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Stefan Lövgren spielt seit 1999 beim THW. Für den Schweden ist es der siebte Meistertitel © getty

Der 15. Titelgewinn ist für den THW etwas Besonderes, aber für den Kapitän nicht genug. Christian Zeitz vermisst die Würdigung.

München - Mit einem standesgemäßen Sieg hat der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel seinen 15. Titel gefeiert.

Gegen die HSG Wetzlar siegten die Kieler ungefährdet 36:28. Schon am Dienstagabend standen die Norddeutschen als neuer und alter Meister fest, nachdem die SG Flensburg-Handewitt den ärgsten Kieler Verfolger HSV Hamburg 32:28 bezwungen hatte.

Ungeachtet der dunklen Schatten der Kieler Manipulationsaffäre sicherte sich der THW die Schale so früh wie nie und als erster Verein zum fünften Mal in Folge. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das Triple ist möglich"

"Zu Hause auf dem Sofa Meister zu werden, ist mal etwas Besonderes. Dennoch war die Art und Weise dieses Titelgewinns schon beeindruckend", sagte THW-Kapitän Stefan Lövgren.

Die große Sause auf dem Kieler Rathausplatz ist für den 6. Juni geplant. Bis dahin sollen auch der sechste Pokalsieg und der zweite Gewinn der Champions League nach 2007 perfekt gemacht werden.

"Das Triple ist wieder möglich", meinte Lövgren.

Rudolph fordert Bestrafung

Doch der erste Dreifach-Triumph vor zwei Jahren steht auch für die Betrugsvorwürfe gegen den Rekordmeister. So sprach HSV-Präsident Andreas Rudolph den Kielern zwar einerseits seine Glückwünsche zur Meisterschaft aus ("Diesen Titel haben sie mehr als verdient"), forderte aber zugleich eine Bestrafung des Rivalen.

"Wenn sich herausstellen sollte, dass an der Manipulationsaffäre wirklich etwas dran ist, bin ich der Meinung, dass der THW weder in Europa noch in Deutschland straffrei davonkommen kann", sagte Rudolph der "Sport Bild".

SG als Meistermacher

Hamburgs Trainer Martin Schwalb erkannte die sportliche Übermacht des Konkurrenten neidlos an.

"Der THW ist ein absolut verdienter deutscher Meister. Alfred Gislason und die Mannschaft haben die gesamte Saison auf einem unheimlich hohen Niveau gespielt", sagte er nach der Niederlage in Flensburg.

Auch die SG, die sich als unterlegener Champions-League-Finalist von 2007 Schadensersatzforderungen gegen Kiel vorbehält, zeigte keine Spur von Missgunst:

"Es ist doch schön, dass wir mal den Meistermacher geben durften", meinte Manager Fynn Holpert.

Titel als Genugtuung

Für THW-Coach Alfred Gislason war der erste Titel mit den Kielern angesichts der schwierigen vergangenen Wochen eine besondere Genugtuung.

"Ich freue mich sehr über diese Meisterschaft, denn es ist wichtig, dass die Erfolgsgeschichte des THW auch unter mir fortgestzt wird", sagte der Isländer, der in dieser Saison das schwere Erbe des ebenfalls unter Manipulationsverdacht stehenden Kieler Meistertrainers Noka Serdarusic angetreten hatte.

"Leistung kommt nicht zur Geltung"

Den Meistertitel schon nach 29 Bundesligaspielen unter Dach und Fach zu haben, war dem THW unter Serdarusic nie gelungen. Einen noch früheren Titelgewinn hatten die Kieler am Sonntag durch die erste Saisonniederlage beim TBV Lemgo (27:34) vergeben. (Lemgo verdirbt Kiel vorerst die Meisterfeier)

"In diesem Jahr haben wir auch davon profitiert, dass Flensburg, Lemgo und Hamburg nicht so stark waren", sagte Kiels Welthandballer Nikola Karabatic.

Dass die Freude über eine sportlich glänzende Saison für die Spieler dennoch getrübt ist, verdeutlichte Nationalspieler Christian Zeitz: "Es ist schade, dass unsere Leistung so wenig zur Geltung kommt und nur über die Bestechungsvorwürfe gesprochen wird."

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