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Sebastian Preiss (r.) spielt seit 2005 für den TBV Lemgo © getty

Liga der Extreme: Während Kiel mal wieder nicht zu stoppen ist, steht der nächste Bundesligaverein kurz vor der Insolvenz.

Von Thorsten Deppe

München - Erst elf Spieltage sind absolviert, doch die Kieler Konkurrenz scheint bereits zu resignieren. "Der Titelgewinn bleibt utopisch", sagt Hamburgs Präsident Andreas Rudolph dem Hamburger Abendblatt.

Und dass, obwohl noch 23 Partien ausstehen und der HSV lediglich sechs Zähler Rückstand aufweist.

"Die Kieler werden keine sechs Punkte mehr abgeben. Dafür sind sie einfach zu konstant. Die verlieren nur noch das Rückspiel bei uns", erklärte Rudolph.

THW auf dem Durchmarsch

Kiel ist auch in dieser Saison nicht zu stoppen: Mit zehn Toren Vorsprung überrannten die Schleswig-Holsteiner am Sonntag auch den bisherigen Tabellenzweiten TBV Lemgo.

Trotz der Verletzungen von Börge Lund und Nikola Karabatic läuft der THW-Angriff auf Hochtouren.

Die Kieler Liga-Konkurrenten spielen nur noch um die Vizemeisterschaft, TuSEM Essen ist Insolvent und die HSG Nordhorn zog sich vorerst gerade noch aus dem finanziellen Ruin.

In der Liga macht der Pleitegeier die Runde und steht mittlerweile auch beim Stralsunder HV vor der Tür. Spannung und Planungssicherheit für die Bundesliga sieht anders aus.

SHV vor der Pleite?

Der Aufsteiger aus Stralsund hat den Etat von 1,2 Millionen Euro immer noch nicht gedeckt. Zudem liegen noch Altlasten im sechsstelligen Bereich auf dem Tisch.

"Wir haben uns mit den Vertretern der Stadt auf eine Frist bis Ende November geeinigt. Dann wird die Entscheidung fallen, ob wir in die Insolvenz gehen müssen", sagte Stralsunds Manager Jörg Dombdera.

Nach TuSEM Essen kann also auch der SHV seine teuren Leistungsträger nicht mehr bezahlen, während die Kieler sich mit Spitzengehältern eine Art Titelgarantie verschaffen.

Seit 2005 war der THW ununterbrochen Deutscher Meister und auch diese Saison läuft nach Plan: Die "Zebras" erlitten noch keine einzige Niederlage und verzeichnen bisher vier Punkte Vorsprung.

Stimmungsbarometer Nationalmannschaft

Da der Liga nicht nur langsam die Spannung, sondern auch die solventen Vereine verloren gehen, beginnen in der Bundesliga die Alarmsirenen zu schrillen.

Zudem verblasst auch das Medieninteresse an der deutschen Nationalmannschaft und Heiner Brands Auswahl gilt generell als Stimmungsbarometer für den deutschen Handball.

Nach dem Personalumbruch scheint jetzt auch der Weltmeister-Bonus zu verschwinden.

Die TV-Quoten werden nach dem absoluten Hoch während und nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land wieder deutlich geringer.

Zukunft ungewiss

Die Liga befindet sich bald am Scheideweg und muss den Spagat zwischen internationalen Top-Teams, Traditionsvereinen und neuen Mannschaften schaffen.

Wird das finanzielle und sportliche Leistungsgefälle noch eklatanter, geht die Handball-Bundesliga bald in eine ungewisse Zukunft.

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