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Stark gespielt, am Ende aber ein wenig tragisch: Löwe Karol Bielecki © getty

Der Last-Minute-Punktverlust der Löwen in der Champions League ist symptomatisch für eine Saison mit zu viel Schlendrian.

Von Matthias Fiedler und Christian Paschwitz

Den Rhein-Neckar Löwen scheint irgendwo der Biss abhanden gekommen zu sein:

Das magere 29:29 (17:15) in der Champions League gegen KS Vive Tragi Kielce zeigte einmal mehr auf, dass die Saison zusehends zu einer holprigen Spielzeit mutiert.

Dabei war der Sieg gegen den polnischen Meister in der Königsklasse schon zum Greifen nahe.

Doch drei Sekunden vor Schluss kassierten die Badener durch Tomasz Rosinski noch den Ausgleich. Doppelt bitter: Im Angriff zuvor hatte der bis dato mit zehn Toren überragende Karol Bielecki einen Tick zu früh abgeschlossen - und damit den Erfolg leichtfertig aus den Händen gleiten lassen.

"Wir sind einfach zu bequem"

An dem gebürtigen Polen hatte es allerdings nicht gelegen, dass der letztjährige Champions-League-Halbfinalist nur zu einem wenig zufriedenstellenden Remis kam - und bisweilen mit seinen eigentlichen Qualitäten hinterm Berg hält.

"Wir waren in manchen Situationen einfach zu bequem und haben es verpasst, uns entscheidend abzusetzen", resümierte Trainer Ola Lindgren nach der Partie enttäuscht und fügte hinzu: "Immer, wenn wir mit vier Toren vorne lagen, haben wir dumme Zeitstrafen kassiert und die Polen dadurch wieder ins Spiel gebracht."

Linksaußen Uwe Gensheimer wiederum meinte: "Wir sind einfach zu fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen."

Schon im Pokal viel Sand im Getriebe

Zusammenfassend ließe sich auch sagen: Bei den Löwen fehlt es im Moment an Cleverness und Konstanz - der Schlendrian schleicht sich immer wieder ein.

So schrammten die Löwen kürzlich in der zweiten Runde des DHB-Pokals nur haarscharf an einer Blamage vorbei: Nach einem Neun-Tore-Rückstand gegen Zweitligist TV Bittenfeld gelang erst in der Verlängerung der erlösende Treffer zum 33:32-Sieg.

Ein eher peinlicher Auftritt für den Pokal-Halbfinalisten der Vorsaison. Dabei sieht es in der Bundesliga gar nicht so schlecht aus.

Immer wieder Nachlässigkeiten

Nur zwei Niederlagen gegen den THW Kiel und den HSV Hamburg ? Tabellenplatz sechs. Doch trotzdem lassen sich die Löwen immer wieder zu Nachlässigkeiten hinreißen.

So auch gegen Kielce: Lindgrens Schützlinge hatten seit der zwölften Minute ständig die Führung, konnten sich aber nie entscheidend absetzen.

Folge: Die körperlich robusten und kampfstarken Gäste witterten ihre Chance und blieben dran ? mit Erfolg. Das nicht unverdiente Unentschieden der Polen fühlte sich für die Löwen am Ende wie eine Niederlage an.

Aber noch alles drin

Das Achtelfinale der Champions League ist trotzdem machbar für den Tabellenführenden der Gruppe B. (3:1 Punkte).

Im nächsten Auftritt bei HC Bosna Visoko (18. Oktober, 15.30 Uhr LIVESCORES) könnte es aber erneut holpern. Lindgren meint fast schon trotzig: "Wir werden uns den Punkt wieder zurückholen."

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