Dem ehemaligen Manager des SC Magdeburg, Bernd-Uwe Hildebrandt, droht erneut juristischer Ärger. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg will gegen den 2007 zurückgetretenenen Funktionär, der bis 2007 auch Chef der Handball-Bundesliga (HBL) war, im Dezember Anklage wegen Steuerhinterziehung erheben. Einen entsprechenden Bericht der Magdeburger Volksstimme bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Demnach soll Hildebrandt, in dessen Amtszeit der SCM 2002 als erster deutscher Verein die Champions League gewann, insgesamt 800.000 Euro am Fiskus vorbeigeschleust haben. Das Geld habe er, so die Staatsanwaltschaft, "nicht in die eigene Tasche gesteckt", sondern für den Klub verwendet.

Die Anschuldigungen sollen auch die WM 2007 in Deutschland betreffen. Dort soll nur ein Teil der Erlöse aus den verkauften Eintrittskarten ordnungsgemäß bei der Steuer angegeben worden sein.

"Wir haben während des Ermittlungsverfahrens genügend Beweisanträge gestellt. Nach meinem Kenntnisstand ist nicht jedem nachgekommen worden", sagte Hildebrandts Anwalt H.-Peter Günther: "Es gibt noch viele offene Punkte, die im Zwischenverfahren dann erörtert werden."

Nach Aussage Günthers habe der Fiskus eine Steuerschuld der Magdeburger Handballer festgestellt, diese aber dann erlassen. "Nach meinem Kenntnisstand ist das nur möglich, wenn den Verantwortlichen kein deliktisches Verhalten vorzuwerfen ist. Das steht im Widerspruch zur Anklage", sagte Günther: "Staatsanwaltschaft und Finanzamt gehen offenbar unterschiedliche Wege. Das ist nicht nachvollziehbar."

Der Anwalt widersprach auch dem Vorwurf, dass zusätzliche Tickets am Fiskus vorbei verkauft worden seien. "Wir haben darauf hingewiesen, dass die Schätzung des Finanzamtes auf einer ausverkauften Halle von 7800 Zuschauern basiert. Die Ermittlung dieser Plätze ist nebulös und spekulativ", betonte Günther. Die Schätzungen sollen bei ausverkauftem Haus 600 bis 700 Zuschauer zu hoch sein.

Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft zehn Ermittlungsverfahren gegen Hildebrandt eingeleitet. Wegen Bestechlichkeit wurde er 2008 zu einer Geldstrafe von 3000 Euro, wegen Untreue und Betrugs zu 7000 Euro verurteilt. Beide Strafen sind mittlerweile rechtskräftig. Sieben weitere Verfahren wurden eingestellt.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen 2006 durch ein zehnseitiges Schreiben, das anonym an die Magdeburger Staatskanzlei geschickt worden war. Seitdem laufen die Ermittlungen gegen Hildebrandt.

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