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Kreisläufer Bertrand Gille, seit 2002 beim HSV, kam gegen Ciudad Real auf fünf Tore © imago

HSV-Präsident Rudolph beklagt den Stillstand in Hamburg und eine wachsende Kluft zu den Kielern. Er bemängelt das Kuschelklima.

Von Michael Spandern

München - Schwere Tage für den HSV: Zunächst fiel der Bundesliga-Zweite durch zwei Pleiten auf den dritten Platz zurück und muss wieder um die Champions-League-Quali zittern. (Kopf-an-Kopf-Rennen um Champions-League-Plätze)

Dann kassierten die Hamburger im Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse eine 29:30-Heimschlappe gegen Ciudad Real und ist dadurch im Rückspiel in Spanien (So., 19 Uhr LIVESCORES) krasser Außenseiter.

Nun legt HSV-Präsident Andreas Rudolph den Finger in die Wunden und zieht die sportliche Entwicklung in Zweifel: "Die Mannschaft stagniert", sagte der 54-Jährige dem "Hamburger Abendblatt".

"Wir lassen den Gegner lieber leben"

Zwar seien die Hanseaten nominell mindestens so gut aufgestellt wie der alte und neue Deutsche Meister THW Kiel, doch in den Ergebnissen reiße eine Kluft auf.

Zwölf Minuspunkte trennen die beiden Spitzenteams - doch Rudolph stellt eine noch längerfristige Rechnung an: Seit der THW 2007 nur aufgrund der besseren Tordifferenz Hamburg den Titel wegschnappte, haben die Zebras 19 Minuspunkte weniger eingespielt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und der Klubboss liefert auch eine Begründung mit: "Uns fehlt diese positive Arroganz des THW, dieser bedingungslose Vernichtungswillen. Wir lassen den Gegner lieber leben."

Unterstützung für Schwalb?

Auch innerhalb des Teams werde der soziale Gedanke übermäßig ausgelebt: Aus Respekt voreinander wolle "oft niemand dem anderen den Wurf wegnehmen", kritisiert er das Kuschelklima. "Bei uns herrscht zu oft eine Art Wohlfühlstimmung".

Dagegen fehle einer, der provoziere und Spannungen ins Team brächte.

Andererseits aber seien die "hochanständigen Jungs" durchaus bereit, sich für den HSV zu zerreißen. Auch der Trainer Martin Schwalb mache seinen Job gut. Allerdings müsse auch er einiges besser machen: "Ob wir ihm dabei helfen können, darüber reden wir im Moment."

Glaube an das Auswärtswunder

Eine Saison wie diese, wo Kiel bereits fünf Spieltage vor Schluss als Meister feststeht, könne sich der HSV nicht noch einmal leisten.

Nicht nur "der gerade gewonnene Kredit beim Publikum" stehe auf dem Spiel: "Wir brauchen Ticketeinnahmen von 2,5 bis drei Millionen Euro, dazu Sponsorengelder in ähnlicher Höhe, um unseren Etat solide zu finanzieren", sagt Rudolph. "Daher müssen wir in der nächsten Spielzeit bis zum letzten Tag um die Meisterschaft spielen und in der Champions League möglichst bis ins Finale kommen."

Das diesjährige Endspiel in der Königsklasse hat er allerdings noch nicht abgeschrieben. (HSV gibt sich Außenseiterchance) Er sehe die Hamburger auf Augenhöhe mit Ciudad Real. Sein mutiger Tipp fürs Rückspiel: "Wir gewinnen bei Ciudad Real mit vier Toren Unterschied!"

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