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Uwe Schwenker bestritt 72 Länderspiele für Deutschland © getty

Der THW gibt die Trennung von seinem in der Bestechungsaffäre belasteten Manager bekannt. Doch Uwe Schwenker könnte zurückkehren.

Kiel - Nach einer 17-jährigen Erfolgsgeschichte ist die Ära des sportlichen Lenkers Uwe Schwenker bei Handball-Rekordmeister THW Kiel angesichts der Manipulationsvorwürfe vorerst beendet.

In einer gemeinsamen Presseerklärung gaben der unter Bestechungsverdacht stehende Manager und der Klub am Dienstag wie erwartet die Trennung bekannt.

Sein Amt als Geschäftsführer werde der 50-Jährige mit sofortiger Wirkung niederlegen (DATENCENTER: Alles zum THW).

Intern wird aber offenbar auch eine Zukunft Schwenkers als Sportchef nach der offiziellen Beendigung des Angestelltenverhältnisses zum 30. Juni für möglich gehalten.

"Keine belastbaren Beweise"

Einen direkten Zusammenhang der Trennung mit den Bestechungsvorwürfen wies der Verein zwar von sich, doch die Berichte der vergangenen Wochen haben dem THW und Schwenker zugesetzt.

"Grund für die Trennung sind ausdrücklich nicht die gegen Uwe Schwenker erhobenen Vorwürfe von Spielmanipulationen, für die es auch nach Einsicht in die Ermittlungsakten keine belastbaren Beweise gibt, sondern das Ziel, den Verein vor weiterem Schaden zu bewahren", erklärte Gesellschafter-Sprecher Georg Wegner am Dienstag in Kiel.

Hintertür für Schwenker

Mit seinem Rücktritt kam Schwenker offenbar einer entsprechenden Reaktion von Vereinsseite zuvor. "Er hat sicherlich leichten Druck gespürt", sagte Wegner.

Anwalt Wegner, der den THW auch in juristischen Fragen berät, wollte über die Zeit nach dem 30. Juni keine offiziellen Angaben machen.

Stattdessen wurde aus internen Vereinskreisen bekannt, dass Schwenker womöglich auch in der kommenden Saison dem Verein mit seinen Knowhow zur Verfügung steht. Als Sportchef könnte er die Geschicke der Norddeutschen weiter lenken, während ein kaufmännischer Leiter die Geschäftsführung übernimmt.

Löwen-Coach als Manager?

Ein Kandidat auf diesen Posten ist offenbar der frühere Kieler Rückraumspieler Wolfgang Schwenke, der bis Saisonende noch als Trainer bei Ligakonkurrent Rhein-Neckar Löwen fungiert.

"Ich kann mir vostellen, in dieser Funktion beim THW zu arbeiten. Das wäre sicherlich reizvoll, zumal ich mich in wirtschaftlichen Dingen auskenne", sagte der Diplom-Betriebswirt dem "Mannheimer Morgen". Vorerst übernimmt Geschäftsstellenleiterin Sabine Holdorf-Schust die Aufgaben.

Viele Fragen, keine Antworten

Am Montag hatte Schwenker in einem knapp dreistündigen Gespräch mit den THW-Gremien nicht die geforderten Antworten geben können.

"Es gibt Indizien auf finanzielle Unregelmäßigkeiten", sagte Wegner, nachdem der THW in der vergangenen Woche Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft erhalten hatte.

Insgesamt 152.000 Euro seien demnnach nicht ordnungsgemäß verbucht worden.

"Verweigerungshaltung nicht akzeptiert"

"Wir haben Schwenker aufgefordert, entsprechende Kassenbelege vorzulegen. Aber er ist dieser Forderung nicht nachgekommen und diese Verweigerungshaltung wurde von den Gesellschaftern als auch dem Beirat nicht akzeptiert", so Wegner.

Beweise für Geldzahlungen an Schiedsrichter gebe es aber nicht. Schwenker hatte angegeben, sich auf Anraten seiner Anwälte nicht zu den Unregelmäßigkeiten äußern zu wollen bzw. zu können.

Kein kompletter Bruch

Aus den Gremien gab es dafür durchaus Verständnis. "Uwe Schwenker hat uns gesagt, es werde Erklärungen für die finanziellen Ungereimtheiten geben, nur könne er sie wegen der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht jetzt geben", erklärte Wegner.

Er deutete an, dass es einen kompletten Bruch mit dem langjährigen Macher des Klubs nicht geben werde: "Wir lassen ihn nicht fallen wie einen faulen Apfel, dafür hat er zuviel für den Verein geleistet."

Wachsender Druck

Der Druck auf Schwenker, gegen den die Kieler Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, war in den vergangenen Tagen immer weiter gewachsen.

Liga-Chef Frank Bohmann sieht darin auch den Grund für Schwenkers Rücktritt und forderte weitere Aufklärung.

"Es stehen offene Vorwürfe im Raum, bei denen ich mir wünschen würde, dass eine Stellungnahme abgegeben würde. Aber es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung", sagte Bohmann (HSV-Boss belastet Schwenker).

Neue Zeugen

Neben Präsident Andreas Rudolph vom HSV Hamburg sollen sich zuletzt weitere Belastungszeugen gefunden haben, die Aussagen, Schwenker habe auf Rudolphs Anwesen in Mallorca im Juni 2007 eingestanden, den Champions-League-Sieg des THW Kiel erkauft zu haben (Weitere Zeugen gegen Schwenker).

Der "Uli Hoeneß des Handballs" und frühere Linksaußen des THW machte die "Zebras" als Manager seit Anfang der 90er Jahre zum deutschen Vorzeigeklub.

Unter Schwenker holte der THW elf Meistertitel, fünf DHB-Pokalsiege, drei EHF-Pokalsiege und den nun so ins Gerede geratenen Champions-League-Sieg 2007.

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