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Schwalb (l.) und Dujshebaev standen sich bereits als Spieler auf dem Feld gegenüber © imago

Beim Champions-League-Kracher zwischen Ciudad Real und dem HSV bekommen sich die Trainer Dujshebaev und Schwalb in die Haare.

Von Rainer Nachtwey

München/Hamburg - Heiner Brands Fastausraster gegenüber den Schiedsrichtern nach dem WM-Spiel gegen Norwegen haben die Handball-Fans noch in bester Erinnerung.

Der Bundestrainer läuft nach dem Schlusspfiff mit der Faust drohend hinter den Unparteiischen her.

Man nimmt ihm ab, dass er jeden Moment zuschlägt. Am Ende tat es der 57-Jährige dann doch nicht. Die Vernunft siegte.

Am Sonntag bei der Champions-League-Partie zwischen BM Ciudad Real und dem HSV Hamburg (30:28) siegte nicht die Willenskraft, diesmal war absolute Muskelkraft von Nöten, um Ciudad-Coach Talant Dujshebaev davon abzubringen, seinen Gegenüber Martin Schwalb tätlich anzugreifen. (DATENCENTER: Gruppe C)

Co-Trainer hält Dujshebaev zurück

Einzig dem Eingreifen von Co-Trainer Lozano war es zu verdanken, dass der gebürtige Kirgise seine Worte nicht in die Tat umsetzte.

"Du Arschloch! Ich schlage dich!", brüllte Dujshebaev Schwalb ins Gesicht und wollte auf ihn losstürmen.

"Ich habe Respekt vor anderen Trainern"

Auslöser des Streits war nach Dujshebaevs Angaben eine Äußerung Schwalbs. In der 38. Minute beschwerte sich der HSV-Trainer wieder einmal über die schlechte Leistung der weißrussischen Schiedsrichter.

Als Dujshebaev hinzukam, "hat er zu mir gesagt: 'Geh weg! Ich will nicht mit dir sprechen'. So etwas würde ich nie machen. Ich habe Respekt vor anderen Trainern", führte Dujshebaev aus.

Schwalb bestreitet Aussage

Dass der einstige Welthandballer den Respekt vor Schwalb verloren hat, bemerkte auch HSV-Spieler Guillaume Gille. Der Franzose ermahnte Dujshebaev nach der Partie: "Ich habe genau gehört, was du gesagt hast. Auch du darfst den Respekt nicht verlieren."

Schwalb bestreitet übrigens, Dujshebaev mit der Aussage aufgestachelt zu haben.

Versöhnung nicht in Sicht

Dass sich Schwalb und der Ciudad-Trainer sich nicht riechen können, ist keine Neuigkeit. Und dass es zu einer Aussöhnung zwischen den beiden kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. "Er hat eine Grenze überschritten", sagte Schwalb in der "Mopo".

Auf der Pressekonferenz würdigten sich beide Trainer keines Blickes die Spitzen gingen weiter und Schwalb verweigerte auf Nachfrage eines spanischen Journalisten dem Gewinner den Handschlag.

"Ich sehe keine Veranlassung dafür", antwortete er.

Giftpfeile auf der PK

Da Dujshebaevs Antworten in Spanisch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, könne er gar nicht wissen, was sein Kollege gesagt habe.

"Wenn ich in Deutschland bin, gibt es auch keinen Dolmetscher, der ins Spanische übersetzt. Ich spreche da auch deutsch", giftete Dushjebaev zurück.

Noch nie so beleidigt worden

Der Eklat um Dujshebaev und Schwalb war nicht der einzige Aufreger in der Quijote Arena.

HSV-Sportchef Christian Fitzek meckerte im "Hamburger Abendblatt": "Noch nie, seit ich im Handballgeschäft bin, bin ich so beleidigt und beschimpft worden wie in diesem Spiel. Es war teilweise obszön."

Und Keeper Jogi Bitter ließ seinen Frust über die Ciudad-Verantwortlichen aus, die seinen Torraum nicht von Konfettis befreien wollten. "Die Dinger blieben immer am Ball kleben. So konnten wir nach Toren keine schnellen Gegenstöße einleiten", sagte er in der "Mopo".

Bierbecherwerfen gehört dazu

Die Konfettis waren noch die harmlosesten Aktionen der spanischen Fans, die vom Hallensprecher zusätzlich angestachelt wurden. Nach dem Eklat der beiden Trainer hatten sie in Schwalb ihren Buhmann gefunden, bewarfen ihn mit Bierbechern.

Während er für Dujshebaev kein Verständnis zeigte, nahm Schwalb dies recht locker hin: "Ich bin ja keine Mimose. Das gehört dazu."

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