vergrößernverkleinern
Uwe Schwenker bestritt 72 Länderspiele für Deutschland © imago

Uwe Schwenker war tief gefallen, nun will er wieder einen Spitzenjob - als Ligapräsident. Im SPORT1-Interview spricht er.

Von Philipp Heinemann und Adrian Geiler

München - Man nannte ihn den Uli Hoeneß des Handballs - zu einer Zeit, in der Uli Hoeneß noch ausschließlich für Erfolg stand.

17 Jahre lang war Uwe Schwenker Geschäftsführer des THW Kiel und formte den Klub in dieser Zeit zu Deutschlands Handballmacht. 25 nationale und internationale Titel fielen in seiner Amtszeit.

Dann fiel der Manager tief. Im März 2009 wurden er und Kiels langjähriger Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, das Champions-League-Finale 2007 durch Schiedsrichterbestechung manipuliert zu haben. Schwenker gab sein Amt in Kiel auf.

Nach vier Jahren wurde Schwenker in allen Anklagepunkten freigesprochen, nun will er wieder ein Spitzenamt antreten.

Am Donnerstag will er sich als Nachfolger von Reiner Witte zum Präsidenten der DKB HBL, der Handball-Bundesliga, wählen lassen. Was er vorhat, wie er helfen will, den deutschen Handball aus der Krise zu führen, ob er die Folgen der Affäre fürchtet, sagt er im SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Schwenker, warum sollte man Sie zum neuen Liga-Präsidenten wählen?

Uwe Schwenker: Ich fange erst einmal anders an: Es gab in den letzten Monaten mehrere Treffen von acht bis zehn Erst- und Zweitligisten, die sich über aktuelle Sachthemen der DKB HBL ausgetauscht haben. Über diese Sachdiskussion ist man zu Personalfragen gelangt und hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, an der Festigung und Positionierung der DKB HBL und der zukünftigen Ausrichtung mitzuarbeiten. Ich habe dann meine grundsätzliche Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt, eine Kandidatur gegen Reiner Witte aber ausgeschlossen. Mit Reiner Witte bin ich seit Jahren befreundet und er hat in für mich schweren Zeiten stets loyal zu mir gestanden. Wie bekannt, hat Reiner Witte aber für sich die Entscheidung gefällt, nach zwei Amtsperioden nicht erneut zu kandidieren.

SPORT1: Was können Sie gegen die Probleme im deutschen Handball tun?

Schwenker: Ich denke, dass kann man nur als Team auf den Weg bringen - und nur im Konsens mit allen Vereinen und dem DHB. Das ist eine vielschichtige Aufgabenstellung. Es gibt Interessenskonflikte innerhalb der ersten, aber auch innerhalb der zweiten Liga. Da gilt es, über den eigenen Tellerrand hinaus zu gucken und Gesamtinteressen des Handballs über Einzelinteressen zu stellen.

SPORT1: Heiner Brand hat Ihnen zu seiner Zeit als Bundestrainer vorgeworfen, nur die Interessen des THW Kiels im Blick zu haben - und nicht die der Nationalmannschaft oder der deutschen Talente. Würden Sie ihn als Ligapräsident gern eines Besseren belehren?

Schwenker: Wissen Sie, das ist immer eine schwierige Geschichte. Wenn man Interessen eines Klubs verfolgt, hat man entsprechende Aufgaben zu bewältigen. Hier gibt es immer eine Interessenskollision. Zu meiner Kieler Zeit habe ich stets darauf geachtet, dass, wenn es um Qualität geht, zuerst ein Deutscher auf der Liste steht. Das ist aber nicht immer gelungen.

SPORT1: Nach dem Aus in den WM-Playoffs der Nationalmannschaft sind die Rufe nach einer Quote für deutsche Spieler wieder lauter geworden. Zu Kieler Zeiten waren Sie dagegen. Ist das weiterhin der Fall?

Schwenker: Ich bin grundsätzlich gegen eine Quotenregelung. Wir betreiben Leistungssport, und jeder, der im Sport an die Spitze kommen will, muss bereit sein, mehr zu tun als alle anderen. Dabei hat nahezu jeder die gleichen Voraussetzungen. Qualität wird sich durchsetzen.

SPORT1: Hat Sie die Serie der verpassten Großturniere ins Grübeln gebracht?

Schwenker: Ich denke, man darf es nicht auf eine Quotenregelung schieben. Das muss man deutlich differenzierter sehen. Wir müssen da eher über etwas anderes reden.

SPORT1: Worüber?

Schwenker: Deutsche Nachwuchsteams haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie im taktischen Bereich besser waren als andere Nationen. Dies wird in der späteren Entwicklung jedoch aufgeholt. Unsere Spieler haben sich insbesondere körperlich und spieltechnisch nicht entsprechend entwickelt. Das Problem ist meines Erachtens aber erkannt und wird sich auszahlen. Die Bundesligisten tragen mit ihrer Nachwuchsförderung und der Einführung des Jugendzertifikates eine Menge dazu bei.

SPORT1: Der HSV Hamburg hat von einem Schiedsgericht die Lizenz für die DKB HBL doch noch erhalten, gegen den Willen der Liga. Wie bewerten Sie das?

Schwenker: Ich war und bin in das Verfahren nicht eingebunden. Der HSV Hamburg hat hier seine rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft . Das ist sein gutes Recht. Gleiches steht aber auch den Vereinen zu, die von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen sind. Unabhängig davon hat diese ganze Geschichte natürlich einen großen Imageschaden für den Handball verursacht.

SPORT1: Bis zum Dienstag muss Hamburg geschätzte vier Millionen Euro aufbringen. Gelingt das nicht: Was würde das Aus des Handballstandpunktes Hamburg für den deutschen Handball bedeuten?

Schwenker: Bundesligahandball in einer Medienstadt wie Hamburg wäre wünschenswert. Allerdings sollte er auf breiten Beinen stehen und solide finanziert sein.

SPORT1: Sie waren 2009 in die Manipulationsaffäre rund um den THW Kiel verwickelt - wurden aber freigesprochen. Glauben Sie, dass Sie den Job als Liga-Präsident unbelastet ausüben können?

[image id="6ceef15c-63a6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Schwenker: Aus meiner Sicht ganz sicher und alle anderen müssen sich fragen, ob sie sich moralisch und persönlich über Recht und Gesetz stellen wollen. In Deutschland gilt der Grundsatz, dass jeder als unschuldig gilt, bis ein Gericht ihm das Gegenteil beweist. Dies wird aber leider immer weniger beachtet, und der Ruf einer Person allein bereits durch einen Verdacht beschädigt. Das ist inakzeptabel und hier gilt es gegenzusteuern. Ich wurde in allen Anklagepunkten freigesprochen. Es gab damals eine äußerst umstrittene Berichterstattung. Starke Behauptungen waren besser als ein schwacher Beweis.

SPORT1: Und Sie glauben, da hängt nichts nach?

Schwenker: Das wird sich zeigen. Es ist eine demokratische Wahl am Donnerstag. Da werden wir sehen, wie die Mitgliedsvereine das bewerten. Für die Klubs, die mich wegen einer Kandidatur gefragt haben, spielt es sicher keine Rolle. Die haben als Entscheidungsgrundlage die Interessen der DKB HBL im Fokus und sind der Meinung, dass ich mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk den Interessen des Ligaverbandes helfen kann.

SPORT1: Sie selber haben jüngst den THW Kiel kritisiert, weil er Manager Thorsten Storm von den Rhein-Neckar Löwen verpflichtet hat - der Sie damals belastet hat. Trotzdem unterstützen die Kieler Sie. Ist da alles ausgeräumt?

Schwenker: Das hat nichts mit dem Klub zu tun. Ich habe nach wie vor mit einer Vielzahl von Leuten beim THW Kiel einen guten Draht. Ich habe einfach nur gesagt, es ist eine unsensible Entscheidung und für die THW-Anhänger ein Stich ins Herz. Zu der Aussage stehe ich. Und ich glaube, die Liga will einen Präsidenten, der authentisch ist und zu seinen Aussagen steht.

SPORT1: Wurden Sie vom DHB schon nach Ihrer Meinung bei der Bundestrainer-Suche gefragt?

Schwenker: Nein. Ich habe ja momentan auch kein Amt und keine Funktion. Möglicherweise wird sich das nach der Mitgliederversammlung ändern.

SPORT1: Dann fragen wir schon mal: Was für eine Art Trainer braucht Deutschland?

[image id="6d0adab4-63a6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Schwenker: Das DHB-Präsidium hat im letzten Jahr ein Strategiepapier vorgelegt, das mit dem Ziel Olympiasieg 2020 endet. Und Ziele definieren die Maßnahmen. Vor dem Hintergrund gilt: Eine gute Entscheidung geht vor einer schnellen.

SPORT1: Zu den Kandidaten zählt Zvonimir Serdarusic (Bild-Copyrights: Getty). Er war unter Ihnen Kiel-Coach, später haben Sie sich überworfen. Würden Sie mit ihm als Bundestrainer wieder zusammenarbeiten?

Schwenker: Im Moment sind wir ja noch nicht soweit. Ich muss auch nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Erst einmal muss ich die Wahl abwarten.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel