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Nikola Karabatic holte 2008 in Peking mit Frankreich Olympia-Gold © imago

Der Franzose spricht bei SPORT1 über das Duell mit dem HSV, die französische Dominanz und Sehnsucht nach der Bundesliga.

Von Julian Meißner

München - Über ein Jahr ist es nun her, dass der wohl beste Handballer der Welt Deutschland verließ.

Der geplante Wechsel von Nikola Karabatic aus Kiel zu den Rhein-Neckar Löwen nach der Saison 2008/2009 platzte aufgrund des gescheiterten Engagements seines Mentors Noka Serdarusic bei den Mannheimern im Zuge der Manipulationsverdächtigungen gegen den damaligen Kieler Trainer.

Karabatic zog es daraufhin zurück in die Heimat zu Montpellier HB.

Mit den Franzosen tritt der Weltmeister, Europameister und Olympiasieger am Sonntag (17.30 Uhr LIVESCORES) in der Champions League gegen den HSV an.

Im Interview mit SPORT1 spricht Karabatic über die Begegnung mit den Hamburgern, die Dominanz der Franzosen im Welthandball und Sehnsucht nach der Bundesliga.

SPORT1: Herr Karabatic, im vergangenen Sommer sind Sie in Ihre Heimat nach Montpellier gewechselt. Mit etwas Abstand betrachtet: War es die richtige Entscheidung?

Nikola Karabatic: Richtig und falsch, das gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Ich wollte weg aus Kiel, dann ging es nur noch darum, zu welchem Verein. Ich bin aber sehr zufrieden mit meiner Entscheidung und bereue nichts.

SPORT1: Aber bedauern Sie manchmal noch, dass es mit den Löwen nicht geklappt hat?

Karabatic: Ja, das ist leider nicht gut gegangen. Als feststand, dass Noka Serdarusic nicht zu den Löwen geht, war für mich klar, dass ich dort auch nicht hin will. Im Endeffekt ist es aber gut so, denn ich bin in Montpellier total zufrieden und möchte hier nicht weg.

SPORT1: Vermissen Sie nichts an Deutschland - die stärkste Liga der Welt zum Beispiel?

Karabatic (lacht): Doch, die Bundesliga vermisse ich schon ein wenig! Dort spielen richtig gute Mannschaften und tolle Spieler. Und meine Freunde in Kiel vermisse ich natürlich.

SPORT1: Verfolgen Sie die Liga noch regelmäßig?

Karabatic: Ja, klar. Gerade am Wochenende habe ich das Spiel des THW in Berlin auf SPORT1 gesehen. Satellitenfernsehen macht es möglich. Ich schaue viel Bundesliga.

SPORT1: Können Sie sich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?

Karabatic: Es kann alles passieren, so ist das Leben eines Profisportlers. Momentan stehe in Montpellier unter Vertrag und bin glücklich hier. Aber so war es auch mal in Kiel.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zur Kieler Mannschaft?

Karabatic: Natürlich. Ich habe dort viele nette Menschen kennengelernt und versuche, mit ihnen in Kontakt zu bleiben: Unter anderem Titi Omeyer, Filip Jicha und Dominik Klein. Auch mit Stefan Lövgren spreche ich noch öfter.

SPORT1: Der THW hat kurzfristig Ihren Landsmann Jerome Fernandez verpflichtet. Ein gutes Geschäft?

Karabatic: Ich denke schon, auch für ihn. Jerome hat bei Ciudad Real nicht mehr so viel gespielt. Er wird noch etwas Zeit brauchen, denn das Kieler Spiel ist speziell. Aber er wird sich einfinden und der Mannschaft helfen. Der THW ist so oder so neben dem HSV Top-Favorit auf die Meisterschaft.

SPORT1: Mit Montpellier geht es nun gegen Hamburg. Wie sind Ihre Chancen?

Karabatic: Es wird schwer. Der HSV ist eine richtig geile Mannschaft, sie sind auf allen Positionen doppelt Weltklasse besetzt. Neben Ciudad und Kiel sind sie für mich der Favorit auf den Titel. Aber wir spielen zu Hause und sollten deshalb eigentlich gewinnen. Leider haben wir einige Verletzte.

SPORT1: Wie sehen Sie die Chance, mit Montpellier ins Final 4 nach Köln zu kommen?

Karabatic: Die Gruppe A mit Kiel, Barca, Celje und so weiter und unsere Gruppe sind die schwersten, da kann man schnell auch mal nur Dritter werden. Veszprem ist schließlich auch sehr stark. Und als Dritter wird es dann schwer im Achtelfinale. Da kann man nur hoffen, dass man nicht einen Gegner aus der anderen schweren Gruppe zugelost bekommt.

SPORT1: Was halten Sie von der Endrunde in Turnierform?

Karabatic: Das ist eine tolle Sache für den Handball, wie wir letzte Saison gesehen haben. Ich wäre natürlich gerne in der Kölner Arena dabei und freue mich auch, dass ich für das Gruppen-Spiel in Hamburg mal wieder nach Deutschland komme. Man müsste allerdings überlegen, ob man das Turnier in Zukunft auch einmal woanders ausrichtet. Die Deutschen haben schließlich einen Heimvorteil. Kiel wurde im Mai auch von den Zuschauern zu seinen zwei Siegen getragen.

SPORT1: Montpellier ist erfolgreich mit zwei Siegen in die Liga gestartet. Wäre alles andere als der Titel eine Enttäuschung?

Karabatic: Natürlich. Wir sind der Favorit und wollen sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal gewinnen.

SPORT1: Bekommt Ihnen die geringere Belastung in Frankreich?

Karabatic: Ja, das tut schon gut. Unsere Liga hat nur 14 Mannschaften, dementsprechend haben wir weniger Spiele und mehr Zeit zum Regenerieren. Auch über Weihnachten haben wir lange frei.

SPORT1: Im Januar steht die WM in Schweden an. Frankreich ist Titelverteidiger, zudem Europameister und Olympiasieger. Ist das Team langsam satt?

Karabatic: Nein, auf keinen Fall. Wir treten weiter an, um Titel zu gewinnen. Aber es wird nicht einfacher. Wir sind der Favorit, alle wollen uns schlagen. Ich denke zudem, wir haben unsere besten Spiele gespielt. Und wir haben mit Daniel Narcisse einen wichtigen Mann, der verletzt ausfällt. Außerdem ist die Gruppe richtig schwer.

SPORT1: Unter anderem treffen Sie auf Deutschland?

Karabatic: Ja, das gibt ein schönes Wiedersehen mit den Bekannten aus der Bundesliga. Duelle mit Deutschland sind immer etwas Besonderes. Ich traue ihnen auch einiges zu, es ist eine Mannschaft mit jungen Spielern, die alle in der Bundesliga spielen und damit auf Top-Niveau. Das sagt schon einiges aus.

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