizepräsident der Liga ruhen zu lassen, sitzt sein Spezl, HBL Boss Reiner Witte, fest in seinem Amtssessel.

Das HBL-Präsidium stellte sich einstimmig hinter Witte. Und der sagte: "Ich habe mir in dieser Sache nichts vorzuwerfen."

Zuvor hatte HSV-Präsident Andreas Rudolph gefordert, dass Witte wegen Befangenheit zurücktreten müsse und behauptet, dass Schwenker Bestechung mit den Worten zugegeben habe: "Andreas, ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass man die Champions League nur mit Schiedsrichter-Bestechung gewinnt." (HSV-Boss Rudolph belastet Schwenker schwer)

Seitenhieb gegen den HSV

Doch nun geraten die Hamburger selbst unter Beschuss. Die Kieler schrieben in einer Presserklärung: "Der THW Kiel hat die ihm bisher zugänglichen Erkenntnismöglichkeiten ausgeschöpft, ohne dass sich der Verdacht von Spielmanipulationen bestätigt hat." (Anklage gegen THW "erheblich entfernt")

Weiter gehende Aufklärung sei erst zu erwarten, wenn der Rekordmeister am Mittwoch Einsicht in die staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakte erhält. "Vielleicht hätte auch der HSV Hamburg diesen Zeitpunkt abwarten sollen."

"Ich bin enttäuscht über den Ausgang. Ich glaube weiterhin, dass viele Bestechungen als Kavaliersdelikt betrachten", erklärte Rudolph nach der Sitzung.

Keine Strafen durch die Liga

Witte kündigte unterdessen an, es werde selbst bei einer Überführung des THW keine Sanktionen durch die HBL geben. "Wenn sie in Holland bei Rot über die Ampel fahren, werden sie in Deutschland dafür auch nicht bestraft", führte er aus.

Doch Gesprächsbedarf besteht weiterhin. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat der Liga zur Affäre Kiel und zu den beschlossenen "Maßnahmen zur Reduzierung des Manipulationsrisikos". (Jensen: "Die Spitze des Eisbergs") .

Dazu zählen Analyseroutinen für auffällige Spiele sowie die Aufforderung an IHF und EHF, korrupte Personen von allen Ämtern zu entbinden.

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