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Filip Jicha spielt seit der Saison 2007/2008 beim THW Kiel © getty

Der THW Kiel dreht im Halbfinale nach Pausenrückstand gegen den Titelverteidiger mächtig auf und zieht ins Endspiel ein. Omeyer überragt.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln ? Das Kieler "Siegergen" ist wieder voll intakt, der ganz große Triumph winkt.

Der THW ist nach einem Kraftakt sondergleichen nur noch einen Schritt vom zweiten Titelgewinn in der Champions League nach 2007 entfernt.

Der deutsche Rekordmeister gewann das dramatische Halbfinale bei der Premiere des Final-Four-Turniers gegen Ciudad Real mit 29:27 (12:15) und trifft im Endspiel am Sonntag (ab 18 Uhr LIVESCORES) auf den FC Barcelona.

Im ersten Halbfinale hatte Rekordsieger Barca erwartungsgemäß wenig Mühe mit Medwedi Moskau gehabt.

Starke Energieleistung

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Die Kieler besiegten im Duell der beiden weltbesten Teams den Titelverteidiger und Top-Favoriten nur dank einer nahezu unfassbaren Energieleistung im zweiten Durchgang.

THW-Trainer Alfred Gislason sagte: "Ich bin natürlich sehr zufrieden. Wir haben es geschafft, die beste Mannschaft der Welt zu schlagen."

Dennoch würden die Karten im Endspiel neu gemischt. "Angesichts der Verletzungsprobleme sehe ich uns gegen Barcelona nicht als Favorit", so Gislason zu SPORT1.

Kiel spielt wie entfesselt

Ciudad Real, das nun im Spiel um Platz drei am Sonntag gegen den Außenseiter aus Russland antreten muss, hatte anfangs den deutlich stärkeren Eindruck hinterlassen.

Doch dem spanischen Star-Ensemble von Trainer Talant Duschebajew ging nach der Drei-Tore-Führung zur Pause im zweiten Durchgang die Luft aus, Kiel spielte am Ende wie entfesselt.

Duschebajew haderte zudem mit einigen umstrittenen Entscheidungen der rumänischen Schiedsrichter Din/Dinu. Auf der Pressekonferenz verpasste sich der ehemalige Welthandballer selbst einen Maulkorb, um keine "schlechten Worte" aussprechen zu müssen.

Omeyers starke zweite Halbzeit

Beste Werfer beim THW, der zum vierten Mal in Folge im Finale steht, waren Christian Sprenger und Filip Jicha (beide 6) sowie Marcus Ahlm (5). Matchwinner war jedoch Torhüter Thierry Omeyer, der vor allem im zweiten Durchgang zu absoluter Höchstform auflief.

"In der zweiten Halbzeit haben wir den echten Omeyer gesehen. In der ersten hat sein Bruder gespielt", lobte Gislason augenzwinkernd.

Auf Seiten der unterlegenen Spanier trafen Jonas Källmann (6) und Jerome Fernandez (5/5) am häufigsten.

Ohne Andersson - mit Ilic

Vor der Europacup-Rekordkulisse von 18.679 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Lanxess-Arena erwischte Kiel den besseren Start, führte schnell mit 2:0.

Doch Ciudad Real ließ sich auch von der Auswärts-Atmosphäre nicht schocken und übernahm durch einen Treffer von Chema Rodriguez aus der Zweiten Welle beim 4:3 (9.) erstmals die Führung.

Gislason, der auf Linkshänder Kim Andersson (Knie-OP) verzichten musste, konnte immerhin phasenweise auf Momir Ilic (Kreuzbanddehnung) zurückgreifen und ordnete seine Deckungsformation etwas zurückhaltender an als die extrem offensiv agierenden Spanier.

Drei-Tore-Führung zur Pause

Über 20 Minuten blieb die Partie völlig offen - bis sich Ciudad Real durch ein Kontertor des Rechtsaußen Roberto Garcia Parrondo beim 11:9 (24.) erstmals auf zwei Tore absetzen konnte.

Kurz vor dem Seitenwechsel gelang Rodriguez erneut aus dem Gegenstoß das 14:11 (28).

Zeitz verkürzt auf ein Tor

In Halbzeit zwei legten die Kieler dann los wie die Feuerwehr: Nach einem Gegenstoßtreffer von Christian Zeitz brachte der bärenstarke Jicha sein Team wieder auf ein Tor heran (16:15/33.).

Doch die coolen Spanier machten daraus in Überzahl in Windeseile wieder drei. Und beim 19:15 durch den glänzend aufgelegten Linksaußen Källmann (37.) schien es, als sei eine Vorentscheidung gefallen.

Coach verändert die Taktik

Gislason reagierte und schickte Dominik Klein als vorgezogenen Deckungsspieler aufs Feld. Mit Erfolg: Beim 20:20 durch Daniel Narcisse (41.) war der THW wieder voll da.

"Diese Abwehrvariante hat sehr gut funktioniert, obwohl wir das vorher eigentlich sehr selten gespielt hatten", sagte Kapitän Ahlm, der mit hundertprozentiger Trefferquote glänzte, im Gespräch mit SPORT1: "Aber wir haben uns allgemein sehr gesteigert in der zweiten Halbzeit."(Dominik Klein im SPORT1-Interview)

In doppelter Unterzahl bravourös

Doch trotz unfassbarer Paraden Omeyers behielt Ciudad Real, das immer wieder über Schnellangriffe zu leichten Toren kam, zunächst leicht die Oberhand.

Erst zehn Minuten vor Schluss brachte Zeitz den THW mit einer Einzelaktion beim 24:23 aus Kieler Sicht wieder in Führung.

Kiel agierte in der Folge sogar in doppelter Unterzahl bravourös, Sprenger erhöhte auf 26:24 (56.). Als Jicha den Ball zum 27:24 unter die Latte hämmerte, wurde der Kieler Sieg greifbar.

Omeyer pariert letzten Wurf

Am Ende retteten die "Zebras" dank Omeyer, der David Davis' letzten Wurf von Linksaußen parierte, den hauchdünnen Vorsprung über die Zeit und dürfen nun vom zweiten Gewinn der europäischen Handball-Krone träumen - am Sonntag wartet mit Barcelona der nächste Hochkaräter aus Spanien.

"Die Chancen stehen 50:50", sagte Omeyer im Gespräch mit SPORT1: "Barcelona hat lauter Weltklassespieler und genauso eine starke Mannschaft wie Ciudad Real."

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