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Dominik Klein kam 2006 vom TV Großwallstadt zum THW Kiel © imago

Bei SPORT1 spricht Kiels Dominik Klein vor dem Final 4 über Ciudad Real, die Arbeit Gislasons und die Wirkung der verpassten EM.

Von Michael Spandern

München/Kiel - Nach dem Highlight ist vor dem Highlight: Mit frischem Selbstbewusstsein aus dem Sieg im wahrscheinlich entscheidenden Top-Spiel in der Bundesliga beim HSV Hamburg haben die Handballer des THW Kiel am Donnerstag ihren Linienflug nach Köln angetreten.

In der Rhein-Metropole steigt am Wochenende in der Lanxess-Arena das erste Final-Four-Turnier der Champions League.

Die "Zebras" treten als einziger deutscher Vertreter im Semifinale am Samstag (18 Uhr LIVESCORES) gegen Titelverteidiger Ciudad Real an, im zweiten Halbfinale kämpfen zuvor Barcelona und Moskau um den Einzug ins Endspiel am Sonntag.

Dominik Klein freut sich auf das "vorgezogene Finale" gegen den Titelverteidiger und die Neuauflage der Endspiele von 2008 und 2009. Er sagt über die Spanier: "Das ist die beste Mannschaft der Welt."

Im Interview mit SPORT1 spricht der THW-Linksaußen über die Stärken des Gegners, die Arbeit von Alfred Gislason und die Wirkung der verpassten EM, in deren Vorfeld Heiner Brand den 26-Jährigen aus seinem Aufgebot gestrichen hatte.

SPORT1: Herr Klein, vor dem Top-Spiel beim HSV gab es Interviewverbot für die THW-Spieler - es scheint geholfen zu haben?

Dominik Klein: Ein Interviewverbot gab es in dem Sinne nicht. Nun wollen wir uns auf die beiden Spiele hier in Köln konzentrieren. Da können die Medien sicherlich verstehen, dass wir auch mal etwas ruhiger sind.

SPORT1: Hat der Trainer der Mannschaft nach dem HSV-Spiel etwas Auslauf gegeben?

Klein: Vielen war nicht nach feiern zumute, weil wir so geschlaucht waren. Zu feiern haben wir ja auch noch nichts. Wir wussten, dass wir noch zwei schwere Wochenenden vor uns haben, an denen wir uns auf den Punkt konzentrieren müssen. Aber wir haben alle den Sieg genossen.

SPORT1: Nun steht mit dem Final 4 gleich das nächste Highlight an. In den nächsten Tagen werden also die Früchte der Arbeit einer ganzen Saison geerntet - oder auch nicht.

Klein: Wir sind genauso gut vorbereitet wie auf Hamburg. Das gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir bis Samstag noch verstärken wollen. Ich vergleiche das mit einer Klassenarbeit, auf die man bestens vorbereitet ist: Wenn das Blatt ausgeteilt ist, möchte man die Antworten auf alle Fragen am liebsten sofort niederschreiben, da man gut gelernt hat. Und das ist die Aufgabe unseres Trainers, uns so vorzubereiten, dass wir auf jede Frage, die uns Ciudad Real stellt, die Antwort haben.

SPORT1: Hilft das Selbstbewusstsein aus dem HSV-Spiel?

Klein: Das HSV-Spiel ist nicht mit dem zu vergleichen, was am Wochenende auf uns zu kommen wird. Wir können unsere Kräfte aber nicht aufteilen, sondern müssen alles dafür tun, am Sonntag im Endspiel zu stehen.

SPORT1: Wie lief die Vorbereitung ab?

Klein: Wir gehen durch jede einzelne Taktik durch, und ich spüre bereits jetzt eine positive Spannung. Wir wissen, wie wir in den letzten Jahren gegen Ciudad Real gespielt haben, wissen aber auch, die Spanier nun ein anderes Team haben. Unser Trainer hat uns alle verfügbaren Videos vorgespielt und alles getan, dass wir gut vorbereitet sind.

SPORT1: Gislason, ohnehin ein knorriger Typ, wirkt angespannt dieser Tage. Wie ist er im täglichen Umgang?

Klein: Der Trainer versucht, immer Kontakt zu uns zu haben und viel mit uns zu sprechen. Er findet immer den gesunden Mittelweg, taktische Vorgaben zu machen und dabei auf das zu hören, was der Abwehrchef oder der Spielmacher meint. Falls er in diesen entscheidenden Tagen angespannter scheint, merke ich ihm das nicht an.

SPORT1: Mit Ciudad Real wartet die vermeintlich schwerste Hürde schon im Halbfinale. Gut oder schlecht?

Klein: Ich habe bereits bei der Auslosung ein gutes Gefühl gehabt und freue mich einfach nur auf Ciudad Real. Ein Highlight wäre das Halbfinale allerdings auch bei jedem anderen Gegner geworden und wir hätten uns auch genauso intensiv vorbereitet. Auf dieses Highlight darf sich jeder freuen.

SPORT1: Gibt es gute Neuigkeiten aus dem Lazarett, oder muss sich Momir Ilic wieder zur Siebenmeterlinie schleppen?

Klein: Unsere medizinische Abteilung arbeitet auf Hochtouren. Und Momir versucht auch ständig, sich in der Halle fit zu machen und das Knie zu testen. Wir müssen abwarten, wie belastbar er am Wochende ist.

SPORT1: Wo haben die Spanier ihre größte Stärke und wie muss man sie anpacken?

Klein: Das ist die beste Mannschaft der Welt. Sie haben einen sehr, sehr breiten und starken Kader. Da werden wir alles daran setzen, deren Stärken auszuschalten.

SPORT1: Begrüßen Sie das Turnierformat und was versprechen Sie sich von dem Event?

Klein: Wir Kieler hatten in diesem Jahr ja noch kein Final 4, umso glücklicher bin ich, dass wir in Köln dabei sind. Ich freue mich, wenn uns da viele unterstützen werden. Allerdings: Der Modus ist eine Premiere, mal abwarten, wie es läuft.

SPORT1: Wenn wir auf Ihre bisherige Saison zurückschauen: Hat die Nicht-Nominierung für die EM Ihnen noch einmal einen Extra-Kick in Sachen Motivation gegeben?

Klein: Ich habe mich mit der Nicht-Nominierung beschäftigt und für mich die Schritte eingeleitet, welche nötig waren, wieder auf den Leistungsstand zu kommen, den ich eigentlich habe. Jetzt fokussiere ich mich auf das Final 4, und da geht's darum, mit dem THW ins Finale zu kommen.

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