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Der THW Kiel gewann zuletzt 2007 die Champions League © getty

Nach einer erneut unfassbaren Aufholjagd besiegt der THW Kiel den FC Barcelona und krönt sich zum zweiten Mal zum Champions-League-Sieger.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Ausnahmezustand in der Kölner Lanxess-Arena: Der THW Kiel hat nach einer wilden Aufholjagd zum zweiten Mal nach 2007 den wichtigsten Titel im Vereinshandball gewonnen.

Der deutsche Rekordmeister besiegte dank eines erneuten Kraftaktes im dramatischen Champions League -Finale Rekordtitelträger FC Barcelona mit 36:34 (17:20).

Wie im Halbfinale Ciudad Real hatte auch Barcelona bis zur Pause deutliche Vorteile gegenüber den Kielern, und wieder wurde Ausnahme-Torhüter Thierry Omeyer am Ende zum gefeierten Helden.

Omeyers Freude über den Sieg wurde nur durch eine Auseinandersetzung nach der Partie mit einigen Barcelona-Spielern getrübt.

Garcia und Jicha Topscorer

Beste Werfer auf Seiten der Kieler bei der fünften Finalteilnahme des THW in Europas Eliteliga waren Rückraum-Shooter Filip Jicha (10/2), Christian Zeitz (6), und Dominik Klein (5).

Für die Spanier, bei denen Torwart-Legende David Barrufet nach 22 Jahren im Trikot der Blaugrana Abschied von der Handball-Bühne nahm, traf der überragende Flügelspieler Juanin Garcia (13/9) am häufigsten.

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Barca erwischt besseren Start

Am Nachmittag hatte sich Titelverteidiger Ciudad Real, Kiels unterlegener Gegner im dramatischen Halbfinale gegen Außenseiter Medwedi Moskau mit 36:28 (19:15) locker Platz drei bei der ersten Austragung des Final-Four-Turniers gesichert.

Im Duell der Handball-Giganten erwischte Barcelona den deutlich besseren Start. Die Kieler begannen nervös, scheiterten immer wieder an Barca-Keeper Danijel Saric und liefen schnell einem Rückstand hinterher.

Linksaußen Garcia sorgte per Siebenmeter für eine Drei-Tore-Führung der Spanier (7:4/10.), die mit diesem Vorsprung auch in die zweite Halbzeit gingen.

Aggressive Deckung

Barcelona überzeugte mit einer äußerst aggressiven Deckung und sehr variablem Angriffsspiel, das die THW-Abwehr immer wieder vor Probleme stellte.

Vor allem Superstar Siarhei Rutenka mit seinen mächtigen Distanzwürfen, den treffsicheren Garcia und Kreisläufer Jesper Noddesbo bekamen die Norddeutschen nicht in den Griff.

Jicha stark im Angriff

Kiels Trainer Alfred Gislason reagierte und brachte nach gut zehn Minuten mit dem Norweger Börge Lund einen Deckungsspezialisten für die 6:0-Formation sowie kurzzeitig Keeper Peter Gentzel für den bis dato glücklosen Halbfinal-Matchwinner Thierry Omeyer.

Doch nur mit begrenztem Erfolg: Allein Jichas individueller Klasse im Angriff war es in dieser Phase zu verdanken, dass der Kieler Rückstand nicht noch höher ausfiel.

Barrufet zeigt seine Klasse

Rutenka und Rechtsaußen Victor Tomas schraubten den Vorsprung mit einem Doppelschlag bis auf fünf Tore hoch (15:10/19.), der breitere Kader des Teams von Barca-Coach Xavi Pascual gegenüber dem Kieler Lazarett begann seine Wirkung zu entfalten.

Zudem zeigte der eingewechselte Barrufet zwischen den Pfosten mit 39 Jahren seine ganze Klasse und Erfahrung.

Dass Kiel bis zum Seitenwechsel wieder auf drei Tore verkürzte, war vor allem einer Leistungssteigerung Omeyers zu verdanken.

Barcelona wirkt frischer

Nach dem Seitenwechsel war es wiederum Wirbelwind Garcia, der mit zwei Treffern per Siebenmeter und Gegenstoß auf 23:18 (37.) für Barcelona erhöhte.

Kiel mühte sich nach Kräften, doch die Strapazen der langen Saison waren den "Zebras" deutlich anzusehen.

Barcelona dagegen profitierte von der höheren körperlichen Frische nach dem sicheren Sieg im Halbfinale über Moskau - plus drei Stunden mehr Erholungszeit.

Sprenger verkürzt auf zwei Tore

Der eingewechselte Henrik Lundström brachte Kiel unter dem ohrenbetäubenden Jubel der zur großen Mehrheit den THW unterstützenden Fans wieder auf drei Tore heran (25:22/43.), Christian Sprenger verkürzte mit einem feinen Heber wenig später auf zwei Tore.

Igor Anic besorgte vom Kreis mit dem 28:29 (50.) den Anschluss, Kiel war wieder da.

Starker Rückhalt in Omeyer

Omeyer vernagelte hinten wie am Vortag seinen Kasten, und als Christian Zeitz den Ball mit einem direkten Freiwurf zum 29:29 (52.) ins gegnerische Gehäuse donnerte, tobte die Arena und alle körperlichen Leiden waren vergessen.

Nach einer Auszeit Barcelonas besorgte Lundström aus dem Konter die erste Führung nach langer Zeit.

Der THW, bei dem Gislason am Ende den Bankspielern das Vertrauen schenkte, hatte auf einmal die Zügel wieder in der Hand.

Daniel Narcisse erzielte wiederum per Gegenstoß das 32:30 (56.) - der THW spielte sich in einen Rausch und verteidigte den Zwei-Tore-Vorsprung bis zum Schlusspfiff, nach dem in der Arena alle Dämme brachen.

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