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Christian Gaudin war nur 159 Tage in Hamburg als Trainer im Amt
Der Franzose Gaudin spielte einst in der Bundesliga für Hameln und Magdeburg © imago

Der HSV Hamburg hat einen neuen Coach: Christian Gaudin wird Nachfolger von Martin Schwalb. Dieser kann das Krankenhaus verlassen.

Hamburg - Frischer Wind durch französischen Trainer: Nach turbulenten Wochen und Monaten sorgt der HSV Hamburg erstmals wieder für positive Schlagzeilen.

Exakt eine Woche nach der beschlossenen Trennung von Martin Schwalb schloss der ambitionierte Klub aus der DKB HBL seine wichtigste Baustelle und präsentierte in Christian Gaudin am Donnerstag einen neuen Trainer.

Der Führungswechsel bedeutet eine Zäsur in der Hamburger Vereinsgeschichte. Nach neun Jahren mit Schwalb auf der Trainerbank übernimmt im früheren Bundesliga-Torhüter Gaudin nun erstmals ein Franzose das sportliche Kommando.

Der 47 Jahre alte Coach unterschrieb beim früheren Champions-League-Sieger einen Ein-Jahres-Vertrag bis 2015.

Nationaltrainer von Rumänien

"Die Bundesliga kenne ich noch sehr gut aus meiner Zeit in Magdeburg. Gegen den HSV zu spielen, war nie leicht. Ich möchte dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so bleibt", sagte Gaudin bei seiner Vertragsunterzeichnung.

Er sei "sehr glücklich darüber, dass ich die Chance erhalte, den HSV Handball mit einer guten Mischung aus international erfahrenen und jungen Spielern weiterentwickeln zu können."

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Gaudin war zuletzt Nationaltrainer von Rumänien und betreute den französischen Klub Saint-Raphael Var HB von 2006 bis 2014.

Der frühere Weltklasse-Keeper und zweimalige Weltmeister (1995 und 2001) kennt die Bundesliga aus seiner Zeit in Hameln (1997 bis 1999) und beim SC Magdeburg (1999 bis 2003) bestens, spricht zudem fließend Deutsch. Mit Magdeburg wurde er 2001 deutscher Meister und gewann 2002 die Champions League.

Eine Ära endet

Der übergangsweise noch amtierende HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett lobte Gaudin als einen Trainer, der "noch sehr hungrig ist. Ich bin überzeugt davon, dass er aus unseren neuen, jungen Spielern und den erfahrenen Profis eine erfolgreiche Einheit formen kann."

Die Verpflichtung des 247-maligen Nationalspielers bedeutet an der Elbe aber auch das Ende einer Ära. Denn keiner prägte den HSV seit dem Bundesliga-Einzug 2002 so wie der beurlaubte Coach Martin Schwalb.

Schwalb war mit einer kurzen Unterbrechung seit 2005 Trainer der Hanseaten. Kurz nach der beschlossenen Trennung hatte Schwalb vergangene Woche einen Herzinfarkt erlitten.

Wie der HSV am Donnerstag mitteilte, hat Schwalb die das Hamburger Krankenhaus, in dem er behandelt worden war, wieder verlassen. "Ich werde nun in den nächsten Tagen mit meiner mehrwöchigen Reha beginnen. Für mich ist jetzt Ruhe und Genesung das wichtigste", wird er zitiert.

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Beispielloser Kampf um Existenz

Unter Schwalb gewann der Klub unter anderem die deutsche Meisterschaft (2011) und im vergangenen Jahr die Champions League.

Sportlicher Misserfolg, Führungs-Krise, Finanz-Chaos: Nach Jahren des Erfolgs erlebte Schwalb zuletzt aber auch die Schattenseiten des Profihandballs in Hamburg.

Dem Rücktritt des langjährigen Vereinspräsidenten und Mäzens Andreas Rudolph Anfang Mai folgte ein beispielloser Kampf um die Existenz, an dessen Ende der HSV erst in dritter und letzter Instanz vor gut zwei Wochen noch die Spielgenehmigung für die kommende Saison erhielt.

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Prominente Abgänge

Unmittelbar vor seinem Herzinfarkt hatte Schwalb, der in Hamburg noch einen Kontrakt bis 2015 besitzt, mit dem Verein über eine Auflösung seines Vertrags verhandelt.

Die Trennung vom einstigen Erfolgscoach ist beschlossene Sache. Die Aufgabe für Nachfolger Gaudin wird nicht einfach. Fans, Umfeld und Vereinsführung lechzen zwar nach neuen Erfolgen, doch der dafür notwendige Kader steht wenige Wochen vor dem Saisonstart noch lange nicht.

Den prominenten Abgängen von Stars wie Domagoj Duvnjak und Joan Canellas (beide THW Kiel) oder Blazenko Lackovic (Vardar Skopje) stehen keine namhaften Verstärkungen gegenüber. Auf Gaudin wartet eine Menge Arbeit.

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