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Die Löwen treffen in der Vorrunde neben Barcelona auch auf Kiel © getty

Nach dem Triumph in Barcelona entbrennt bei den Löwen Streit um die Lorbeeren. Ex-Coach Ola Lindgren schreibt sich den Sieg zu.

Von Andreas Kloo

München - Es ist wie nach einer erfolgreichen Jagd.

Nach dem geglückten Beutezug beim Champions League-Auftakt in Barcelona streiten sich die Löwen um das Fell des erlegten Tieres.

In diesem Fall geht es um die Frage, wer die Lorbeeren des großen Siegs ernten darf.

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Jesper Nielsen ist die Sache klar. Der Erfolg geht seiner Meinung nach auf die Kappe des von ihm inthronisierten Trainers Gudmundur Gudmundsson:

"Gudmundur hat drei Tage lang verdammt hart gearbeitet und sich nur auf dieses Spiel fokussiert. Das ist gefühlt der größte Sieg in der Vereinsgeschichte", lobt Nielsen den Neu-Trainer im "Mannheimer Morgen" überschwänglich.

"Topfitte Mannschaft übergeben"

Doch der am Donnerstag zusammen mit Berater Kent-Harry Andersson entlassene Trainer Ola Lindgren beansprucht zumindest einen Teil des Lobes für sich: "Der Sieg zeigt, dass ich eine gute Arbeit geleistet habe. Ich habe eine gute Vorbereitung gemacht und eine topfitte Mannschaft übergeben", stellt der Schwede bei SPORT1 klar.

In der Tat hatten die Badener gegenüber Barcelona die größeren Reserven. Zehn Minuten vor Schluss lagen die Spanier mit 25:21 in Front. Doch die Löwen kämpften sich zurück und drehten den Spieß um.

Genugtuung verspüre Lindgren aber keine. "Ich freue mich vor allem für die Jungs", schildert er seine Gefühlslage.

Sigurdsson entreißt Gudmundsson die Lorbeeren

"Seine Jungs" sehen den Verdienst für den Coup in Spanien mehr beim alten Trainer-Duo als bei Gudmundsson. "Dieser Erfolg ist auch ein Sieg von Ola und Kent", widmet der derzeit verletzte Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson den Erfolg Gudmundssons Vorgängern.

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Er ist der Meinung, "dass der Sieg in Barcelona kein Meisterwerk von unserem neuen Trainer war. Gudmundur ist doch gerade ein paar Tage da. Es war doch absolut nicht möglich, dass er etwas großartig ändert in dieser kurzen Zeit."

Andy Schmid stößt ins gleiche Horn: "In der kurzen Zeit haben wir den Handball sicherlich nicht neu erfunden."

Kritik am Trainerwechsel

Sigurdsson zeigt wenig Verständnis für den überraschenden Trainerwechsel: "Die Entlassung von Lindgren war ein Schock für die Mannschaft. Es gab gar keine Anzeichen für eine Trennung."

Auch bei der Suche nach Gründen für die Lindgren-Entlassung tut er sich schwer: "Wir haben acht von neun Spielen gewonnen. Man kann uns dafür kritisieren, dass wir zu wenig Tore geworfen haben. Aber letztendlich haben wir auch in Barcelona nur mit einem Treffer gesiegt. Trotzdem gab es dafür zwei Punkte."

Mehr Zeit für Schweden

Lindgren selbst sind die Gründe für seinen Rauswurf nach wie vor schleierhaft: "Das müssen Sie die Löwen fragen", lautet sein knapper Kommentar.

Er sieht aber auch etwas Positives in seiner Entlassung. Denn nun könne er sich voll und ganz auf seine Arbeit als schwedischer Nationaltrainer konzentrieren:

"Für den schwedischen Handball ist das positiv. Jetzt habe ich viel mehr Zeit und kann Spieler beobachten. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land habe ich jetzt Großes vor."

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