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Ex-Kapitän Stefan Lövgren beklagte offenbar Zerwürfnisse beim THW © imago

Mirjana Serdarusic habe die Korruptionslawine losgetreten und einen Keil ins Kieler Team getrieben, behauptet der Ex-Manager.

Kiel - Private Schlammschlacht oder doch eiskalter Betrug: Die vermeintliche Manipulationsaffäre um den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel wird immer undurchsichtiger.

Die Staatsanwaltschaft Kiel wird die am Montag zum Teil öffentlich gewordenen Aussagen des ehemaligen THW-Managers Uwe Schwenker genauestens überprüfen und auch 2010 noch mit dem Fall beschäftigt sein.

"Die Aussagen bedürfen der Überprüfung. Wir werden das so nicht hinnehmen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Mit einem Ende des Ermittlungsverfahrens noch in diesem Jahr sei deshalb "überhaupt nicht zu rechnen".

60.000 Euro für den Trainer?

Gegen Schwenker wird wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Unklar ist der Verbleib von 152.000 Euro aus der THW-Kasse.

Schwenker hatte bei seiner Aussage im November nach Informationen der "Kieler Nachrichten" erklärt, das Geld sei zu Teilen an den kroatischen Spielervermittler Nenad Volarevic (92.000 Euro) sowie an den damaligen Kieler Trainer Noka Serdarusic (60.000) geflossen.

Für die Staatsanwaltschaft bleibt die Frage, ob diese Angaben stimmen bzw. was dann wirklich mit dem Geld geschehen ist.

Neue Schwenker-Liaison

Laut "Kieler Nachrichten" erfolgten die Zahlungen an Volarevic zeitnah zum unter Manipulationsverdacht stehenden Champions-League-Finale der siegreichen Kieler vor zwei Jahren gegen die SG Flensburg-Handewitt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Serdarusic erhielt einen Teil des Geldes wenige Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2008 gegen Ciudad Real.

Für Schwenker hat dagegen die ganze Angelegenheit einen privaten Hintergrund. Nach einem Bericht der "Kieler Nachrichten" sieht der 50-Jährige "die Trennung von meiner Frau im Dezember 2007 und die Aufnahme einer neuen Beziehung im Januar 2008 zu meiner jetzigen Lebensgefährtin" als Auslöser.

Mirjana Serdarusic - die Klima-Killerin?

In diesem Zusammenhang seien auch die insgesamt 60.000 Euro an Serdarusic geflossen. Schon nach der Trennung des Erfolgstrainers von Kiel im Sommer 2008 hatte es Spekulationen gegeben, private Spannungen zwischen Schwenker und Serdarusic könnten der eigentliche Grund gewesen sein.

Schwenker berichtete nun, Mirjana Serdarusic habe seine neue Lebenspartnerin bei jeder Gelegenheit denunziert: "Mirjanas Beleidigungen waren nicht zu stoppen."

So habe sich auch die Stimmung in der Mannschaft verschlechtert, Spieler hätten um Auflösung ihrer Verträge gebeten.

Lövgren ergreift die Initiative

Auf Initiative des damaligen Kapitäns Stefan Lövgren sei es im März 2008 zu einem Gespräch gekommen, in dem Schwenker einen vorübergehenden Rückzug angeboten haben will.

Serdarusic habe damals von einem finanziellen Engpass berichtet. "Er benötigte Bargeld. Ich habe ihm Hilfe zugesagt. Das schien mir vor dem Hintergrund der Gesamtsituation unerlässlich", sagte Schwenker und verweist auf einen hohen Lebensstandard, den die Familie Serdarusic gepflegt habe. "Die Grundschulden für das neu erbaute Einfamilienhaus wurden von ihm in kürzester Zeit abgetragen, Tochter und Enkeltochter großzügig finanziell unterstützt, Freunde aus Mostar ebenfalls, zudem zockte Mirjana Serdarusic."

Am 4. April (20.000 Euro) und 15. Mai 2008 (40.000) sei Geld an Serdarusic gezahlt worden. Am 11. Mai 2008 verlor der THW sein Final-Rückspiel gegen Ciudad Real.

Serdarusic verweigert die Aussage

Vor der Auszahlung der zweiten Summe habe THW-Gesellschafter "Dr. Grote seine Zustimmung erteilt", so Schwenker: "Eine Zahlung im Zusammenhang mit einer

Spielmanipulation nach einem verlorenen Finalrückspiel war und ist für mich völlig abwegig."

Serdarusic hat nach Verrechnung mit noch ausstehenden Prämien inzwischen angeblich etwa 30.000 Euro auf ein Konto des THW überwiesen. Eine Aussage der bei der Staatswanwaltschaft soll er verweigert haben.

Zur Zusammenarbeit mit dem Kroaten Volarevic sagte Schwenker: "Es gab ein sehr engmaschiges Netz aus ehemaligen Spielern, Handball-Insidern und auch Spielerberatern."

Volarevic - der V-Mann vom Balkan

Die Zahlungen an Volarevic seien laut Schwenker in zwei Raten erfolgt. Die erste Rate in Höhe von 56.000 Euro wurde am 25. April 2007 verschickt, die zweite über 36.000 am 27. Juni 2007. Das Champions-League-Finale fand am 30. April 2007 statt.

Schwenker erklärte, den Kontakt zu Volarevic, einem erstklassigen Kenner der Handball-Szene auf dem Balkan, habe in erster Linie Noka Serdarusic gepflegt.

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