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Per Sandström wechselte 2006 von IK Sävehof zum HSV © imago

Per Sandström war beim Sieg des HSV über Ciudad Real der Mann des Spiels. Bei SPORT1 spricht der Schwede über seine Leistung.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Er war der Held des Spiels und wurde nach dem 26:22 des HSV Hamburg im Champions-League-Viertelfinale über den Favoriten Ciudad Real von den Team-Kollegen und den Fans frenetisch gefeiert.

Zeitweise kam Torwart Per Sandström auf die sagenhafte Quote von 70 Prozent gehaltener Bälle. Am Ende hatte der Schwede 19 von 37 auf sein Tor abgegebener Würfe abgewehrt.

"Unglaublich", fasste ein sichtlich beeindruckter Gäste-Trainer Talant Duschebajew die Leistung des HSV-Keepers in einem Wort zusammen. "Per hat ein besseres Ergebnis für uns verhindert."

"Es war ein Bauchgefühl"

Dabei stand der 29-Jährige gar nicht von Beginn an zwischen den Pfosten, ersetzte aber bereits nach viereinhalb Minuten Nationaltorwart Johannes Bitter.

"Es war ein Bauchgefühl", kann Martin Schwalb den frühen Torwartwechsel rational nicht begründen. "Ich hatte die ganze Partie über das Gefühl, ich muss Reize setzen und habe daher auch im Feld viel gewechselt."

"Es hätte auch schiefgehen können", weiß der HSV-Coach. "Ist es aber nicht. Das Bauchgefühl hat nicht getrogen. Pelle hat toll gehalten."

Aber der Torwart ist sich bewusst, dass es noch ein harter Weg ist zum Final 4 in Köln: "Vier Tore im Handball sind nichts. Die können in fünf Minuten weg sein", warnt Sandström im Interview mit SPORT1 vor dem Rückspiel am kommenden Sonntag in Spanien (DATENCENTER: Die Viertelfinals).

SPORT1: Herr Sandström, ein Sieg über Titelverteidiger Ciudad Real. Wie beurteilen Sie die Partie?

Per Sandström: Wir haben sehr kompakt gestanden und gut verteidigt. Nur 22 Gegentore gegen die beste Mannschaft der Welt, das ist schon stark. Und der Sieg war hoch verdient.

SPORT1: Was bedeuten die vier Tore Vorsprung fürs Rückspiel?

Sandström: Vier Tore im Handball sind nichts. Die können in fünf Minuten weg sein. Ich sehe es so, dass wir zur Halbzeit mit vier Toren vorn liegen, aber noch nichts entschieden ist.

SPORT1: Bringt der Sieg eher einen psychologischen Vorteil?

Sandström: Das sehe ich auch so. Wir wissen nach den zwei Niederlagen in der Gruppenphase, dass wir Ciudad schlagen können. Und die waren in der Liga und in der Champions League bisher ungeschlagen und mussten erfahren, dass sie nicht unbesiegbar sind. Das macht sie vielleicht ein wenig nervös.

SPORT1: Sie hatten während der Partie einen Wert von sagenhaften 70 Prozent gehaltener Bälle, am Ende waren es über 50 Prozent, dazu drei Siebenmeter abgewehrt. Wie erklären Sie ihre starke Leistung?

Sandström: Das ist schwer zu erklären. Wenn's mal läuft, dann läuft es. Und dann diese unfassbare Stimmung in der Halle, gerade nach einem abgewehrten Siebenmeter. Das motiviert unheimlich.

SPORT1: War es vielleicht das beste Spiel ihrer Karriere?

Sandström: So weit würde ich nicht gehen, aber es war schon klar eines der besseren.

SPORT1: Der HSV lag phasenweise mit sieben Toren vorn, dann kam Real noch mal auf zwei heran. Hatten Sie Angst, dass das Spiel noch kippen könnte?

Sandström: Nein. Im Handball gibt es in jedem Spiel Höhen und Tiefen. Die Kunst ist, die Schwächephasen so kurz wie möglich zu halten und mit so wenig Gegentoren zu überstehen. Mir war klar, wir gehen nicht mit einem Sieben-Tore-Vorsprung vom Platz, aber ich hatte schon früh das Gefühl, dass wir gewinnen.

SPORT1: Ist es nicht bitter, dass eines der wohl drei besten Teams der Welt bereits im Viertelfinale ausscheiden muss und nicht beim Final 4 in Köln dabei ist?

Sandström: Der Auslosungsmodus ist viel kritisiert worden, aber so ist es nun mal: Wir waren Zweiter in der Gruppe, und der Zweite muss im Viertelfinale gegen einen Gruppensieger ran. Es ist natürlich schade für die Fans, aber wer Champions-League-Sieger werden will muss jeden schlagen, egal zu welcher Phase der K.o.-Runde.

SPORT1: Welcher Titel ist wichtiger, Meisterschaft oder die Champions League?

Sandström: Ich will immer gewinnen und würde nicht zwischen beiden Titeln unterscheiden. Beide sind eine Bestätigung für die Arbeit und die Leistung über ein ganzes Jahr. Am liebsten würde ich nach dem DHB-Pokal natürlich beide Titel gewinnen.

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