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Martin Schwalb ist - mit Unterbrechung - seit 2005 beim HSV, Jogi Bitter (l.) seit 2007 © getty

Dem HSV Hamburg wird erneut die Lizenz verwehrt. Eine letzte Chance bleibt - ansonsten droht der Neustart in der dritten Liga.

Hamburg - Insolvenz, Zwangsabstieg oder doch noch die Rettung in letzter Sekunde?

Genau ein Jahr und einen Tag nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte stehen die HSV-Handballer vor dem Sturz ins Bodenlose.

Nachdem der finanziell schwer angeschlagene Spitzenklub HSV Hamburg auch im zweiten Anlauf keine Lizenz für die kommende Saison 2014/15 erhalten hat, bleibt dem Champions-League-Sieger von 2013 als allerletzter Strohhalm nur noch der Gang vor das unabhängige Schiedsgericht der Bundesliga DKB HBL .

"Es tut mir unheimlich weh, was da gerade passiert", sagte der ehemalige HSV-Star Michael Kraus zu SPORT1. "Es ist tragisch für die Liga und ein Schlag für den deutschen Handball."

Einspruch möglich

Noch am Dienstagnachmittag zogen sich die HSV-Bosse zu intensiven Beratungen zurück.

"Wir haben die Entscheidung der HBL zur Kenntnis genommen. Wir werden uns nun intern abstimmen und dann darauf reagieren", sagte Geschäftsführer Holger Liekefett. Eine Woche bleibt dem deutschen Meister von 2011 nun, das Horrorszenario noch abzuwenden und Einspruch gegen das Urteil einzulegen.

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Denn sollte das Schiedsgericht die Entscheidung des Liga-Präsidiums bestätigen, steht die Star-Truppe um Kapitän Pascal Hens als Zwangsabsteiger aus der Bundesliga fest.

"Katastrophe für den deutschen Handball"

Da kein vorsorglicher Lizenzantrag für die 2. Liga gestellt wurde, bliebe dem HSV nur die Möglichkeit, in der 3. Liga anzutreten.

Doch dies erscheint an der Elbe nahezu ausgeschlossen, wahrscheinlicher wäre in diesem Falle die Beantragung der Insolvenz.

"Das Ende des HSV in der ersten Bundesliga ist eine Katastrophe für den deutschen Handball. Der Handball muss in die Großstädte, und dies ist in Hamburg durch unseriöse Refinanzierung leider einmal mehr gescheitert", sagte Präsident Frank Steffel vom Pokalsieger Füchse Berlin.

Alle Vereine müssten endlich begreifen, dass die "Abhängigkeit von Mäzenatentum und Erfolg durch überhöhte Spielergehälter der falsche Weg sind".

Rudolph-Rücktritt der Anfang vom Ende

Mäzen Andreas Rudolph war am 8. Mai überraschend als HSV-Präsident zurückgetreten und hatte den Verein damit in eine existenzielle Krise gestürzt (EINWURF: Die Crux mit dem Mäzen).

Der Medizintechnik-Unternehmer, der in den vergangenen zehn Jahren über 25 Millionen Euro in den Klub gepumpt hatte, schloss weitere finanzielle Hilfen aus, so dass allein im Etat der gerade abgelaufenen Spielzeit rund 2,7 Millionen Euro fehlten.

Einstimmiger Beschluss

"Der Beschluss des achtköpfigen HBL-Präsidiums war einstimmig", sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser: "Der HSV hat auch in den fristgerecht nachgereichten Unterlagen seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum Ende dieser Saison und auch für die kommende Saison nicht belegen können".

Dabei hatten die Verantwortlichen in der Hansestadt bis zum Schluss fest mit einem positiven Bescheid gerechnet.

Was machen die Stars?

Was aus der Mannschaft um Nationalkeeper Johannes Bitter wird, ist derzeit völlig unklar.

Fest steht nur, dass Welthandballer Domagoj Duvnjak und EM-Torschützenkönig Joan Canellas (beide zum THW Kiel) den Verein verlassen.

Kreisläufer Andreas Nilsson wird mit dem ungarischen Spitzenklub MKB Veszprem in Verbindung gebracht, Bitter steht angeblich ebenfalls vor einem Wechsel nach Kiel.

Balingen gerettet, Melsungen nach Europa

Bereits in erster Instanz war den Hamburgern am 15. Mai die Spielerlaubnis für die kommende Saison wegen mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verweigert worden. Daraufhin legte der Klub Einspruch ein und reichte neue Unterlagen ein.

Doch selbst der von 8,1 auf 5,5 Millionen Euro abgespeckte Etat konnte den Gutachterausschuss und die Lizenzierungskommission nicht überzeugen.

Für die Liga hätte ein Zwangsabstieg der Hamburger erhebliche Folgen: Der Tabellen-16. der abgelaufenen Saison, die HBW Balingen-Weilstetten, würde die Eliteklasse halten.

Und die MT Melsungen, Sechster der abgelaufenen Spielzeit, wäre statt der Hanseaten zur Teilnahme am EHF-Cup berechtigt.

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