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Gudmundur Gudmundsson löste im September Ola Lindgren als Löwen-Coach ab © imago

Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson spricht im SPORT1-Interview über die wirre Personallage und das Viertelfinale gegen Montpellier.

Von Julian Meißner

München - Sportlich läuft es für die Rhein-Neckar Löwen. Bevor die Saison auf die Zielgerade einbiegt, sind die Badener noch in allen drei Wettbewerben aussichtsreich vertreten.

In der Liga streitet man sich mit dem THW Kiel immerhin um Platz zwei, das Ticket zum Lufthansa Final Four im Pokal ist gebucht, und in der Champions League geht es gegen Montpellier um den Einzug ins Turnier der besten vier Teams des Kontinents.

Doch gerade da das Team sich gefunden hat, deutet sich für den Sommer der nächste Umbruch an: Olafur Stefansson und Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson verlassen den Klub Richtung AG Kopenhagen, auch Karol Bielecki, Robert Gunnarsson sowie der eigentlich als Neuzugang eingeplante Krzysztof Lijewski sollen ab der kommenden Saison für die Dänen spielen.

Die Fans sind verstört, wandten sich zuletzt in einem offenen Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden Jesper Nielsen (Bericht).

Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson spricht im SPORT1-Interview über die Personallage, den Saisonendspurt und das Duell mit Superstar Nikola Karabatic am Sonntag (17.45 Uhr LIVESCORES).

SPORT1: Herr Gudmundsson, der THW Kiel hat das Spitzenspiel gegen den HSV gewonnen. Wäre Ihnen ein Sieg der Hamburger angesichts des Kampfes um Platz zwei lieber gewesen?

Gudmundur Gudmundsson: Ja, vielleicht. Für uns hat das aber eigentlich keine Bedeutung. Wir kümmern uns um unsere Leistung und nicht darum, was andere machen. Im Moment beschäftigen wir nur mit dem nächsten Spiel, und das ist das Champions-League-Viertelfinale. Wir denken an nichts anderes.

SPORT1: Hamburg tritt noch bei den Löwen an. Ist der HSV für Sie dennoch schon Meister?

Gudmundsson: Gar keine Frage. Da müsste schon viel passieren, damit das für Hamburg nicht klappt.

SPORT1: Am Sonntag kommt Montpellier nach Mannheim. Wie sehen Sie die Chancen, dass es die Löwen unter die letzten Vier nach Köln schaffen können?

Gudmundsson: Bei 50:50. Montpellier hat eine Spitzen-Mannschaft. Sie waren Gruppensieger, auswärts haben sie zum Beispiel gegen Hamburg gewonnen. Sie verfügen über einen breiten Kader mit vielen Top-Spielern. Aber wir haben auch ein gutes Team und momentan einen Lauf. Den ganzen April haben wir gut gespielt, wir werden als Mannschaft besser und besser. Deswegen gibt es auch Chancen auf einen Sieg für uns.

SPORT1: Montpellier hat mit Nikola Karabatic einen absoluten Superstar in ihren Reihen. Haben Sie sich spezielle Maßnahmen gegen ihn überlegt?

Gudmundsson: Natürlich läuft viel über ihn. Er setzt sich oft im Eins gegen Eins durch und hat enorme Qualitäten bei Anspielen und im Wurf. Aber er ist nicht der Einzige in dieser Mannschaft. Sie haben andere gute Spieler, da müssen wir auch aufpassen. Wir können es uns nicht leisten, uns auf nur einen einzigen Spieler zu fokussieren.

[kaltura id="0_m7c8cmeg" class="full_size" title="Rominger Das hat mir nicht so recht Spa gemacht "]

SPORT1: Was wäre für Sie ein gutes Ergebnis im Hinspiel?

Gudmundsson (lacht): Sehr schwer zu sagen, das weiß man erst nach dem Rückspiel. Bis jetzt ist es oft so gelaufen, dass wir auswärts gewonnen haben und dann zuhause unentschieden spielten. Natürlich werden wir alles versuchen, das Spiel zuhause zu gewinnen, auch mit der tollen Unterstützung unserer Fans.

SPORT1: Es wird angesichts der zahlreichen Abgänge nach Kopenhagen viel über die Zukunft der Löwen gesprochen. Muss man damit rechnen, dass im Sommer erneut ein großer Umbruch stattfindet?

Gudmundsson: Ich beschäftige mich im Moment nur mit einem. Und das ist das nächste Spiel. Es wird sicherlich einige Änderungen geben, aber dazu möchte ich mich eigentlich nicht äußern.

SPORT1: Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson kritisierte zuletzt, es fehle die Kontinuität bei der Personalpolitik. Bringt so etwas nicht Unruhe ins Team?

Gudmundsson: Nein. Wir sind sehr konzentriert, bei uns gibt es keine Unruhe. Es ist ja zuletzt auch sehr gut gelaufen. Die Unruhe ist nicht in der Mannschaft, sondern woanders.

SPORT1: Natürlich fragen sich die Fans, wie es weitergeht. Krzysztof Lijewksi beispielsweise hat eigentlich bei den Löwen unterschrieben, nun heißt es, er geht wie die Island-Fraktion nach Kopenhagen. Wissen Sie, wer bleibt, wer kommt, und wer geht?

Gudmundsson: Ja, davon gehe ich doch aus. Aber wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf wichtigere Aufgaben, bevor wir über den Kader für die nächste Saison sprechen.

SPORT1: Aber stört es Sie nicht in Ihrer Arbeit, dass die Vereinsführung so viel Einfluss nimmt auf die Gestaltung der Mannschaft?

Gudmundsson: Nein, bis jetzt stört uns das ganz offensichtlich nicht. Wir fokussieren uns auf unsere Aufgaben.

SPORT1: Im Pokal haben Sie das Final Four schon erreicht, wie eigentlich immer in den letzten Jahren. Was macht Sie zuversichtlich, dass es diesmal für den Titel reicht?

Gudmundsson: Wir haben in diesem Jahr schon gezeigt, dass wir alle schlagen können. Unser Ziel im Pokal ist zunächst einmal, sich für das Finale zu qualifizieren. Dafür müssen wir gegen Flensburg gewinnen. Wenn man dann im Endspiel steht, hat man alle Möglichkeiten. Wir sind den Spitzenvereinen näher gekommen. Wie nahe, das werden wir sehen. Seit der WM-Pause haben wir einen Lauf und gehen deshalb selbstbewusst ins Final Four.

SPORT1: Jetzt stehen in allen drei Wettbewerben die entscheidenden Spiele an - spüren Sie bei sich selbst, dass die Anspannung wächst?

Gudmundsson: Ich freue mich sehr auf diese Zeit. Es macht Spaß, diese interessanten Aufgaben anzugehen. Und es ist toll, in allen Wettbewerben solche Möglichkeiten zu haben wie wir jetzt. Wie gesagt: Wir haben bereits gezeigt, dass wir gegen die ganz Großen gewinnen können. Aber das müssen wir jetzt beweisen und im richtigen Moment die entsprechende Leistung bringen.

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