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Wollen mit dem THW Kiel das Triple: Stefan Lövgren (l.) und Filip Jicha (r.) © imago

Der erste Meisterschafts-Matchball ist vergeben - bei Sport1.de liefern Kiels Filip Jicha und Kapitän Lövgren Erklärungen.

Von Sebastian Hrabak

München - Überraschend aber dennoch nicht unverdient hatte der THW Kiel am Sonntag den ersten Matchball (Kiel steht kurz vor dem Titel) zur vorzeitigen deutschen Meisterschaft vergeben.

27:34 hieß es im ersten Auswärtsspiel beim TBV Lemgo (Lemgo verdirbt Kiel vorerst die Meisterfeier).

Zum Meisterstück, dem fünften in Folge, könnte nun aber ausgerechnet der große Nordrivale SG Flensburg-Handewitt verhelfen.

Ein Punkt der SG beim Tabellenzweiten und ärgsten Kieler Rivalen HSV Hamburg (ab 20 15 Uhr LIVESCORES) würde dem Seriensieger schon reichen, um den Triumph perfekt zu machen.

"Natürlich betreffen Vorwürfe die Mannschaft"

Bei den Kielern räumt man derweil ein, dass das Dauerthema Manipulationsaffäre (Ermittlungen gegen Kiel ausgeweitet) womöglich doch ein wenig die Köpfe blockiert.

"Natürlich berühren diese ständigen Vorwürfe auch die Mannschaft", sagt bei Sport1.de Stefan Lövgren. Der THW-Kapitän fügt im Rückblick auf den völlig verunsicherten Auftrittt in Lemgo aber sogleich an, dass dies "nicht als Ausrede für die Niederlage gelten dürfte."

Denn: "Der THW Kiel wird schließlich seit Wochen und Monaten mit Gerüchten dieser Art konfrontiert. In dieser Zeit trafen wir auch auf erstklassige Gegner, gegen die wir gewonnen haben."

Ein Kopfproblem

Und trotzdem meint der Schwede: "Wir waren einfach nicht mit dem Kopf bei der Sache. Wir wollten nicht an unsere Schmerzgrenze gehen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und weiter: "Ich weiß nicht, ob wir im Hinterkopf einen Gang in der Liga rausgenommen haben. So etwas passiert vielleicht unterbewusst. Man kann nur eines feststellen: Unsere Leistung war nicht gut."

Rückraumspieler Filip Jicha behauptet gegenüber Sport1.de dagegen, dass ihn die Vorwürfe keineswegs beeinflussen: "Es wäre wichtiger, wenn die Personen, die ständig neue Gerüchte in den Raum werfen, endlich verstummen." (THW-Vorwürfe: Nielsen legt nach)

Kein Druck mehr in der Liga?

Der 27-Jährige ist "davon überzeugt, dass der Handballsport diese Situation überlebt."

Ob die Kieler Mannschaft dennoch dazu verleitet ist, in der Liga nicht mehr vollen Einsatz zu geben? (Kiel auf dem Weg zum Titel und Rekord)

Auch das verneint Jicha, der in Lemgo nach einem Zusammenprall mit Holger Glandorf ein Schleudertrauma erlitt: "Natürlich nehmen wir die Liga noch ernst. Und wir können ja allein dadurch Meister werden, wenn der HSV in Flensburg verliert."

Locker und leicht zum Triple

So oder so: Für die letzten 40 Tage der Saison wollen sich die Kieler nicht unter Druck setzen lassen.

Spätestens am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVESCORES) zu Hause gegen die HSG Wetzlar jedoch soll die Meisterschaft feststehen, soll die erste Saisonpleite des vergangenen Wochenendes vergessen sein.

"Die heimische Kulisse mit unseren Fans im Rücken wird zusätzliche Kräfte freisetzen", ist sich Jicha sicher.

Dennoch: "Wir jagen keinen Rekord. Ob wir mit mehr als 62 Punkten die Saison beenden, ob wir Champions-League-Sieger werden und den Pokal gewinnen - darüber sprechen wir überhaupt nicht", meint Jicha. "Wir lassen uns davon überraschen, was am Ende der Saison dabei herauskommt."

Palicka droht Karriereende

Und Lövgren findet: "Ein Rekord ist zwar irgendwie ein Beweis dafür, etwas Außergewöhnliches vollbracht zu haben. Aber die Saison ist so gut gelaufen, dass man da nicht explizit nachdenkt. Viel wichtiger ist es, die Saison jetzt konzentriert mit gutem Handball zu Ende zu spielen."

Zumal beim THW, dem noch schwere Aufgaben in Champions League und im DHB-Pokal bevorstehen, Schlüsselspieler wie nicht zuletzt im rechten Rückraum Kim Andersson (Mittelhandbruch) ausfallen.

Nun droht Torhüter Andreas Palicka auch noch das Karriereende. (zum Artikel: Karriere-Ende für Palicka?) Star-Keeper Thierry Omeyer wiederum hatte sich in Lemgo nach einer Auseinandersetzung mit Vignir Svavasson Rot eingehandelt.

A-Jugendtorhüter gefordert

Weshalb bis Saisonende auch der 17 Jahre alte A-Jugendtorhüter Morten Michelsen gefordert sein dürfte.

"Es liegen anstrengende Tage vor uns", bekennt Jicha. "Aber ich hoffe, dass wir am 6. Juni einiges zu feiern haben."

Und dass spätestens dann auch die Manipulationsaffäre endlich vom Tisch ist.

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