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Der HSV Handball hat bis 1. Juli Zeit, die Lizenz-Auflagen zu erfüllen © getty

Der HSV ist trotz der Wende im Ringen um die Lizenz nicht gerettet, anderswo ist das Entsetzen groß. Die Liga erklärt sich.

Hamburg - Holger Liekefett schwitzte, nicht nur wegen der defekten Klimaanlage im Sitzungssaal.

Aber der Geschäftsführer des HSV Hamburg hat sich vor dem Schiedsgericht nicht umsonst ins Zeug gelegt.

Die finanziell angeschlagenen Hanseaten haben die Lizenz für die DKB Handball-Bundesliga bekommen, in der dritten und letzten Instanz. Sie können durchatmen - vorerst.

730 Kilometer weiter südlich ist das Entsetzen groß über das sportjuristische Beben, das der Richterspruch ausgelöst hat.

"Schlag ins Gesicht"

Bei der HBW Balingen-Weilstetten, die nach dem zweimaligen Lizenzentzug für die Norddeutschen schon wieder erstklassig geplant hatte, steht man nun vor einer äußerst schwierigen Situation. (DATENCENTER: DKB HBL)

"Unfassbar, ich bin konsterniert. Das ist ein absoluter Schlag ins Gesicht", sagte Geschäftsführer Bernd Karrer der "Südwest Presse".

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In einer eiligst einberufenen Krisensitzung am Donnerstag sollten weitere Schritte erörtert werden: "Wir werden nach allen Richtungen schauen. Man sieht ja - juristisch ist alles möglich."

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Betroffene Klubs entsetzt

In der gleichen Bredouille steckt die HG Saarlouis, die für die 2. Liga geplant hatte und nach aktuellem Stand wohl doch weiter in Liga 3 spielen muss.

"Angeblich sollte in diesem Verfahren nur noch über Formfehler entschieden werden. Dass der HSV jetzt noch bis zum 1. Juli nachlegen darf, geht gegen alle Finanzierungs-Richtlinien", teilte der verärgerte Klubvorsitzende Richard Jungmann der "Saarbrücker Zeitung" mit: "Dieses Verfahren passt zur Darstellung des deutschen Handballs in den letzten Wochen."

Betroffen ist außerdem die MT Melsungen, die nicht anstelle des HSV im EHF-Pokal antreten wird. Vorstand Axel Geerken prognostiziert nicht nur deshalb: "Ich bin mir sicher, dass die Vereinsverteter bei der Ligatagung nächste Woche viele Fragen haben werden."

Wütende Reaktionen im Netz

Weniger diplomatisch äußerten sich die Balinger Fans, "Schweinerei" zählte zu den höflicheren Wortmeldungen in den sozialen Medien.

Begraben müssen sie ihre Hoffnungen auf eine weitere Erstliga-Saison aber noch nicht: Gerettet ist der letztjährige Champions-League-Gewinner aus Hamburg nämlich längst noch nicht.

Schätzungen zufolge muss der einstige deutsche Meister bis zum 1. Juli um Punkt 17 Uhr rund vier Millionen Euro in Form von rechtskräftigen Verträgen oder Bürgschaften aufbringen.

Ansonsten ist die Lizenz weg - und Balingen ebenso gerettet wie Saarlouis, das stellte die DKB HBL am Donnerstag klar.

Rudolph gefordert und Schwalb vor dem Aus?

"Gravierende Bedingungen und weitere Auflagen", nannte es das unabhängige dreiköpfige HBL-Schiedsgericht nach der fast achtstündigen Marathon-Tagung in Minden.

Kaum vorstellbar, dass dies ohne Mäzen und Ex-Präsident Andreas Rudolph gelingt, der im Mai durch seinen plötzlichen finanziellen Rückzug die immer noch akuten Probleme verursacht hatte.

Liekefett bestätigte dies indirekt, indem er einem deutlichen Bekenntnis zu Trainer Martin Schwalb, der bei Rudolph in Ungnade gefallen ist, unüberhörbar auswich: "Alle Sachen haben ihre Zeit, und falls diese Zeit abgelaufen sein sollte, wird man darüber sprechen müssen."

Kontakt zu Unternehmern

Zu seiner eigenen Position hingegen, so Liekefett, gebe es "momentan keine Fragestellungen".

Allerdings gibt es an der Elbe intensive Bestrebungen, den HSV auch ohne Rudolph und seinen Bruder Matthias, aktuell noch Hauptgesellschafter des Klubs, in finanziell ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Kontakte bestehen zum Unternehmer Alexander Otto und auch zu Jürgen Hunke, Ex-Präsident des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV.

Liga erklärt sich

Die DKB HBL versucht derweil, in einer 14 Punkte langen Mitteilung, die unübersichtliche Lage zu ordnen - und betont daran in aller Deutlichkeit, dass sie mit dem Gericht nicht auf Linie liegt.

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Ihre Abgesandten seien "über acht Stunden für unsere Entscheidung, die Lizenz nicht zu erteilen, eingetreten".

Das Schiedsgericht sei aber "im Kern der Meinung" gewesen, "dass die HBL in den ersten Verfahrensrunden statt einer Lizenzverweigerung den milderen Weg der Lizenzerteilung unter Bedingungen hätte wählen müssen". Dies habe man nun zu akzeptieren.

Die Liga verspricht den Kritikern in Punkt 14 zudem, jede E-Mail zum Thema zu beantworten - wenn sie konstruktiv ist.

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