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Gunnar Prokop trainierte seit 1977 bei Hypo Niederösterreich © imago

Der Niederösterreich-Coach will den Vorfall mit einem Psychologen aufarbeiten. Der Gegner fordert eine lebenslange Sperre.

München - Handball-Trainer Gunnar Prokop ist nach seinem Skandal-Foul in der Champions League der Frauen als Coach von Hypo Niederösterreich zurückgetreten.

"Ich habe mein Traineramt bereits zurückgelegt und werde versuchen, diese Situation mit einem Psychologen aufzuarbeiten", teilte Prokop auf der Internetseite des Vereins mit.

Prokop war in der vergangenen Woche im Spiel gegen Metz beim Stand von 27:27 zehn Sekunden vor Schluss aufs Spielfeld gestürmt, um einen Gegenstoß der Französinnen mit vollem Körpereinsatz zu stoppen, und foulte dabei die Metzer Spielerin Svetlana Ognjenovic.

Prokop wurde per Roter Karte umgehend des Feldes verwiesen.

Nun schrieb der 69-Jährige von einer "unentschuldbaren Fehlreaktion" und "unverzeihlichen Situation".

EHF suspendiert Prokop

Der Europäische Handball-Verband suspendierte Prokop inwzischen von seinen Ämtern innerhalb der EHF.

Prokop darf damit vorerst nicht mehr als Vorsitzender des "Women's Club Committee" fungieren.

Die Sperre bleibt bis zu einem endgültigen Urteil des EHF-Schiedsgerichts im Fall Prokop bestehen. Dem Österreicher drohen eine Sperre und Geldstrafe.

Nicht nachvollziehbar

Prokop bezeichnete seine Aktion unterdessen als Kurzschlusshandlung in einem emotional aufgebrachten Moment:

"Möglicherweise lässt sich diese Reaktion psychologisch begründen, mir selbst fehlt - aus heutiger, distanzierter Sicht - jede Nachvollziehbarkeit."

Es sei eine Kurzschlusshandlung in einem emotional aufgebrachten Moment gewesen. "Es tut mir mehr als leid."

Lachend das Spielfeld verlassen

Zu allem Überfluss hatte Prokop die Stätte des Skandals mit breitem Grinsen im Gesicht verlassen.

"Das so genannte Lachen im Nachhinein war offensichtlich das verlegene Lächeln des sich seiner Schuld bewussten Missetäters, der selbst keine Begründung seines Fehlverhaltens geben kann", versuchte Prokop sich nun an einer Erklärung.

Gegner fordern lebenslänglich

Sein Ziel hatte der Coach, der in der Vergangenheit schon mehrfach unangenehm aufgefallen ist, in jedem Fall erreicht: Das Spiel endete Unentschieden. "Ehe ich das Spiel verliere, muss ich die Rote Karte riskieren. Taktisch war es völlig richtig, es bestand keine Verletzungsgefahr", hatte Prokop unmittelbar nach Spielschluss gesagt.

Sportdirektor Jan Hansen, mit den Däninnen von Aalborg DH ebenfalls Gruppengegner von Niederösterreich, sah das etwas anders: "Es ist an der Zeit, dass er mal länger gesperrt wird. Er hat genug für lebenslänglich beisammen."

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