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Siarhei Rutenka kam 2005 aus Celje zu Ciudad Real © getty

Der Triple-Traum verwandelt sich für Kiel in der "Hölle" von Ciudad Real zum Albtraum. Für Stirnrunzeln sorgen die Schiedsrichter.

Ciudad Real - In den letzten zehn Minuten in der "Hölle" von Ciudad Real verwandelte sich der Traum vom Triple für die Handballer des THW Kiel in einen Albtraum.

50 Minuten lang hatten die Kieler den Pokal zum Greifen nahe gehabt, bevor sich der deutsche Rekordmeister am Ende dem spanischen Titelverteidiger im Finale der Champions League wie im Vorjahr geschlagen geben musste.

27:33 (14:13) endete das Rückspiel in Spanien - nach dem 39:34 im Hinspiel der Vorwoche in Kiel war der Rückstand zwei Tore zu groß (SPIELBERICHT: Kiel verspielt totalen Triumph) .

THW-Trainer Alfred Gislason sah eine Duplizität der Ereignisse des Hinspiels unter umgekehrten Vorzeichen.

"Da haben wir uns abgesetzt und etwas glücklich mit fünf Toren gewonnen. Heute war das Glück auf Ciudads Seite", sagte der 49-Jährige, der sein Team in Schutz nahm: "Es ist eine Enttäuschung, aber kein Versagen."

Bitterer Abschied für "Löwe"

Völlig erschöpft und mit versteinerten Mienen nahmen die Spieler des THW nach der Partie ihre Medaillen entgegen und verschwanden in der Kabine (DATENCENTER: Die Champions League).

Die Trophäe, die nach einer von Manipulationsgerüchten überschatteten Saison das sportlich versöhnliche Ende für den Verein bringen sollte, durften die "Zebras" nur aus der Ferne betrachten. Ein bitterer Moment, vor allem für Kapitän Stefan Lövgren.

Der 38-jährige Schwede, der nach der Saison und zehn Jahren beim THW seine Karriere beendet, wollte mit dem erneuten Gewinn der Champions League mit den Kielern nach 2007 einen glänzenden Schlusspunkt unter seine Laufbahn setzen.

Ciudad Real wie im Rausch

"Wir haben Ciudad durch unsere Fehler in der Schlussphase stark gemacht", schilderte der traurige Routinier die Momente, als den Kielern, die bis zur 45. Spielminute nie zurückgelegen hatten, die Partie entglitt (Filip Jicha im Sport1.de-Interview).

Nach dem Ausgleich zum 20:20 kochte die Quijote-Arena, die 5800 tobenden Zuschauer trugen die Spanier zu einer Ausbeute von 10:3 Toren binnen elf Minuten.

Diesem Schlussspurt hatten die Kieler nichts mehr entgegenzusetzen .

Auch der beste Kieler des Tages, Torhüter Thierry Omeyer, fand in der Endphase nicht mehr zu der überragenden Form, mit der er dem THW in der ersten Halbzeit mit 16 Paraden den nötigen Rückhalt verschafft hatte.

Tränen bei Stefansson

Wie sein Landsmann Gislason befand Olafur Stefansson nach der Partie, das Publikum habe zwei Weltklassemannschaften gesehen, die beide den Sieg verdient hätten.

Der Isländer von Ciudad Real, der 2002 unter Gislason beim SC Magdeburg die Champions League gewonnen hatte und in der kommenden Saison bei den Rhein-Neckar Löwen spielt, konnte den Sieg auf Kosten seines Freundes nicht vollends genießen.

Unter Tränen sagte der 35-Jährige: "Es ist schön, dass wir gewonnen haben, aber ich kann den Schmerz nachempfinden, den mein Freund Alfred Gislason jetzt spürt."

Witte: Ansetzung "unmöglich"

Auch wenn die Kieler die Schuld für die Niederlage nicht bei den Unparteiischen suchten, sorgte die Ansetzung der Schiedsrichter für Unverständnis.

Das serbische Duo Slobodan Visekruna und Zoran Stanojevic hatte bereits das Halbfinale der Kieler bei den Rhein-Neckar Löwen geleitet.

Reiner Witte, Präsident der Handball-Bundesliga, nannte diese Ansetzung "unmöglich".

Unregelmäßigkeit bei Schiedsrichter-Anreise?

Nach Informationen der "Kieler Nachrichten" soll es außerdem zu einer Unregelmäßigkeit bei der Anreise der Schiedsrichter gekommen sein.

Bei der Abholung am Samstag, die nur von Beauftragen des europäischen Verbandes EHF durchgeführt werden darf, soll ein Schiedsrichterbetreuer von Ciudad Real anwesend gewesen sein.

Laut Regularien werden die Vereine aber erst zwei Stunden vor Spielbeginn darüber informiert, welche Schiedsrichter angesetzt sind.

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