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Jicha erzielte für die tschechische Nationalmannschaft 418 Tore in 86 Spielen © imago

Vor dem Final-Rückspiel spricht Filip Jicha im Sport1.de-Interview über die Titelchancen des THW und die große Stärke des Gegners.

Von Nikolai Kube

München/Kiel - Der THW Kiel geht mit einem Fünf-Tore-Polster in das zweite Spiel um den Champions-League-Titel gegen Ciudad Real.

Filip Jicha war mit neun Treffern einmal mehr entscheidend am 39:34 (18:12)-Sieg im Hinspiel beteiligt und führt nun mit 98 Toren die Torschützenliste der Champions League an.

Der 27-jährige Tscheche erwartet für das Rückspiel (So., ab 21 Uhr LIVESCORES) in der Quijote Arena eine "heiße Stimmung", blickt dem aber gelassen entgegen.

Dennoch weiß er den Gegner aufgrund des ausgeglichenen Kaders nicht zu unterschätzen. Letzte Saison habe man schon einmal eine Hand an der Trophäe gehabt, sich diese aber doch noch entreißen lassen.

Im Interview mit Sport1.de blickt Filip Jicha auf das Hinspiel zurück, spricht über die Stärken des Final-Gegners und den Abgang von Nikola Karabatic.

Sport1.de: Herr Jicha, Haben Sie sich vom Hinspiel gegen Ciudad Real (Gutes Polster dank starkem Endspurt) gut erholt? Es ging ja ordentlich zur Sache?

Filip Jicha: Ja, mittlerweile sind wir alle wieder fit und wir bereiten uns auf das wichtigste Spiel des Jahres vor. Da müssen wir alle hellwach sein.

Sport1.de: Die Spanier regten sich über die Schiedsrichter auf - wie fanden Sie deren Leistung?

Jicha: Die Schiedsrichter haben uns auf keinen Fall bevorzugt. Ich persönlich versuche mich immer auf meine eigene Leistung zu konzentrieren. Am Anfang des Spiels wurden mir auch Schritte gepfiffen, aber ich bin einfach zurückgelaufen und habe weitergespielt - ohne mich zu beschweren. Aber die Spanier haben da eine ganz andere Mentalität. Wahrscheinlich wollten sie durch ihre Beschwerden unseren Spielfluss zerstören, was ihnen auch gelungen ist.

Sport1.de: Wie bewerten Sie die Ausgangsposition vor dem Rückspiel? Wie stehen die Chancen auf den Triumph?

Jicha: Die Chancen stehen immer noch 50:50 (Kiels trügerisches Polster auf dem Weg zum Triple). Bei dem hohen Tempo, das Real Ciudad und wir gehen können, sind fünf Tore ganz schnell wettgemacht. Wir haben zwar großen Respekt vor Ciudad, aber wir werden versuchen, unser Spiel dort durchzubringen. Wir wollen in Ciudad gewinnen. Aber es wartet noch viel Arbeit auf uns.

Sport1.de: In der Torschützenliste der Champions League sind Sie mit 98 Toren ganz vorne zu finden. Denken Sie darüber nach, freut Sie das? (DATENCENTER: Die Champions League)

Jicha: Ich freue mich natürlich, dass ich der Mannschaft auf dem Weg ins Endspiel mit meinen Tore helfen konnte. Aber für mich steht ganz klar das Team im Mittelpunkt. Ich würde den Torschützenpokal jederzeit gegen den Champions-League-Titel eintauschen. Wenn meine Leistung allerdings dazu beiträgt, dass wir den Titel holen, bin ich natürlich auch zufrieden.

Sport1.de: Zu Ihrem Gegner: Was ist die größte Stärke von Ciudad Real?

Jicha: Sie haben einen unglaublich ausgeglichenen Kader. Das ist ihre größte Stärke. Verletzt sich einer, können sie ihn fast gleichwertig ersetzen. Außerdem haben sie große taktische Qualitäten, im Angriff wie in der Verteidigung. Unsere Hauptaufgabe wird es sein, gut zu verteidigen, und in der Offensive gegen die großen Spieler, die aber trotzdem sehr beweglich sind, zu guten Würfen zu kommen. Wir müssen hellwach und konzentriert sein.

Sport1.de: Fürchten Sie eine eine feindliche Atmosphäre in der Quijote Arena?

Jicha: Es wird bestimmt eine heiße Stimmung herrschen. Die Spanier sind einfach impulsiver als die Deutschen. Aber das soll auch so sein, es geht um alles. Alles andere wäre schade. Unsere Fans haben in Kiel schon eine unglaubliche Stimmung gemacht, jetzt sind die Spanier dran. Aber wir sind das alle gewöhnt.

Sport1.de: Alles rechnet mit dem Abgang von Nikola Karabatic. Wie sehen Sie die Diskussionen?

Jicha: Wenn das zustande kommen sollte, wäre das natürlich sehr schade für uns. Aber ich respektiere seine Entscheidung. Wir sind alles Sportsmänner, und auch ich habe mich 2007 für den THW Kiel und gegen Lemgo entschieden. Ich spiele allerdings sehr gerne mit Nikola zusammen, denn er ist ein guter Mitspieler und ein toller Typ. Er würde dem Verein sehr fehlen. Ich konzentriere mich jedoch jetzt auf das Spiel, und Nikola tut das auch. Er ist im Training voll bei der Sache und will genau wie ich den Titel nach Kiel holen.

Sport1.de: Für Sie geht eine erfolgreiche Saison zu Ende - sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung in Kiel zufrieden?

Jicha: Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich konnte in Kiel die ganze Saison ohne eine Verletzung spielen, und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Denn nur so kann man sich auf den Handball konzentrieren. Meine Entwicklung ist allerdings noch nicht zu Ende. Ich werde mich weiter verbessern, und ich hoffe dass ich meinen Vertrag beim THW (bis 2011, Anm. d. Red.) erfüllen werde.

Sport1.de: Die Saison war lang und hart, freuen Sie sich auf den Urlaub?

Jicha: Oh ja, leider wird der Urlaub dieses Jahr eher etwas kürzer ausfallen. Aber diese paar Wochen werde ich genießen und ganz vom Sport abschalten. Ich werde mich von meinen Eltern verwöhnen lassen. Da ich im Sommer Nachwuchs bekomme, werde ich die Zeit ohne Geschrei noch genießen (lacht).

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