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Momir Ilic wechselte 2009 vom VfL Gummersbach zum THW Kiel © getty

Kiels Momir Ilic spricht im SPORT1-Interview über den Triumphzug von Köln, mit dem für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung ging.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Die nächtliche Party hatte ihre Spuren hinterlassen.

Mit müden Augen schleppten sich die Kieler Champions-League-Sieger am Montagmorgen durch den Flughafen Köln-Bonn, um ihren Lufthansa-Flug LH 095 nach Hamburg zu besteigen.

Schwer übernächtigt wirkte vor allem Filip Jicha, der seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg, die Trophäe für den Torschützenkönig der Königsklasse (119 Treffer) im Schlepptau.

Den Pokal hatte Youngster Aron Palmarsson geschultert.

Zweiter Triumph nach 2007

Vergleichsweise frisch wirkte Momir Ilic, der aufgrund seiner Kreuzbanddehnung nur geringe Einsatzzeiten beim dramatischen 36:34 (17:20)-Finalsieg gegen den FC Barcelona bekommen hatte.

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Doch irgendwie war der Auftritt des Serben symptomatisch für die Energieleistung der Kieler an diesem Wochenende: Er kam aufs Feld, als es in die entscheidende Phase ging, und er erledigte seinen Part souverän.

Links unten verwandelte der angeschlagene Rückraum-Hüne einen Strafwurf in der 54. Spielminute zum 31:30 und trug so seinen Teil zum zweiten Sieg der Kieler in Europas Eliteliga nach 2007 bei.

Im Interview mit SPORT1 spricht Ilic über seine Leiden auf der Bank, Matchwinner Thierry Omeyer und das nächste große Ziel des THW.

SPORT1: Herr Ilic, wie war es, dieses Drama über weite Strecken von der Bank aus zu verfolgen?

Momir Ilic: Schwer, sehr schwer. Es ist furchtbar, wenn du nicht helfen kannst. Immerhin habe ich am Ende noch einen Siebenmeter verwandelt. Ich bin sehr froh, dass ich auch etwas zu diesem Erfolg beitragen konnte.

SPORT1: Wie geht es Ihrem Knie?

Ilic: Nach so einem Sieg spürst Du keine Schmerzen. Das ist jetzt nicht wichtig. Ich bin einfach nur überglücklich.

SPORT1: Nach dem Kraftakt gegen Ciudad Real: Hätten Sie gedacht, dass der THW erneut zu so einer Aufholjagd fähig ist?

Ilic: Ja, wir haben wieder einmal unseren großen Charakter gezeigt. Ich weiß gar nicht, wie oft wir solche Spiele schon gedreht haben. Am Ende wusste ich, dass wir es noch packen. Diese Mannschaft hat ein großes Herz. Und die Qualität ist natürlich auch da. Wir lagen mit sechs Toren zurück, und dann schaffen wir, was man eigentlich nicht mehr schaffen kann. Das bedeutet mir sehr viel.

SPORT1: Sie brauchten aber wieder einen Thierry Omeyer in Top-Form.

Ilic: Auf jeden Fall. Titi hat überragend gehalten in den letzten 20 Minuten, deswegen haben wir gewonnen. Aber jeder Spieler hat heute etwas beigesteuert. Das ist die große Stärke des THW Kiel.

SPORT1: Für Sie als ehemaligen Gummersbacher war das Wochenende ja auch eine Rückkehr in die alte Heimat. Wie wichtig war die Unterstützung des Publikums?

Ilic: Das war super! Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich zwei Jahre hintereinander hier, sozusagen in meiner Halle, Titel gewinnen konnte. Letztes Jahr den EHF-Pokal mit dem VfL, jetzt die Champions League mit dem THW ? das ist das Größte.

SPORT1: Für Kiel war es der zweite Champions-League-Titel, für Sie der erste. Wie fühlt sich das an?

Ilic: Das ist ein Traum, den ich habe, seit ich als kleiner Junge mit dem Sport angefangen habe. Ich kann es nicht besser beschreiben.

SPORT1: War es symptomatisch für die Saison des THW, dass auch die Spieler aus der zweiten Reihe am Ende zu wichtigen Faktoren wurden?

Ilic: Ja, denn wir hatten enorme Probleme mit Verletzungen, und viele Spieler waren auch einfach müde. Barcelona hatte natürlich mehr Kraft, weil sie im Halbfinale einen leichteren Gegner hatten und zudem noch eine längere Pause. Wir dagegen hatten ein richtig schweres Spiel gegen Ciudad Real. Im Finale haben alle noch einmal alles aus sich herausgeholt.

SPORT1: Wie finden Sie nun wieder die Konzentration für die beiden verbleibenden Spiele in der Bundesliga?

Ilic: Das wird sehr schwer. Wir dürfen nicht locker lassen, nur weil wir die Champions League gewonnen haben. Erst wenn die Saison vorbei ist, werden wir richtig feiern. Jetzt geht es um die Meisterschaft.

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